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Rinteln Stadt „Wenig Verständnis für Motorsport“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Wenig Verständnis für Motorsport“
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00:20 20.11.2017
Mit Geschwindigkeiten bis Tempo 80 düsen die Motorsportler über die Bahn.
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Dass die SFG als Rintelner Verein in der eigenen Stadt keiner breiten Masse bekannt ist, hat einen Grund: Sie können in der Weserstadt nicht trainieren. Die SFG braucht für ihre Karts und Autos eine lange und breite Asphaltstrecke, die nicht zu nah an einem Wohngebiet liegt, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden die Autos beim Training.

 „Es gibt nicht viel Verständnis für Motorsport“, sagt Ingo Westenberger, Vize-Vorsitzender, beim monatlichen Clubabend im Waldgasthaus Homberg, bei dem unsere Zeitung dabei sein kann.

 Was macht ein Verein, der nicht trainieren kann? Gefahren werden kann nur einmal im Jahr, auf einem Gelände in Sachsenhagen. Seit zwei Jahren gibt es hier die sogenannte Trainings- und Einstellfahrt, bei der Fahrer vor Saisonbeginn ihre Fahrzeuge testen können. Das komme gut an, erzählt Vorsitzende Erhard Steker, auch bei den befreundeten Clubs.

 Das ist natürlich nicht um die Ecke, und das heißt: Alle Vereinsmitglieder, alle Autos, alles Equipment muss dorthin transportiert werden.

 Die zweite Möglichkeit: Auf Veranstaltungen trainieren, wie junge Fahrer erzählen. Für Wettbewerbe zu üben ist also so gut wie unmöglich.

 Immerhin: Die jugendlichen Kart-Fahrer können auf einem Gelände im Industriegebiet üben. Traum ist der eigene Veranstaltungsplatz, auf dem man fest trainieren kann. „Ansonsten sind wir immer auf das Wohlwollen der Firmen angewiesen“, erzählt Westenberger.

Ein Grund für Ressentiments könnte auch sein, dass Motorsport nicht ganz unumstritten ist und gegen viele Vorurteile ankämpfen muss. Lärm und Luftverschmutzung etwa. „Ich behaupte mal, dass es bei der Ausübung von anderen Sportarten auch zu Lärm und Abgasbelastungen kommt“, verteidigt Steker seinen Sport.

Doch der Sport wandelt sich: Sogenannte Bergrennen werden kaum noch gefahren, wie früher auf der Unabhängigkeitsstraße in Westendorf. Sieger dieser Rennen war, wer in der kürzesten Zeit die Bergspitze erreicht. Gefahren wird auf steilen, kurvenreichen, öffentlichen Straßen, die für diesen Zweck eigens gesperrt werden.

Beim E-Motor fehlt der satte Sound

Disziplin, Konzentration, gute Fahrpraxis – all dies mache den Reiz des Bergrennens aus, so Steker. Doch aus Gründen des Umweltschutzes und des Lärmschutzes wurden sie gestoppt. Dabei stellt sich auch der Motorsport modernen Entwicklungen: „Der E-Sport kommt definitiv auf uns zu“, sagt Steker. Gemeint ist Fahren mit Elektromotor. In der SFG sei das noch kein Thema, doch das könnte eine Frage der Zeit sein. Allerdings: E-Motoren würden den Sport verändern. Karts mit E-Motor sind schneller als die jetzigen Karts, und mit 200 Kilo deutlich schwerer. Die leidenschaftlichen Autofahrer der SFG sagen auch: Beim E-Motor fehlt der satte Sound.

Die Geschwindigkeit, der Nervenkitzel, sind nur zwei Argumente dafür, warum man dem Motorsport verfällt. „Die Gemeinschaft ist schön, wir sind wie eine große Familie“, erzählt Carolin Steker, die Tochter des Vorsitzenden. In jungen Jahren habe sie sich „zwischen Ballett und Motorsport entscheiden müssen“, erzählt sie. Inzwischen fährt sie nicht nur selber, sondern ist auch Trainerin von Jugendgruppen.

Warum schon in jungen Jahren motorisiert fahren? „Das ist super für den Einstieg“, sagt Steker. Man lerne die Regeln, die Fahrzeuge, den Umgang mit ihnen, die eigenen Grenzen – und das mache einen zum souveränen Fahrer.

Für Rennen durch ganz Niedersachsen

Rund 15 Jugendliche fahren derzeit im Verein, sie fahren Jugend-Kart-Slalom oder Clubsport-Slalom ab zwölf Jahren. „Viele Jüngere haben im Kartsport angefangen“, erzählt Erhard Steker, und seien beim Motorsport geblieben.

Außerdem betreibt die SFG seit einem Vierteljahrhundert Verkehrserziehung: Bis zu 400 Kinder im Jahr, schätzt Steker, werden durch Vereinsmitglieder bei den ADAC-Fahrradturnieren auf den Straßenverkehr vorbereitet. Der Übungsparcours an der Grundschule Nord stammt von Steker, der das Konzept zusammen mit der Schule, der Polizei sowie der Stadt entwickelt hat.

Doch auch bei der SFG merkt man, dass es schwieriger wird, die Jugendlichen zu begeistern. Schule, zahlreiche Hobbys, Freunde, Leistungsdruck – die Konzentration, die Leidenschaft für ein Hobby fehlt. Hinzu kommt: Für Rennen müssen die Eltern ihre Kinder sonntags oft durch ganz Niedersachsen fahren.

In den Neunziger Jahren hatte der Motorsport seinen Höhepunkt, unter anderem wegen Schumacher, auch im Amateurbereich: Die Mehrheit der Kinder im Verein hatten Eltern, die hier selber fuhren. So wurde es von Generation zu Generation weitergereicht. Das hat sich geändert.

Motorsport ist teuer, wenn man es zu etwas bringen will. Sponsoren gibt es weniger als im Fußball oder Tennis, auch im Amateurbereich. Karriere zu machen „ist schwierig, wenn man nicht gesichtet wird“, so Steker. mld

 

 

 

 Infos unter www.sfg-rinteln.de.

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