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Rinteln Stadt „Rinteln ist kein Freiluftmuseum“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Rinteln ist kein Freiluftmuseum“
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21:15 16.09.2013
Umgeben von historischen Häusern wird das alte Distelmeier-Gelände momentan als Parkplatz genutzt. Quelle: tol
Rinteln

An der Frage, ob diese Kombination bei dem geplanten Bauprojekt auf dem ehemaligen Distelmeier-Grundstück gelungen ist, scheiden sich jedoch die Geister. Während die Verwaltung das Projekt als „städtebauliche Verbesserung“ ansieht, sieht der Arbeitskreis in den Plänen ein Beispiel für die „Zerstörung von Erhaltenswertem“.

Vor zwei Wochen hat die IDB, die Immobilientochter der Sparkasse Schaumburg, dem Arbeitskreis Denkmalschutz ihre Pläne für das Distelmeier-Grundstück vorgestellt. Angedacht sind zwei dreigeschossige Wohntürme mit jeweils einem Penthouse auf dem Dach. Durch das Penthouse werden die Wohntürme ein Flachdach erhalten, außerdem kennzeichnen nach aktuellen Planungen große Fensterfronten und Balkone sowie ein weißer Außenputz den Bau.

 Genau diese optischen Merkmale sind es jedoch, die den Arbeitskreis gewaltig stören. Er erinnert in einer Pressemitteilung an die Gestaltungssatzung, die die Stadt 1998 verabschiedet hat. Sie beinhaltet besondere örtliche Bauvorschriften, durch die die Eigenart der historischen Altstadt und der Wallanlage geschützt werden soll.

 Der geplante Neubau widerspricht nun nach Ansicht des Arbeitskreises dieser Gestaltungssatzung in einigen Punkten. Die Stadt habe die Satzung durch Ausnahmegenehmigungen außer Kraft gesetzt, so der Vorwurf. „Fehlt dem Bauherrn und den Planern das Bewusstsein, dass dieses Gebiet ein historischer Ort ist?“, heißt es in der Mitteilung, die von Pressesprecher Uwe Ruszkowski unterzeichnet wurde. Nach Ansicht des Arbeitskreises sei mehr geschichtliche Sensibilität erforderlich, „bevor ein Baukörper entworfen wird, den ein Flachdach, große Fensterflächen, verglaste Balkons und schneeweiße Putzfassaden kennzeichnen“.

 Der Erste Stadtrat Uwe Schröder bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Sparkasse einen Bauvorbescheid erhalten hat, in dem die grundsätzliche Vereinbarung des Bauvorhabens mit dem Baurecht bescheinigt wird. In diesem Bescheid sei auch in Aussicht gestellt worden, dass einige Abweichungen von der Gestaltungssatzung mit der Baubewilligung genehmigt werden. Dabei handele es sich vor allem um die Punkte Dachform, Fassade und Dachbedeckung.

 „Eigentlich müsste der Bau ein Satteldach haben“, räumt Schröder ein. Bei dem geplanten Bau würde das Dach dadurch aber noch höher und damit auffälliger werden. Die Fassade soll zudem modernen Wohnungsbauansprüchen gerecht werden, weshalb auch die Fenster größer bewilligt wurden, als in der Gestaltungssatzung vorgesehen. „Und eine Dachbedeckung aus Ziegeln war bei dem geplanten Flachdach schwer umzusetzen“, so Schröder.

 Den Vorwurf des Arbeitskreises, dass die Stadt ihre Zukunft verspiele, da eine Stadt ohne Denkmale eine Stadt ohne Vergangenheit sei und sich so der Zukunft verschließe, kann er nicht nachvollziehen. „Rinteln ist kein Freiluftmuseum“, sagt er. Nach Ansicht der Stadtverwaltung sei die Planung eine städtebauliche Verbesserung zu dem vorangegangenen Zustand. Das habe auch der Verwaltungsausschuss so gesehen, der den Ausnahmegenehmigungen zugestimmt hat.

In Rinteln gebe es zudem eine große Nachfrage nach barrierefreiem, energetisch modernem Wohnraum, so Schröder. Dieser Bedarf könne im Umfeld der Stadt wegen der Hochwassergefahr jedoch nicht gedeckt werden, weshalb man auf Flächen im Innenbereich angewiesen sei. Brachflächen, wie die in der Ostertorstraße böten sich dafür natürlich an. „Die Zukunft der Stadt würde nur dadurch verspielt, wenn wir den Wünschen der Bevölkerung nach modernem Wohnangebot nicht nachkommen“, so der Erste Stadtrat.

 Günther Klußmeyer, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schaumburg, war überrascht, als unsere Zeitung ihn mit den Vorwürfen der Denkmalschützer konfrontierte. Er habe nichts vom Arbeitskreis Denkmalschutz gehört, seit diesem vor etwa zwei Wochen während einer Mitgliederversammlung die Pläne vorgestellt wurde. Klußmeyer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Arbeitskreis zudem schon lange vor dieser Informationsveranstaltung in die Planungen einbezogen worden ist und sogar einige Hinweise und Anregungen eingebracht habe. jaj