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Rinteln Stadt „Totentür“ ist wieder da
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Totentür“ ist wieder da
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00:23 15.03.2018
Die freigelegte „Totentür“ in der Jakobikirche. Quelle: cok
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RINTELN

Die „Totentür“, das ist die Tür, eigentlich fast ein Tor, durch die früher die Särge nach einem Beerdigungsgottesdienst hinausgetragen wurden, bis zum Jahr 1659 noch direkt auf den kleinen Friedhof, der damals an der Nordseite der Kirche lag (heute befindet sich der evangelisch-reformierte Friedhof an der Ost-Contrescarpe). Auch später noch trug man die Särge durch diese Tür hinaus, denn der Haupteingang besaß nur rechts und links zwei kleinere Eingänge, durch die man Särge nicht manövrieren konnte.

Mit dem Umbau des Haupteingangs im Jahr 1971 fiel das Sarg-Transport-Problem weg, die „Totentür“ wurde überflüssig und verschwand zugemauert hinter dem Putz.

Andere Gemeinden hätten den eindrucksvollen Türbogen vielleicht von Beginn an erhalten. Immerhin ist er genau so alt wie die Kirche insgesamt, ganze 780 Jahre. Aber die „Reformierten“ sind ja insgesamt gegen überflüssige Sentimentalität und schmückendes Beiwerk in ihren Kirchen eingestellt. Immerhin erkannten eingeweihte Gemeindemitglieder den Platz an der Nordwand auch dann noch, wenn der Bogen gerade nicht durch den Putz hindurchschimmerte: Dort steht nämlich die hohe Grabplatte des Rintelner Jura-Professors Herrmann Zoll, gestorben 1725.

„Nun, die Zeiten ändern sich“, meint Buitkamp. Der „Totentür“-Bogen soll von nun an sichtbar bleiben, ebenso wie ein alter Fensterrahmen, den die Handwerker freilegten.

In Wirklichkeit hieß der Ausgang übrigens nie offiziell „Totentür“, sondern ganz nüchtern „Nordausgang“. cok

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