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Rinteln Stadt Uhrmacher in dritter Generation
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17:28 30.09.2018
Jürgen Adalberts und sein Sohn Jan präsentieren einen uralten Uhrenkatalog. Auch Adalberts junior ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten, doch die Branche hat insgesamt Nachwuchsprobleme. Quelle: mv
Rinteln

Seit 2003 führt Jürgen Adalberts das Uhren-, Schmuck- und Optiker-Geschäft „Adalberts“. Der 59-Jährige absolvierte die Ausbildung 1977 bei seinem Vater, der die Leitung wiederum von seinem Vater übernommen hat. Nur vom Krieg unterbrochen besteht das Geschäft seit 1921, wenn auch an einem neuen Standort an der Weserstraße in Rinteln.

Eigentlich wollte er ein Tiergeschäft eröffnen

Ursprünglich wollte Jürgen Adalberts ein Tiergeschäft eröffnen. Auf Drängen seines Vaters schloss er jedoch die Uhrmacher-Lehre ab. Auch Adalberts‘ Sohn Jan folgte dem beruflichen Pfad des Vaters, Großvaters und Urgroßvaters und lernte den Beruf des Uhrmachers in Hamburg. Nun arbeitet er also in der schon vierten Generation als Geselle im Familienunternehmen mit. Zusätzlich zu dem Vater-Sohn-Gespann ist auch die Ehefrau und Mutter, Beate Adalberts, im selben Laden als Optikerin tätig. Auch Tochter Janina schlug diesen Weg ein, arbeitet zurzeit aber in Neuss.

Jürgen Adalberts werde der Job nie langweilig, da es oft neue Uhrwerke zu reparieren gebe. „Ich bin mit Herz dabei und repariere am liebsten alte, mechanische Uhren“, erklärt der Hobbygärtner und verweist bei der Gelegenheit darauf, dass der Beruf deutlich mehr sei als stumpfes Batterienwechseln. Trotzdem registriert auch er einen immensen Rückgang der Uhrmacher-Werkstätten in der Region: „Viele junge Lehrlinge wechseln in die Industrie, weil das einfach attraktiver ist.“

Ausbildung ist für Betriebe teuer

Sohn Jan ergänzt, dass die Kosten für eine Ausbildung zum Uhrmacher für die Betriebe enorm hoch seien und es deswegen nicht mehr so attraktiv sei, Auszubildende überhaupt anzunehmen. Außer der Lehre an sich würden sich Materialien wie zusätzliche Werkzeuge und die Transportkosten zu den Schulen summieren. Hinzu kommt, dass eine Ersatzkraft im Betrieb eingestellt werden muss: „Die möchten dann ja auch bezahlt werden“, sagt der 23-Jährige.

Als weitere Beobachtung stellt Jürgen Adalberts eine Preiserhöhung in vielen Geschäften fest. Das läge laut dem in Hamburg Geborenen an den harten Bedingungen, die namhafte Uhrenhersteller erfüllt sehen wollen. Die Uhrmacher bräuchten spezielle Zertifikate, um die Modelle einiger großer Marken überhaupt reparieren zu dürfen. Deswegen müsse man sein Geld durch die Erhöhung der Preise bei anderen Reparaturen verdienen.

Kunden legen teilweise weite Strecken zurück

Weil so viele Geschäfte schließen, kämen viele Kunden von außerhalb und legten teilweise weite Strecken zurück, um ihre tickenden Schätze reparieren zu lassen. Manche Zeitmesser sind ganz gewiss Schätze: Sei es aufgrund des hohen Alters oder der verwendeten Rohstoffe wie Gold oder Diamanten.

Jürgen Adalberts erzählt, dass viele Sammler deutlich mehr Uhren haben, als sie tragen können. Jene investierten viel in teure Zeitmesser, um sie als Wertanlage zu verwenden. Es gebe wahre Besessene, die echte Experten auf dem Gebiet seien und stattliche Sammlungen angehäuft hätten.

„Ich selbst habe zeitweise 21 Großuhren besessen, die natürlich einiges an Platz in Anspruch genommen haben. Irgendwann hat meine Frau dann gestreikt“, erinnert sich Adalberts schmunzelnd. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass es außer den mechanischen Armbanduhren auch große Standuhren gibt, die als Großuhren bezeichnet werden.

Von Smartwatches hält der Uhrmacher nicht viel

Von digitalen Smartwatches, die zum Beispiel auch Mails oder die eigenen Schritte anzeigen, hält Adalberts hingegen überhaupt nicht viel: „Da sind aus meiner Sicht keine Uhren.“ Ihm fehle das Mechanische sowie die Möglichkeit, sehen zu können, wie so ein Zeitmesser mit seinen Zahnrädern überhaupt funktioniert. Den Markt für qualitativ hochwertige, mechanische Uhren werde es laut Adalberts jedoch immer geben, sodass es das Geschäft an der Weserstraße seiner Meinung nach „gerne noch einige Generationen geben darf“.