Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Windräder in Westendorf?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Windräder in Westendorf?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:25 17.05.2018
Ob zwei Windräder in Westendorf aufgestellt werden dürfen, ist noch nicht geklärt. Quelle: dpa
RINTELN

Große Hoffnungen hatten die Stadt Rinteln und der Landkreis in den Mediationstermin am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht Hannover gesetzt. Doch eine Lösung war im ersten Anlauf nicht in Sicht. Die Stadt Rinteln hatte gehofft, für das Projekt der zwei geplanten Windräder bei Westendorf eine Lösung zu finden. Und zwar ohne, dass eine der Parteien klagt.

Die Vertreter von Planet Energy, darunter auch Projektmanager Julian Tiencken, sollen nach SN-Informationen bei diesem Termin eine harte Linie gefahren haben. Letztlich geht es wohl (auch) um die Höhe einer Entschädigung, sollten die Windkraftbauer verzichten. Denn das Hamburger Unternehmen hat bereits viel Geld in das Projekt gesteckt.

Zweiter Termin sei möglich

Offiziell wollte das Tiencken gestern weder bestätigen noch kommentieren. Er gebe keine Auskunft zu laufenden Verfahren. Auch bei der Stadt Rinteln hält man sich zurück. Stadtjurist Joachim Steinbeck erklärte nur, es habe bei diesem Termin kein konkretes Ergebnis gegeben. Dass es einen zweiten Mediationstermin geben könnte, sei möglich, aber noch offen. So sehe man das auch beim Landkreis, wie die Leitende Kreisverwaltungsdirektorin Andrea Stüdemann erklärte.

Theoretisch könnte Planet Energy in Westendorf bereits bauen. Dass dort trotzdem keine Bagger und Kräne stehen, hat zwei Gründe. Zum einen gilt die Vereinbarung, dass während eines Mediationsverfahrens Bauarbeiten ruhen sollen, zum anderen ist bis zum 15. Juli Brut- und Setzzeit, und die Baustelle liegt mitten in der Feldflur. Dass diese Schonzeit eingehalten werden muss, ist vom Landkreis mit der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung festgesetzt worden.

Pikantes Detail

Die NDR-Reportage am Dienstag in der Sendereihe „Hallo Niedersachsen“ über den Windradstreit hat auch ein pikantes Detail an die Öffentlichkeit gebracht: Matthias Lietzau, der den Vorbescheid für die Westendorfer Windräder 2011 an Greenpeace Energy verkauft hat, ist offenbar Großwildjäger.

Lietzau soll ein Jahr nach dem Verkauf in Simbabwe Elefanten mit Elfenbeinstoßzähnen erlegt und das auch im Internet veröffentlicht haben. Damit sei er ein Geschäftspartner, sagen Kritiker, der eigentlich nicht zu den moralischen Ansprüchen von Greenpeace passe. Tobias Ott, Sprecher des Aufsichtsrates von Greenpeace, hatte sich zu diesen Vorwürfen bereits geäußert.

Der größte Imageschaden

Ott betonte in einem Schreiben, Greenpeace lehne Großwildjagd strikt ab, das gelte auch für Greenpeace Energy und Planet Energy. Einen Zusammenhang zwischen der Großwildjagd Lietzaus und dem Erwerb des Grundstückes in Westendorf sehe er aber nicht.

Der schlimmste Imageschaden für Greenpeace wäre aus dieser Perspektive, wenn nach dem Bau der Windräder eines Tages ein toter Seeadler am Fuß eines Windrades liegt. Das aber schließt Ott selbstverständlich aus: „Wären die Tiere bedroht, hätten die Kollegen den Bau der Windräder nicht an dieser Stelle geplant.“

Beim Naturschutzbund sieht man das anders. Hier kämpft jetzt Grün gegen Grün.

Neue Standorte im Extertal?

Nach den Windrädern in Westendorf steht in der Kommunalpolitik möglicherweise die nächste Standortdebatte an: Im Extertal hat der Gemeinderat im Rahmen der Neuaufstellung eines Flächennutzungsplanes zwei Vorrang-Gebiete für Windkraftanlagen bei Silixen beschlossen, in Sichtweite von Krankenhagen. Eine der Flächen ist 13,7 Hektar groß. Möglich ist dort der Bau von drei Windrädern.

Naturschützer hatten darauf hingewiesen, dass diese Fläche in der Nähe zu einem Uhu-Brutrevier liegt. Auch die Stadt Rinteln hatte Bedenken gegen diese Ausweisung angemeldet.

Kein Investor in Sicht

Nach Auskunft der Gemeinde Extertal gebe es für dieses Gebiet aber zurzeit keine Anfragen für ein immissionsschutzrechtliches Verfahren. Also damit auch keinen Investor, der Windräder bauen will.

In NRW gibt es in der Politik zumindest ein Umdenken, was die Abstände zwischen Windrädern und Wohnbebauung betrifft. Im Gespräch ist, die Abstandsregelung auf 1500 Meter auszudehnen und keine Windräder im Wald zuzulassen. wm