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Rinteln / Dorfgemeinschaftshäuser

Teurer Klotz am Bein der Stadt soll weg


Die elf Dorfgemeinschaftshäuser in der Stadt Rinteln sind auf der einen Seite eine Bereicherung der dörflichen Infrastruktur, auf der anderen Seite in Zeiten knapper Finanzen für die Stadt ein Klotz am Bein. „Wir wollen aber nicht einfach den Schlüssel umdrehen und die Häuser schließen“, ließ Bürgermeister Karl Heinz Buchholz jüngst bei einer Ortsratssitzung in Strücken wissen, sondern man setze auf das „Goldbecker Modell“. Das heißt, örtliche Vereine übernehmen gemeinsam ein Dorfgemeinschaftshaus.

Das Dorfgemeinschaftshaus Steinbergen wird von Vereinen, für Ortsratssitzungen, als Mietwohnung und Verwaltungsstelle genutzt. Auch hier will die Stadt die Verantwortung für das Gebäude loswerden.

© tol

Rinteln (wm). Dass das Thema, bereits vor zwei Jahren in der Politik diskutiert, die auch die Weichen in diese Richtung gestellt hatte, jetzt wieder auf die Agenda kommt, hat einen einfachen Grund: Noch gibt es für Sanierungsmaßnahmen an Dorfgemeinschaftshäusern unter bestimmen Voraussetzungen Gelder aus dem europäischen Förderprogramm Leader für ländliche Regionen. Damit ist aber voraussichtlich im Jahr 2013 Schluss.

Der geltende Beschluss des Finanz- wie des Verwaltungsausschusses zum Thema Dorfgemeinschaftshäuser ist eindeutig: Nur noch absolut notwenige Reparaturen sollen vorgenommen werden, um die Bausubstanz zu erhalten, mehr nicht.

Das bekommen jetzt die Strückener zu spüren, die sich eine neue Küche für ihr Haus wünschen. Nach 32 Jahren hat die alte Einrichtung ausgedient, Schubladen fallen heraus, Türen lassen sich nicht mehr schließen, überall sitzt der Gilb. Weil Buchholz das Thema als nicht verhandelbar erklärte, wollen sich die Ortsratsmitglieder jetzt auf die Suche nach Sponsoren machen.

Buchholz nutzte die Gunst der Stunde, in Strücken für das Goldbecker Modell zu werben, das auch problemlos auf Strücken passen würde, denn auch hier nutzen ausschließlich Vereine das Dorfgemeinschaftshaus. Und Buchholz kündigte an, man werde in nächster Zeit mit Rückendeckung aus der Politik nochmals verstärkt an die Vereine auch in den anderen Dörfern herangehen.
Es sind zwei besondere Anreize, die die Stadt in diesem Poker zu bieten hat: Erstens würde die GVS, die die städtischen Immobilien verwaltet, die Häuser, die von Vereinen übernommen werden, komplett durchsanieren, ehe sie übergeben werden. Zweitens hätte dann der Verein, geregelt durch einen Vertrag, das uneingeschränkte Nutzungsrecht der Immobilie und müsste nicht bei jeder Kleinigkeit im Rathaus um Genehmigung bitten.

Nicht jedes Dorf hat ein Dorfgemeinschaftshaus und nicht alle Dorfgemeinschaftshäuser sind gleich. Engern und Hohenrode haben große Mehrzweckhallen, in Hohenrode ist auch der Kindergarten im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. In den meisten Häusern hat die Feuerwehr ihren Versammlungsraum. In Engern, Steinbergen, Uchtdorf, Ahe und Volksen gibt es im Haus auch eine Wohnung, die vermietet ist. Das bedeutet, schildert GVS-Chef Jürgen Peterson, für jedes Dorfgemeinschaftshaus müsste nach und nach eine individuelle Lösung gefunden werden.

Vor einer Übernahme eines Hauses durch die Vereine, versicherte Peterson, werde gerechnet, ob die Vereine auch in der Lage sind, die Bewirtschaftung des Hauses mit eigenen Mitteln und Einnahmen zu unterhalten oder nicht. Je nach Größe des Hauses kommen da zwischen 10 000 und 15 000 jährlich zusammen. Können die Vereine als Träger das nicht aufbringen, werde die Stadt mit Zuschüssen einspringen, versicherte Peterson. Im Grundsatz ginge es vor allem darum, dass Vereine als Träger auch die Verantwortung für ihr Dorfgemeinschaftshaus übernehmen. Ziel müsse es sein, den Vereinen die Angst zu nehmen, sie würden sich mit der Übernahme eines Dorfgemeinschaftshauses in ein „finanzielles Abenteuer“ stürzen.

In der Praxis versprechen sich Buchholz wie Peterson davon, dass die Vereine selbst auf die Kostenbremse treten und dafür sorgen, dass jemand abends das Licht ausdreht. Wenn er manchmal morgens durch Dörfer fahre, erzählte Buchholz, sehe er in manchem Dorfgemeinschaftshaus noch Licht brennen: „Die Putzfrau kann das aber nicht sein.“

Peterson berichtet, da werde schon mal angerufen, eine Glühbirne sei kaputt mit der Folge, das extra ein Mitarbeiter rausfahren muss, um diese zu wechseln. Für Buchholz wie Peterson ist klar: Jede Lösung vor Ort ist preiswerter, als wenn das aus dem Rathaus oder von der GVS gemacht wird.

Auf der anderen Seite, betonte Buchholz, um kein schiefes Bild aufkommen zu lassen, gebe es selbstverständlich engagierte Vereine, die sich um die Häuser kümmerten und auch kleinere Reparaturen übernähmen.

Wilfried Schnüll, Vorsitzender des Verkehrs- und Heimatvereins Schaumburg kann sich eine „Goldbecker Lösung“ durchaus vorstellen. Der Verkehrs- und Heimatverein habe sich bereits das Haus in Goldbeck angesehen. Auch mit den Vereinen gesprochen, die die Häuser in Borstel und Rolfshagen betreiben, wo diese Modelle auch funktionieren.

Trotzdem ist Schnüll skeptisch, denn eine Diskussion unter den Schaumburger Vereinen habe ergeben, dass bei den anderen Schaumburger Vereinen wenig Gegenliebe für die Änderung des Status quo bestehe.

Auch Extens Ortsbürgermeister Thorsten Kretzer ist skeptisch. Das Problem sei, „Leute zu finden, die bereit sind, diese Verantwortung zu übernehmen“. Zweite Hürde, so Kretzer: In jedem Fall müsste ein neuer Verein als Trägerverein gegründet werden. Und speziell in Exten müsste die GVS erhebliche Summen investieren, ehe hier jemand bereit sei einzusteigen. Von der Heizung über die Toiletten bis zur Küche bestehe Sanierungsbedarf. Die andere Seite der Medaille: Das Haus in Exten werde praktisch jeden Tag genutzt von den Senioren über die Schützen bis zu den Fußballern. Ein solches Haus zu schließen wäre für das Dorf eine Katastrophe.

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