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Rinteln Stadt „Verlust historischer Substanz“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Verlust historischer Substanz“
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00:17 11.04.2016
Im Innenbereich des Hauses ist mit den Abbrucharbeiten bereits begonnen worden. Quelle: pk
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Rinteln

Das Haus stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Weiter heißt es, das Bauunternehmen Steding plane dort einen „größeren Gebäudekomplex“. Doch weder das Bauamt noch die Firma selbst wollen sich bislang zu dem vermeintlichen Vorhaben äußern.

Aus dem Bauamt heißt es, es handele sich noch um einen „laufenden Vorgang“, deshalb könne und wolle man noch nichts Näheres dazu sagen. Und Kay Steding, Geschäftsführer des Bauunternehmens Steding, bestätigt auf Anfrage zwar, dass das Grundstück ihm gehöre und er dort bauen will. Aber was? Darüber hüllt er sich in Schweigen.

Diese Zurückhaltung ist vermutlich auf die Querelen zwischen der Stadt Rinteln und Bauherr Veit Rauch auf der einen Seite und der Kommunalarchäologie und dem Landesdenkmalamt für Denkmalpflege auf der anderen Seite zurückzuführen. Zur Erinnerung: Im Sommer 2015 mussten die Bauarbeiten für Rauchs Wohnprojekt an der Ritterstraße 2 für archäologische Grabungen unterbrochen werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte einen Verstoß gegen die Bodendenkmalpflege ausgemacht und bei der Stadt eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Erfolglos. Im Umkehrschluss beendet die Stadt die Zusammenarbeit mit der Kommunalarchäologie. Für Rauchs Wohnprojekt hatte ein rund 200 Jahre altes Fachwerkhaus abgerissen werden müssen.

Projektvorstellung auf der Webseite

Ein Blick auf die Internetseite der Firma Steding gibt zumindest ansatzweise Aufschluss. Bereits Anfang März wurde bei der Firma Lohmann ein Projekt vorgestellt: „Neubau barrierefreier Eigentumswohnungen Krankenhäger Straße“ ist auf Stedings Website zu lesen. Eine Hausnummer ist nicht angegeben. Allein die dazugehörige Grafik deckt sich weitgehend mit der Häuserfassade links und rechts der Hausnummer 25.

Die Abrissarbeiten haben offenbar schon begonnen. Die Fenster wurden entfernt. Im Innenbereich sind Decken und Wände eingerissen worden, Elektroleitungen liegen frei. Auf dem freien Grundstücksgelände neben dem Haus steht ein Schuttcontainer. „Dort wurde bereits im vergangenen Jahr das Haus Krankenhäger Straße 24 abgerissen, dessen Dachstuhl nachträglich auf das Jahr 1455 datiert werden konnte“, schreibt Stefan Meyer auf der Facebook-Seite der Eulenburg.

Juristische Klarheit

Bedauern beim Arbeitskreis Denkmalschutz: „Der Abriss ist natürlich ein Verlust“, sagt der Vorsitzende Matthias Wehrung. „Allerdings ist die Sache juristisch klar: Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz.“ Damit sind den Denkmalschützern die Hände gebunden. „Die Stadt konnte gar nicht anders“, als der Firma Steding die Genehmigung zu erteilen. Das Haus kommt also weg. „Das ist das Problem in Rinteln: Nach und nach verschwindet historische Bausubstanz“, beklagt der Vorsitzende.

Der Arbeitskreis versuche nun, das Positive im Negativen zu sehen. „Dem Bauherrn wurde vom Bauamt die Auflage erteilt, einen Teil des Neubaus mit einer Fachwerkfassade zu versehen.“, so Wehrung.

Unterdessen rüsten sich die Denkmalschützer für die Zukunft. Eine „Nacherhebung“ der bestehenden Denkmalliste durch das Landesamt für Denkmalpflege stehe im Raum. Somit bestehe die Möglichkeit, dass in Zukunft weitere Gebäude in die Liste mit aufgenommen werden.

Auf der Facebook-Seite der Eulenburg drückt auch Meyer sein Bedauern über den Abriss des Hauses aus: „Für dieses Haus ist es zu spät. Aber für andere Häuser nicht“, schreibt er dort. „Leider steht nur ein kleiner Teil der Altstadthäuser unter Schutz. Nicht einmal alle alten Adelshöfe sind dabei.“ Die Kommentare einzelner Rintelner ließen nicht lange auf sich warten.

Rintelner äußern sich auf Facebook

„Sehr schade um Rintelns eigentlich schöne Altstadt – mit jedem abgerissenen Fachwerkhaus verliert sie ihren Charme“, findet Sabrina Noack. „Schade. (Fast) Immer siegt Geld über Historie und Identität“, meint Sabine Sondermann. Ingo Wijchers glaubt: „So etwas wird sich rächen, nur eine Frage der Zeit.“ Im Giebel des Hauses an der Krankenhäger Straße 25 ist „Anno 1681“ zu lesen. Aber Museumsleiter Meyer zufolge ist das Datum nicht korrekt. Das Haus soll eher aus dem 18. Jahrhundert stammen und mehrfach umgebaut worden sein.

Im 18. Jahrhundert habe sich dort eine Bäckerei befunden, im 19. Jahrhundert sei dort der Maler Droste ansässig gewesen. Im Laufe des vorherigen Jahrhunderts soll die Fassade „komplett verändert“ worden sein, „vielleicht unter Verwendung alter Hölzer“. Da das Grundstück seit dem Mittelalter bebaut sein soll, sei die archäologische Datierung relevant, sagt Meyer. pk

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