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Rinteln Stadt Von Schirmen bis Schietwettertee
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00:17 03.02.2016
Wartet im Regen: Holzfäller Carsten Barke mit seinen Gartenmöbeln. dil
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Rinteln

Zunächst Trockenheit und milde Temperaturen lockten am Sonntag aber wieder Tausende in die Innenstadt. Der verkaufsoffene Sonntag des Einzelhandels profitierte davon ebenfalls.

 Noch am Freitag und Sonnabend hatte Marktmeister Daniel Jakschik kurzfristig zwei Absagen bekommen, konnte aber mit Standinteressenten von der Warteliste auffüllen. „Die Nachfrage ist inzwischen so groß, weil dieser Markt zeitlich nahezu konkurrenzlos ist, dass wir zunehmend Absagen erteilen müssen“, sagte Jakschik, der sich Sonnabendmittag schon mal durchnässt zum Aufwärmen in die Tourist-Info zurückgezogen hatte. So blieb das Angebot mit über 60 Ständen umfangreich wie sonst.

 Was gab es Neues auf dem Markt? Aus Möllenbeck kam Michael Stiak mit Flammlachsbrettern zum Selbergrillen. Der Hobbygriller war im Internet inspiriert worden: Unbehandeltes Holz von Lärche oder Fichte, Einsteckklemme für den Grill und Klemmhalterung (beides aus Edelstahl) für den Lachs, ein paar Schrauben, fertig ist das Gerät.

 Noch ein paar Buchenholzscheite lodern lassen, und schon bekommt der Lachs seinen Geschmack, nur zu trocken darf man ihn nicht werden lassen. „Ich verkaufe das große Brett für 32 Euro, das kleine für 27 Euro, und wer wissen will, wie es schmeckt, dem biete ich die Portion mit 350 Gramm Lachs für 6,50 Euro, gewürzt mit Koriander, Meersalz, schwarzem Pfeffer und Senfkörnern“, erzählte Stiak.

 Über 100 Bretter hatte er vorbereitet. „Ich habe mit einem Freund gewettet, dass ich alle los werde. Wenn ja, mäht er mir im Sommerurlaub den Rasen, wenn nein, dann muss ich ihm fünf Liter Obstler bezahlen.“ Nach dem schlappen Sonnabend richtete sich Stiak schon ’mal aufs Bezahlen ein.

 Seit 20 Jahren ist Forstarbeiter Carsten Barke aus dem Westharz auf Märkten unterwegs, um hölzernes Kinderspielzeug und rustikale wetterfeste Gartenmöbel anzubieten. Am Sonnabend saß er allein unter seinem großen Schirm, kaum jemand wollte auf den pitschnassen Bänken Platz nehmen. Aber man sah, das Wasser perlte von dem mit Bondex imprägnierten Holz ab.

 800 Euro für zwei Bänke und einen Tisch sind kein Pappenstiel. Einen 100 Kilogramm schweren Tisch klemmt man sich auch nicht mal eben unter den Arm. Also nichts für Spontankäufer. „Ich setze auf das Nachgeschäft, liefere auch frei Haus“, gab sich Barke unverdrossen optimistisch. Am Sonntag leisteten dem gelernten Holzfäller dann doch einige Interessierte Gesellschaft.

 Die Sturmböen zerrten heftig an Sabine Michaela Rusts Stand mit Eierlikörspezialitäten. Zusammen mit ihrem Mann Jörg präsentierte die Bad Oeynhausenerin rund 20 Geschmacksvariationen aus ihrer Genusswerkstatt – vom Whisky über Zuckerrohrschnaps bis Latte Macchiato und Cappuccino, in großen und kleinen Flaschen. Viele Besucher nippten aus den kleinen Gläschen und nahmen sich etwas mehr für zu Hause mit. „Sahne, Eierlikör, Puderzucker, Bourbonvanille und Spirituosen bilden die Mischung“, sagte sie. „Und alles ist gleich gut“, schwärmte er. Beide versenden Bestellungen bundesweit und sogar nach Ägypten, wo sie im Umfeld ihres Ferienappartements schon viele Touristen und koptische Einheimische als Kunden gewonnen haben.

 Manuela Schatz aus Gelsenkirchen hatte sich kurzfristig für den Rintelner Markt entschieden „weil sonst ja noch nirgendwo was los ist“. Mit ihren Schirmdesigns vom Ölgemälde über Palmendach bis Tiermotiv und durchsichtig oder mit Kinderbildern hätte man eigentlich großen Andrang erwarten können.

 „Doch die meisten kamen am Sonnabend ja schon mit Schirm“, schmunzelte sie. „Doch die Schirme schützen auch gegen Sonne.“ Und genau auf diese hoffte Schatz deshalb für Sonntag. 29,95 Euro für ein Exemplar, da muss es schon mehr als ein Gebrauchsgegenstand sein. Ihr Motto lautet: „So eine schöne Stadt braucht schöne Schirme.“

 Auf besseres Wetter hoffte am Sonnabend auch Michael Kantrup mit seinem Tee- und Gewürzstand. Seinen „Schietwettertee“ konnte er anpreisen, wie er wollte, die Leute antworteten: „Schlechtes Wetter haben wir selber.“ dil

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