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Rinteln Stadt Viele Bäume in Rinteln nicht mehr zu retten
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Viele Bäume in Rinteln nicht mehr zu retten
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19:53 13.02.2019
Die Ortsratsmitglieder Stephan Jacob (links) und Matthias Wehrung (rechts) sehen sich mit Bauhofleiter Klaus-Ulrich Hartmann die Kastanien an der Burgfeldsweide an. Ein tiefer Riss zeigt: Dieser Baum ist nicht mehr zu retten.  Quelle: jaj
Rinteln

„Da wird in den nächsten Jahren noch einiges auf uns zukommen“, befürchtet Bauhofleiter Klaus-Ulrich Hartmann. Er meint die vielen neuen Krankheiten, Schädlinge und Pilze, die den Bäumen im Stadtgebiet zu schaffen machen. „Und das wegen ein bis zwei Grad Klimawandel“, sagt er kopfschüttelnd.

Gerade hat er sich mit der Baumkontrolleurin Antje Wiskow sowie Mitgliedern von Ortsrat und Stadtverwaltung die Kastanien an der Burgfeldsweide angeschaut. Mit vernichtendem Ergebnis: Vier von ihnen müssen gefällt werden. Sie sind von dem Bakterium Pseudomonas befallen. „Hier müsst Ihr anfangen zu fällen“, sagt Wiskow und zeigt auf eine Kastanie, deren Stamm schon einen tiefen Riss aufweist. „Dieser Baum ist wirklich gefährlich.“

Das sieht auch Ortsratsmitglied Matthias Wehrung ein. „Aber wie ist das mit Neuanpflanzungen?“, will er wissen. Die werde es geben, versichert Hartmann. Nur Kastanien würden dort sicher nicht mehr gepflanzt. Wegen des Bakteriums. Die Ansteckungsgefahr sei einfach zu groß.

Szenenwechsel. Im Blumenwall sieht eine der großen Linden am Hauptweg auf den ersten Blick gut aus. Doch als Wiskow mit ihrem Hammer gegen den Baum schlägt, wird klar: Der Stamm ist hohl. „Dieser Baum könnte jederzeit unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen“, erklärt Wiskow. „Dazu braucht es nicht einmal einen Sturm.“

Diskussion um Graft

„Wir sind verkehrssicherungspflichtig“, erläutert Uwe Quindt vom Bauamt der Stadt. Deshalb werde der Baum noch im Februar gefällt. Genauso wie eine fast tote Birke und ein bereits toter Mammutbaum, die ebenfalls im Blumenwall stehen. Auch sie seien nicht mehr zu retten.

Diskussionen gibt es hingegen am Einlauf der Graft. Dort sind einige Eschen von einem Pilz befallen, doch auch ein gesunder Ahorn ist mit dem typischen roten Punkt markiert. Er soll weichen, damit der Bagger, der die Graft auskoffern soll, den Schlamm auf die Lastwagen laden kann. Wehrung ist nicht einverstanden. Er glaubt, dass der Platz auch reicht, wenn der Ahorn stehen bleibt. „Wenn wir da einen neuen pflanzen, dauert es 40 Jahre, bis der wieder so groß ist“, ereifert er sich. „Wir haben auch 40 Jahre darauf gewartet, dass die Graft entschlammt wird“, entgegnet Hartmann.

Man einigt sich darauf, noch mal mit dem Bauunternehmer zu sprechen. Gibt dieser sein Okay, bleibt der Ahorn. Ansonsten muss er weg. Das ist auch für Wehrung in Ordnung. „Wenn es Ersatzanpflanzungen gibt.“ Natürlich gebe es die, versichert Hartmann. Doch so natürlich ist das für Wehrung nicht. Immerhin seien im Blumenwall in der Vergangenheit 80 Bäume mehr gefällt als gepflanzt worden. Von wem diese Statistik komme, will Wiskow wissen. „Von mir“, antwortet Wehrung.

Weniger Diskussionen gibt es später um einen Silberahorn, der in der Bahnhofstraße am Kino steht. Es handele sich um eine schnell wachsende Sorte, die dadurch nicht stabil sei, erläutert Wiskow. Hinzu kommen Misteln, die die ganze Krone des Baums bewuchern. „Die rauben ihm zusätzlich Kraft“, erläutert die Baumkontrolleurin. Einfach die Misteln wegschneiden, sei leider keine Option, da man jeweils etwa zehn Zentimer vom Stamm wegnehmen müsse. „Dann würde von der Krone nichts mehr übrig bleiben.“

Von Jessica Rodenbeck

Ernüchternde Bilanz

Zwei Stunden lang ist die Gruppe unterwegs. Vom Fokkenkump, an dem drei Zierkirschen gefällt werden müssen (und sechs wieder nachgepflanzt werden), bis zur Bahnhofstraße wird über jeden einzelnen Baum auf der Liste gesprochen, fast alle werden auch in Augenschein genommen. So eine penible Überprüfung hat auch Wiskow, die in vielen Kommunen zum Einsatz kommt, noch nicht erlebt. „Das gibt es nur in Rinteln“, sagt sie.

Bilanz des Termins: Etwas mehr als 20 Bäume müssen gefällt werden, hinzu kommen zahlreiche Pflegeschnitte. Diese seien notwendig, damit die Bäume nicht nach und nach weitere Äste abwerfen, erklärt Wiskow. Auch die 1871 gepflanzte Friedenseiche im Blumenwall ist davon betroffen. Ihre Wurzeln sind defekt, in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde soll die Krone geschnitten werden, um ihr mehr Stabilität zu geben. „Wenn wir die Bäume nicht schneiden, machen sie es selbst“, verdeutlicht Wiskow. „Nur nicht so schön.“ jaj