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Rinteln Stadt Was von den Zähnen bleibt
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00:16 22.09.2013
Dr. Jens Wilharm präsentiert Zahngold, das Patienten in seiner Praxis gelassen haben. Quelle: jak
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Von Jakob Gokl

Rinteln. Die Frage, was mit dem Gold geschehen soll, entscheidet sich für die meisten Patienten bereits in der Praxis.

 „60 bis 70 Prozent der Patienten nehmen ihr Altgold mit“, erklärt Jens Wilharm, Zahnarzt aus Rinteln. Denn das Gold gehört ihnen, sie haben dafür bezahlt. Alternativ bietet er dem Patienten an, das Gold über seine Praxis für einen wohltätigen Zweck zu spenden. „In der Vergangenheit für ,Pro Familia‘“, erklärt er, „doch seit einigen Jahren spende ich für lokale Organisationen, wie den Kinderschutzbund.“ Immerhin 1400 Euro kamen auf diesem Weg im Jahr 2009 auf. Doch auch andere, nicht-wohltätige Organisationen sind hinter dem Gold her.

 „Regelmäßig rufen Firmen oder Personen an, die dieses Altmetall kaufen möchten“, sagt Wilharm. Mit Tricks würden diese versuchen, bis zu Wilharm durchgestellt zu werden. So habe einer zum Beispiel erklärt, er wolle „mal wieder eine Dichtemessung durchführen“, erinnert sich der Zahnarzt. Die Sprechstundenhilfe habe damit nichts anfangen können und den Anruf weitergeleitet, woraufhin dieser dem Arzt gleich den wahren Grund erklärte: Ob er denn noch Zahngold habe? „Ich will mit so was nichts zu tun haben“, stellt Wilharm klar. Doch die Häufigkeit der Anrufe deute darauf hin, dass es den einen oder anderen Zahnarzt geben müsse, der darauf eingehe.

 Auch Klaus-Peter Droste, Vorsitzender des Vereins Rintelner Zahnärzte, bekommt derartige Anrufe. Doch auch er will sich an dem Geschäft mit dem Zahngold nicht beteiligen. Ebenso wie sein Kollege klärt er jeden Patienten darüber auf, dass diesem das Gold gehöre. Er könne es entweder mitnehmen und verkaufen oder direkt in der Praxis von Droste in eine vorbereitete Spendenbox von Pro Familia oder SOS-Kinderdorf werfen. Das Zahngold selbst verwerten, das wollen die beiden Zahnärzte auf keinen Fall. „Es ist einfach ein lästiges Thema, das zusätzliche Arbeit verursacht“, erklärt Wilharm. Am liebsten sei ihm, der Patient nehme das Gold einfach mit und verkaufe es selbst.

 Mit einem Fall von unterschlagenem Zahngold hat sich Christine Heyner von der Unabhängigen Patientenberatung, die im Auftrag der Krankenkassen kostenfreie Beratung für Patienten bietet, beschäftigt: Ohne dass die Patientin von dem Zahnarzt auf das entfernte Zahngold angesprochen wurde, ging sie nach der Behandlung nach Hause. Erst zwei Tage später rief sie bei ihrem Arzt an, um den Zahn einzufordern. Doch dort erklärte man ihr, der sei bereits in ein großes Glas mit anderen Zähnen gewandert. Was damit passieren würde? „Einmal im Jahr verkaufen wir sie und gehen dann essen“, soll die lapidare Antwort gelautet haben.

 „Das darf natürlich nicht passieren“, betont Heyner, „es geht um das Eigentum des Patienten.“ Dieser habe den Zahn bezahlt, daher müsse er ihm auch ausgehändigt werden. Wenn er explizit verzichte und dem Arzt das Gold überlassen möchte, könne der damit tun, was er möchte: Entweder spenden oder in das eigene Betriebsvermögen übernehmen. Der Zahnarzt müsse aber von sich aus das Thema ansprechen, erklärt sie.

 Das bestätigt auch Michael Ebeling, Vizepräsident der niedersächsischen Zahnärztekammer. Er räumt zwar ein, dass es „mal passieren“ könne, dass ein Zahnarzt vergesse, den Patienten über die Eigentumsverhältnisse in Bezug auf das Zahngold aufzuklären. Aber dann müsse sich der Arzt im Nachhinein bei dem Patienten melden.

 Wer das Gold mit nach Hause nehmen möchte, dem empfiehlt der Rintelner Zahnarzt Wilharm, es direkt bei einer Scheideanstalt zu verkaufen. Scheideanstalten sind jene Unternehmen, die aus dem Zahngold das wertvolle Feingold gewinnen. Denn in Zahngold werde nicht nur Feingold, sondern auch verschiedene andere Materialien verarbeitet – wie Platin oder Silber.

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