Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Rosemarie Grützner schreibt autobiografischen Roman
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Rosemarie Grützner schreibt autobiografischen Roman
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 08.04.2014
Rosemarie Grützner aus Steinbergen hat ein Buch über ihr Leben geschrieben. „Mimi – ein Leben wie die Boheme“ heißt es und ist auch im Buchhandel erhältlich. Quelle: tol

Von Cornelia Kurth

Steinbergen. Autobiografisch, gefühlvoll und mit genau der Portion gewitzter Selbstironie verfasst, die locker darüber hinwegsehen lässt, dass hier nicht eine geübte Schriftstellerin am Werk war, sondern eine Frau, die wachen Auges durch ein nicht gerade einfaches Leben ging und dabei von sich sagt: „Meine Rolle ist die des geborenen Verlierers, der seine Niederlagen mit Stil versucht in den Griff zu bekommen.“

 Eingerahmt ist diese Autobiografie, an deren lebhafte Hauptperson man sich so zugeneigt gewöhnt wie an die Protagonisten von Fernseh-Soaps wie „Lindenstraße“ oder „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“, von einer Liebesgeschichte, die mit großem Herzschmerz begann, sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht und schließlich zu einem romanhaft gutem Ende führt.

 Mit 16 Jahren verliebte sich Rosemarie, genannt „Mimi“ – Fotos zeigen ein ganz entzückendes Mädchen mit riesengroßen Augen – in einen jungen Musiker, der mit seiner Tanzkapelle ein mehrwöchiges Gastspiel in Berlin gab. Das war 1954, und sobald der strenge Stiefvater, der Ohrfeigen verteilte, wenn das Pflegekind auch nur zehn Minuten zu spät vom Tanz zurückkam, etwas von dieser aufkeimenden Romanze erahnte, verbot er ihr jeden Kontakt: „Dieser Notenbengel kommt mir nicht ins Haus!“ Es gab keine Chance, sich wiederzusehen, bis weit über 50 Jahre vergangen waren. Dazwischen liegt ein Leben voller Schicksalsschläge gerade in Bezug auf die Männer, denen Rosemarie Grützner begegnete.

 Das Buch „Mimi - ein Leben wie die Boheme“ könnte auch heißen: „Mein Leben als Frau“. Es ist schon faszinierend, sich beim Lesen all der sehr lebendig erzählten Geschichten zu vergegenwärtigen, wie schwer es die Großmutter-Generation oft hatte, sich in einer von männlicher Dominanz geprägten Gesellschaft nicht unterbuttern zu lassen. Als junge Waise sorgt Mimi früh für ihren eigenen Lebensunterhalt. Sie arbeitet erst im Osten Deutschlands und dann in Hamburg in Gaststätten und Hotels, verliebt sich in einen Polizisten, und da es kaum angehen konnte, einfach eine eher unverbindliche Affäre zu haben, heiratet sie und verliert damit quasi die Regie über ihr eigenes Leben.

 Bis Ende der 1960er Jahre waren Frauen in der Ehe beinahe rechtlos. Ihre Männer konnten bestimmen, ob sie berufstätig sein dürfen, was mit dem Geld geschieht, sie hatten bei allen Familienentscheidungen das letzte Wort und im Fall einer Scheidung standen die Frauen oft mittellos da. Mimis Mann war ein Trinker und ein Schläger, aber es dauert viele Jahre, bis sie wagte, sich von ihm zu trennen, mit der Konsequenz, dass sie ihre Kinder verliert und nahezu mittellos dasteht. Bald darauf heiratet sie, eher überstürzt, erneut, und als dieser Mann früh stirbt, noch ein drittes Mal, einen liebenswürdigen Autowerkstattbesitzer aus Steinbergen, für den sie seiner schweren Krankheit wegen 20 Jahre lang mehr Krankenschwester als Ehefrau ist.

 Das klingt nicht erfreulich, aber Rosemarie Grützner, die so gerne tanzt, Musik hört und schicke Klamotten trägt, die hart arbeiten kann, auf Menschen zugeht, immer neu die Liebe sucht und auch diejenigen versteht, die ihr das Leben schwer machen, sie hat mit „Mimi – ein Leben wie die Boheme“ ein authentisches Bild gezeichnet vom Alltagsleben einer als Kriegskind geborenen Frau, in deren Beobachtungen man so viel von dem erkennt, was Mütter und Großmütter zu erzählen haben. Und alles hat auch noch ein Happy End, als sie nämlich, schon weit über 60 Jahre alt, den ebenfalls in die Jahre gekommenen Musiker von damals wiederfindet.

 Mit ihm, Peter Grützner, der eine tolle Karriere als musikalischer Leiter großer Radio-Big-Bands hinter sich hat, lebt sie in Steinbergen, und wenn sie davon berichtet, wie sie sich lieben, streiten und versöhnen, dann könnte man meinen, in Wirklichkeit habe sie mit ihm ihr ganzes Leben verbracht.

 Ihr Buch kostet 19,90 Euro und ist über den Buchhandel zu beziehen.