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Rinteln Stadt Tom Sack: Freispruch zum Greifen nahe
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Tom Sack: Freispruch zum Greifen nahe
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20:08 26.01.2011
Nach der Verhandlung: Tom Sack (Mitte) im Interview mit NDR-Redakteur Wilhelm Purk. Links Sacks Anwalt Roman von Alvensleben. Quelle: ly

Rinteln/Bückeburg (ly). Nix Freispruch: Vorläufig eingestellt hat die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht das Verfahren wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 34 Fällen. Sack sollte Bilder der mutmaßlich erfundenen Künstler „Ernst Cuno“ und „Joe Kapingo“ selbst gemalt haben, um diese im Internet über Ebay zum Verkauf anzubieten, zur Wertsteigerung aufgepeppt mit ebenfalls ausgedachten Biografien.

Ist etwa Tom Sack der eher unbekannte Joe Kapingo? „Den Maler gibt es wirklich“, versicherte der Angeklagte und nannte einen Namen, „74 Jahre alt, er lebt in Berlin“. Sack will die Werke in Kommission genommen haben. Und Ernst Cuno? Der habe „hobbymäßig gemalt“. Künstler Sack will den Nachlass aufgekauft haben.

Strafbar hat er sich kaum gemacht. „Die Einstellung kommt einem Freispruch sehr nahe“, erklärte die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus. „Dann hätten Sie mich auch freisprechen können“, erwiderte Sack, der sich zuvor bitter über die Folgen von Prozessen und Hausdurchsuchungen beklagt hatte: „Mein Geschäft ist zerstört, meine Lebensgefährtin hat sich von mir getrennt.“

Nur mit dem Gutachten wirkte der Angeklagte, zwischenzeitlich Jura-Student in Halle (Saale), recht zufrieden. Als Experten hatte das Gericht Professor Nils Büttner von der staatlichen Akademie der bildenden Künste (Stuttgart) eingeschaltet. Fazit: Für Büttner ist nicht nachzuweisen, dass Sack den Pinsel geführt hat. „Die Bilder stammen vom Angeklagten, aber ich habe nicht gesagt, dass er sie gemalt hat.“

Vielleicht hätte der ehemalige Rintelner das auch gar nicht nötig. „Ein Tom Sack könnte inzwischen mehr wert sein als ein Joe Kapingo“, mutmaßte Büttner in Anspielung auf die Bekanntheit Sacks, der seinen Fall komplett im Internet veröffentlicht. Dagegen seien weder Cuno noch Kapingo jemals in Erscheinung getreten. Büttner hält beide für ausgedacht. „Es geht darum, einen Markt zu schaffen.“ Um Kunst gehe es nicht.

Für eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung muss es zu einer „Täuschung im Rechtsverkehr“ gekommen sein. Bei Sack handelte es sich jedoch um Werke unbekannter Künstler. Wer einen Kapingo kaufte, wusste demnach, was er tat.

Kein gutes Bild gibt in diesem Verfahren die Staatsanwaltschaft ab. Von ursprünglich 201 Punkten war die Anklage auf 34 eingedampft worden. Den Rest ließ das Gericht nicht zu.

Tom Sack hat unterdessen andere Sorgen. In Berlin ist er kürzlich wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Sack soll gefälschte Bilder echter Künstler wie Paul Cézanne verkauft haben. Sein Anwalt Roman von Alvensleben hat Berufung eingelegt.

Das Bückeburger Verfahren wird angesichts des Berliner Urteils eingestellt. Eine zusätzliche Bestrafung wäre nicht ins Gewicht gefallen. Noch offen sind zudem einige kleinere Sachen. Sack wird die Justiz weiter beschäftigen.