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Rinteln Stadt Stadt bevorzugt männliche Ingenieure
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Stadt bevorzugt männliche Ingenieure
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18:20 04.02.2019
„Es gab schon Verfahren, wo wir gesagt haben, die sind alle gleich qualifiziert. Wir müssen jetzt aber den Mann nehmen." Claudia Zehrer Gleichstellungsbeauftragte Quelle: pr
Rinteln

In der niedersächsischen Verwaltung soll das Niedersächsische Gleichstellungsgesetz die Gleichbehandlung von Männern und Frauen fördern. Doch das kann im Einzelfall seltsame Blüten treiben. So ist die Stadt Rinteln bei zwei momentan laufenden Stellenausschreibungen für technische Berufe (ein Ingenieur und ein Techniker) verpflichtet, Männer zu bevorzugen. Das liest sich in der Stellenanzeige dann so: „Männer werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt.“ Allen „Girls’ Days“ und nationalen Pakten zum Trotz. „Das ist das Gesetz“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte Claudia Zehrer. Gleichgestellt werde nämlich nicht nach der entsprechenden Berufsgruppe, sondern nach der Entgeltgruppe. Jeder öffentlich Bedienstete wird nach dem Tarifvertrag einer bestimmten Entgeltgruppe zugeordnet.

Wenn die Stadt also – wie gerade der Fall – einen Ingenieur für die Hochbauabteilung sucht, geht es nicht darum, wie viele männliche oder weibliche Ingenieure es bei der Stadt Rinteln gibt, sondern wie viele Mitarbeiter der entsprechenden Entgeltgruppe zugeordnet sind. Das können Erzieherinnen, Buchhalterinnen oder eben auch Ingenieurinnen sein. Gibt es mehr Frauen in der Entgeltgruppe, dann müssen eben auch Männer bevorzugt werden. Das führt dazu, dass es zwar nur zwei Ingenieurinnen im Bauamt gibt, bei gleicher Eignung aber erneut ein Mann den Zuschlag bekommen würde.

Frauen oft in weniger gut dotierten Positionen

Das sei aber gar nicht so absurd, wie sich das vielleicht anhöre, erklärt Zehrer. „Es gibt viele Gründe, die verhindern, dass wir es anders machen.“ Der wichtigste sei die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Würde man nur die Berufsgruppe oder das Amt zugrunde legen, dann würde man gut und schlecht bezahlte Mitarbeiter über einen Kamm scheren. „Es ist aber so, dass Frauen oft weniger gut dotierte Positionen haben“, erklärt Zehrer. Daher sei die Betrachtung der Entgeltgruppen sinnvoller.

Tatsächlich gibt das Geschlecht der Bewerber immer wieder den Ausschlag. Das ist dann der Fall, wenn zwei Bewerber unterschiedlichen Geschlechts wirklich gleich qualifiziert seien. „Es gab schon Verfahren, wo wir gesagt haben, die sind alle gleich qualifiziert. Wir müssen jetzt aber den Mann nehmen.“

Von Jakob Gokl