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Rinteln Stadt Wie man einen Investor verschreckt
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00:18 14.02.2018
Erstaunt über die schlechte Stimmung für ihr Brückentorprojekt: Architekt Wolfgang Hein (von links), Investor Norbert Dittel und Stadtplaner Peter Flaspöhler. Quelle: tol
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RINTELN

Der Bremer hatte das Konzept zusammen mit dem Obernkirchener Architekten Wolfgang Hein dem Bauausschuss und dem Ortsrat vorgestellt und erntete nicht nur Begeisterung.

So kann man Investoren verschrecken: zu hoch, zu massig. Warum überhaupt noch ein Geschoss mit Wohnungen zusätzlich? Und ein Restaurant im achten Stock? Wer braucht das? „Wir machen aus einem Klotz einen noch größeren Klotz."

Städtebaulich hässlich?

Womöglich noch mit einer Stahltreppe als zweiten Rettungsweg? „Das ist doch städtebaulich hässlich.“ Und braucht man überhaupt 5000 Quadratmeter zusätzliche Einkaufsfläche in Rinteln? Wo bleibt beim Umbau der Kreuzung der Verkehr, wo die Radfahrer? Und wo die Vereine, wenn der Brückentorsaal beim Umbau wegfällt? Und dann gibt es da noch Fledermäuse: „Also während der Brutzeit bauen, das geht gar nicht!“

Als Bedenkenträger agierten vor allem Kay Steding, Heinz-Jürgen Requardt und Uta Fahrenkamp. Steding forderte außerdem, der Investor solle eine Millionen-Bürgschaft hinterlegen („Wer garantiert uns sonst, dass ein neuer städtischer Saal auch gebaut wird?“). Und das Finanzierungskonzept müsse stehen, Fristen sollten in den Vertrag geschrieben werden.

Nichts überstürzen

Den rechtlichen Part dazu lieferte Gert Armin Neuhäuser: „Wir legen hier eine Richtung fest.“ In der Vorlage der Verwaltung für die vorgeschlagene Änderung des Bebauungsplans Pferdemarkt stehe für seinen Geschmack zu viel „Investoren-Sprech“.

Neuhäuser warnte: „Wir sollten hier nicht „unter Zeitdruck Dinge beschließen, die wir eigentlich nicht wollen.“ In Rinteln habe man Erfahrung mit Planungen, „die im Nirwana“ endeten.

Vorschlag von Neuhäuser: Nicht eine Änderung des Bebauungsplans Pferdemarkt sollte man beschließen, sondern einen auf den Investor bezogenen konkreten Erschließungsplan für das Projekt Brückentor. Das minimiere das Risiko für die Stadt, trotzdem habe der Investor keine Nachteile.

Investor ist wenig amüsiert

Ein Konzept, das dann auch Ortsrat und Bauausschuss mit Mehrheit so beschlossen. Im Ortsrat stimmten drei, im Bauausschuss vier SPD-Mitglieder gegen den von Neuhäuser vorgeschlagenen investorenbezogenen Erschließungsplan.

An der Mimik des Bremer Investors im Saal konnte man unschwer ablesen: Er war nicht gerade amüsiert über die Diskussion. Architekt Hein wie auch Stadtplaner Peter Flaspöhler an seiner Seite versuchten, zu erklären und zu beschwichtigen. Noch sei alles offen. Über Details könne man noch reden.

Das Problem sei nur: Mietverträge könne man erst abschließen, wenn es auch Rechtssicherheit für den vorgeschlagenen Umbau des Objekts gebe. Die Kreuzung werde nicht umgebaut, nur optimiert, der Verkehrsfluss werde bleiben.

Investor Dittel fand nach langem Schweigen dann doch noch deutliche Worte: Er brauche das vorgestellte Bauvolumen, diese Baumaße, die Wohnungen, sonst sei das Projekt wirtschaftlich für ihn nicht darzustellen. Ein Restaurant im achten Stock halte er für attraktiv. Er habe noch ein „bisschen Zeit“, aber nicht mehr allzu viel: „Wenn Sie in Ihrer Gemeinschaft noch ein paar Jahre darüber brüten, ob Sie das machen wollen oder nicht“, falle das alles „hinten runter“.

„Das war kontraproduktiv“

Auch am nächsten Morgen zeigte sich Investor Norbert Dittel noch erstaunt über den Verlauf der Sitzung am Abend zuvor: Er habe den Eindruck gewonnen, dort sei Stimmung gegen ihn und das Projekt gemacht worden. Er verstehe nur nicht warum. Denn die Vorhalte und Befürchtungen, die vorgetragen worden seien, seien unbegründet, man habe „unwissend“ argumentiert. Denn all die Fragen seien bereits mit der Verwaltung und in der nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses besprochen worden. Dafür gebe es Lösungen. Die Stimmung in der Sitzung „war kontraproduktiv“. Das würden auch potenzielle Mietinteressenten erfahren.

Die konkrete Frage, ob er trotzdem an dem Projekt festhalten wolle, beantwortete Dittel nicht eindeutig: Im Prinzip ja, aber ihm laufe die Zeit davon. Immerhin diskutiere man über das Projekt bereits ein Dreivierteljahr. Seit dieser Zeit seien die wichtigsten Daten bekannt. Es liege nicht mehr allein in seiner Hand, ob es weitergeht oder nicht, auch der Vor-Eigentümer entscheide mit.  wm

Lediglich Dieter Horn (SPD) zeigte sich erschrocken von der angeschlagenen Tonart in der Sitzung und kommentierte in Richtung von CDU und WGS: „Ich habe den Eindruck, ihr wollt das nicht.“ Horn versuchte gegenzusteuern: „Wir sollten doch froh sein, dass sich ein Investor dieses Objekts annimmt.“

Er selbst sehe nur zwei Probleme: Es müsse sichergestellt werden, dass der Verkehr zur künftigen IGS ohne Stau fließen kann und es eine Übergangslösung für Vereine gibt, wenn der Saal während der Umbauarbeiten wegfällt.

Gut 20 Minuten diskutierten beide Gremien dann über die Frage: Wo sollen die Vereine hin, wenn über Jahre kein Saal zur Verfügung steht? Kann das Neujahrskonzert im nächsten Jahr noch stattfinden? Antwort: Ja. Auch die Prunksitzung der Karnevalisten? Antwort: Vielleicht.

Lieber eine Stadthalle

Horns Vorschlag: Die Vereine könnten doch für eine Übergangszeit in Dorfgemeinschaftshäuser umziehen. Auch beim Thema Saal meldeten sich die Bedenkenträger. Es müsse sichergestellt werden, dass Vereine auch im neuen Saal keine Saalmiete zahlen müssen. Und was ist, wenn der neue Saal um 22 Uhr geräumt werden muss, um die Leute in den Wohnungen nicht zu stören?

Selbst Zuhörer diskutierten auf dem Flur weiter: „Warum soll man überhaupt wieder einen Saal in das Brückentor bauen? Eine neue Stadthalle wäre doch viel besser. Und wer soll die bezahlen?“ Für Zuhörer ganz klar: „Der Investor.“ wm

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