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Rinteln Stadt „Wer nicht fragt, bleibt dumm“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt „Wer nicht fragt, bleibt dumm“
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13:02 11.03.2018
Bürgermeister Thomas Priemer und Melanie Thiem (Wirtschaftsjunioren) begrüßen die Teilnehmer zur Diskussion mit anschließendem Unternehmerfrühstück.
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Rinteln

Die Podiumsdiskussion bot einen guten, zeitweise regelrecht appellativen Auftakt für die anschließenden Gespräche im kleinen Kreis. Erst vor zwei Jahren machte sich Elisabeth Dursun mit „Ellis Stadtfriseur“ in Rinteln selbstständig. Die wortgewandte Geschäftsfrau bot in der Diskussion interessante Einblicke in die Situation einer Existenzgründerin – und scheute dabei auch nicht, die Finger in die Wunden zu legen. Besonders die ihrer Meinung nach von der Stadt nur lieblos gepflegte Situation in der Brennerstraße trieb Dursun um. Hubert Schmidt, Geschäftsführer von Stüken, machte deutlich, dass Existenzgründer jetzt nicht unbedingt sein Metier sind – die engagierten jungen Mitarbeiter wolle man natürlich im eigenen Unternehmen halten.

"In Rinteln passiert verdammt viel"

Thomas Gieselmann hielt vor allem einen flammenden Appell für den Zusammenhalt unter Einzelhändlern, Dienstleistern und anderen Geschäftstreibenden. „Im Vergleich zu vielen Städten passiert in Rinteln verdammt viel.“ Das sei aber nur möglich, weil man über den Stadtmarketingverband „Pro Rinteln“ eng kooperiere und gemeinsame Aktionen starte. „Je mehr sich beteiligen, desto stärker stehen wir am Ende da.“ Auch Gödecke appellierte an die anwesenden Unternehmer und Existenzgründer, sich im Verein zu engagieren.

„Vom eigenen Pudding werden wir aber nicht satt“, strich Gieselmann außerdem die Bedeutung überregionaler Werbung für Rinteln heraus.

Kein Thema in der Schule

Innenstadtentwicklung lag dem jungen IT-Unternehmer Eduard Metzger dagegen weniger am Herzen. „Ich kann meine Produkte überall entwickeln.“ Dass er aus Berlin nach Rinteln zurückgekehrt sei, habe mehr mit dem familiären Umfeld zu tun. Ähnlich wie Schmidt und Gödecke beklagte er aber auch, dass in Schule und Ausbildung zu wenig auf die Möglichkeit einer eigenen Selbstständigkeit eingegangen werde. „Das war in unserer Schule wirklich kein Thema“. Auch Dursun musste sich, wie sie erzählte, alles selbst beibringen. „Wer nicht fragt bleibt dumm.“ Daher habe sie jahrelang ihren Chefs über die Schulter geschaut und ihren Friseurladen nicht blauäugig irgendwo gegründet, sondern sich intensiv mit ihrem Businessplan sowie der Standortfrage auseinandergesetzt.

Schmidt, der ein international aufgestelltes Unternehmen leitet, erklärte, was er an dem Standort Rinteln so schätze. Die Mitarbeiter würden zwar etwa vier Mal so viel verdienen wie etwa in Tschechien – „und sie sind natürlich nicht vier Mal so produktiv“. Aber die Fachkräfte, die gerade über die Duale Ausbildung zu finden seien, stärke den gesamten deutschen Standort.

Scheitern erlaubt

Er habe aber die Befürchtung, dass das erprobte und von vielen Ländern mittlerweile kopierte Ausbildungssystem in Deutschland „kaputtgeredet wird“. In der Schule sollte mehr darauf geachtet werden, „dass nicht nur der Lehrerberuf ein schöner ist. Und dass Unternehmer nicht nur Hassfiguren sind“. Es brauche Mut, um sich selbstständig zu machen. „Aber man darf auch mal scheitern“, so Schmidt. Aus jedem Rückschlag lerne man schließlich. jak

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