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Rinteln Stadt Und zum Nachtisch einen Herzinfarkt?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Und zum Nachtisch einen Herzinfarkt?
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18:37 09.08.2011
Diese „Sommeruni-Studenten“ fragten bei Rintelnern nach: „Was essen Sie?“ Quelle: tol
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Rinteln (nell). Unter der Leitung des gelernten Kochs Helge Kletti, wissenschaftlicher Mitarbeiter des E-Learning Portals der Leibniz Universität Hannover, befragten die teilnehmenden Schüler rund 20 Einwohner Rintelns. Von selbstständigen Unternehmern, über Angestellte, bis zu Lastwagen-Fahrern antworteten alle auf die gleichen Fragen: Was essen Sie zum Frühstück, Mittag, Abendbrot?
„Die Befragten legen unterschiedlichstes Verhalten an den Tag“, erklärt Helge Kletti, trotzdem ließen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen. Für viele Rintelner bestehe das Frühstück jeden Tag nur aus einer Tasse Kaffee und einer Zigarette. Einige geben an auch mal ein Marmeladenbrötchen zu essen, andere hingegen gingen morgens ohne Frühstück aus dem Haus. Mittags würde oftmals warm gegessen, abends von einigen Befragten sogar noch einmal. Häufiger käme jedoch ganz klassisch abends Brot auf den Tisch. „Einige sagen sogar: Ich ess dann auch ganz ungesund Marmeladenbrötchen“, erzählt Kletti, in seinen Augen völlig falsch. Es komme darauf an, ob man eben nur ein Marmeladenbrötchen isst, oder ob man sich jeden Tag fast nur davon ernährt. „Die Menge macht das Gift“, das gelte auch hier.
Und die Essenszeiten? Eine Gruppe hielt die bewusste Ernährung für wichtig und schätzte deshalb das „Essensritual“. Oftmals habe es sich um selbstständige Unternehmer gehandelt, die sich ihre Zeit selbst einteilen können. Andere wollten zumindest, dass „abends die Familie zusammenkommt, gemeinsam isst und sich über die Ereignisse des Tages austauscht“, so Kletti.
Auch die Umfrage ergab, dass heutzutage das „kulturelle Ereignis Essen“ vielen fremd geworden sei. Die meisten der befragten Rintelner Angestellten würden unter Termindruck oft zum Fast Food greifen, und das zu überaus unregelmäßigen Zeiten. Das entspannte Essen in familiärer Umgebung, finde heute kaum noch statt – Tendenz weiter abnehmend. Dies werde vor allem bei Schülern deutlich, für die der schnelle Döner zum Maß aller Dinge geworden sei. „Zur Mittagszeit sind viele Eltern eben nicht zu Hause, und viele der Kinder haben nie gelernt, selbst zu kochen“, so Kletti.
Die Folgen sind schon unübersehbar: steigende Kosten für das Gesundheitswesen, da immer mehr Menschen an Übergewicht leiden und (infolgedessen) an Diabetes erkranken. Die Lösung? „Das kulturelle und gesellschaftliche Ereignis Essen muss wieder im Vordergrund stehen“, fordert Kletti. In seinem Kochbuch „Koch doch!“ stellt er hochwertige und einfache Rezepte für Studenten vor und versucht so gegen die Prognose für das Jahr 2017 anzugehen, in dem angeblich die Roulade ausgestorben sein soll.
„Man darf nicht mit erhobenem Zeigefinger“ auf die Leute zugehen“, mahnt der Koch. Um der fremdbestimmten Ernährung entgegenzuwirken, müsse man den Menschen die Lust am Kochen und an gesunder Ernährung vermitteln.

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