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Rinteln/Hannover / Interview mit Max Otte

Statt Angst um Erspartes: Langweilige Anlagen!


In Krisenzeiten noch ruhig schlafen, statt sich ständig um die Ersparnisse zu sorgen? Für einen Börsenprofi ist das möglich. Max Otte, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Bestsellerautor und Fondsmanager, weiß, wie man sich vor Inflationsrisiken schützen kann.
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Rinteln/Hannover. Gestern Abend haben ihm rund 450 Kunden der Steinberger Firmen Stansch Kapitalmanagement & Service GmbH sowie Stansch Vermögensverwaltung GmbH gelauscht. Otte, „Börsianer der Jahre 2009, 2010 und 2011“ der Fachzeitschrift „Börse online“, sprach im VIP-Bereich des Stadions von Hannover 96, wohin Firmenchef Dieter Stansch eingeladen hatte. Unser Redakteur Dietrich Lange nutzte zuvor die Gelegenheit, ihn zu Anlagechancen und -risiken in schwierigen Zeiten zu befragen.

Herr Otte, bereits 2009 haben Sie in Bückeburg referiert mit dem Titel: „Die Welt nach dem Finanzcrash“. Jetzt fürchten viele Menschen den Crash des Euro mit ungeahnten Konsequenzen. Rechnen Sie auch damit – und wenn ja wann?

 Nein, der Euro wird in den nächsten Jahren nicht crashen. Die europäischen Regierungen haben sich entschlossen, die jetzige Kunstwährung mit allen Mitteln zu verteidigen. Das wird teuer und wird die Bürgerinnen und Bürger treffen. Aber es wird noch eine ganze Weile funktionieren. Im Übrigen wäre ein Ausstieg Griechenlands und einiger anderer Randstaaten kein Problem für den Euro. Das wäre sogar die beste Lösung.

Am Ende zahlen immer die kleinen Leute die Zeche, schon jetzt in Griechenland, bei all den Hilfspaketen und einem eventuellen Crash auch in Deutschland. Sollte man sein Geld jetzt schon in Sicherheit bringen?

 Wie gesagt, die sogenannte Euro-Rettung, die eigentlich weder eine Euro-Rettung noch eine Rettung Griechenlands ist, sondern nur den Banken dient, wird teuer. Wir werden das in Form höherer Inflation und Steuern bezahlen müssen. Aber das Geld wird nicht schlagartig seinen Wert verlieren.

Anlageberater empfehlen immer eine breite Streuung, nicht alles auf ein Pferd setzen. Was empfehlen Sie jemand, der sich zum Beispiel um seine 200000 Euro auf der hohen Kante Sorgen macht?

 Genau diese Streuung ist wichtig, und die ist sehr von der persönlichen Situation abhängig. Schlecht wäre es, wenn man all sein Geld in angeblich sicherem Festgeld, Lebensversicherungen oder Anleihen hielte. Die Renditen sind dort mickerig und gleichen nicht einmal die Inflation aus. Es käme zu einem schleichenden Wertverlust. Daher sind Sachwerte wie Aktien und Aktienfonds, Edelmetalle und Immobilien derzeit eigentlich besser für die langfristige Kapitalanlage.

Die Deutschen fühlen sich von unsicheren Märkten und Volkswirtschaften umzingelt, legen ihr Geld derzeit am liebsten in der Heimat an. Und instinktiv am häufigsten in vermietbaren Immobilien. Lohnt das, wo die Bevölkerung doch schrumpft?

 Immobilien sind sicher ein Bestandteil der Altersvorsorge, aber sie sind überbewertet. Sie sprechen schon einige Risiken an: sinkende Bevölkerung, steigende Auflagen, sinkende Kaufkraft. Mit einer Immobilie ist man immobil und durch den Staat erpressbar. Bei vielen Deutschen machen sie über 50 Prozent des Vermögens aus. Maximal ein Drittel wäre angemessener.

Gold ist teuer, attraktive Immobilien ziehen im Preis an. Bei Fonds gibt es solche und solche. Wo findet man denn derzeit noch günstige Investments mit guten Perspektiven und überschaubaren Risiken?

 Ich finde derzeit klassische europäische, deutsche oder globale Aktienfonds sehr attraktiv. Auch Aktien sind Sachvermögen, da man Anteilsscheine an echten Unternehmen hält. Das ist inflationsgeschütztes Vermögen. Wichtig ist, dass diese Fonds in solide Unternehmen und nicht in Modethemen investieren.

Gold ist zur Absicherung der Kapitalanlage gegen eine Krise immer noch nicht zu teuer. Je nach Anlegermentalität sollten es fünf bis 20 Prozent sein. Energiepreise steigen ebenfalls. Ist das ein Ausweg: Nach Energieeinsparung nun in alternative Energiegewinnung investieren, wegen Rendite oder Eigenversorgung? Bürgersolaranlagen und Windräder bieten dafür ja schon Modelle.

 Ich halte das für hoch riskant, da es eben ein Modethema ist und sehr von der staatlichen Politik und Willkür abhängt.

Wovor warnen Sie Anleger, die um ihr Erspartes fürchten, am dringendsten?

 Vermeiden Sie Derivate und Modethemen. Kaufen sie „langweilige“ Anlagen nach dem Reinheitsgebot: Festgeld und Anleihen, einfache Aktienfonds, Gold und Immobilien.

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