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Rinteln Stadt Wohin mit alten Schinken?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Wohin mit alten Schinken?
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00:16 30.10.2013
Praktikantin Franziska Kohl präsentiert den „Pay what You want“-Stand in der Stadtbücherei Rinteln. Quelle: pk
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Rinteln

Die beiden Buchhandlungen in Rinteln nehmen keine gebrauchten Bücher an. In beiden Geschäften – sowohl bei „Buch & Wein“ am Kirchplatz als auch im „Bücherparadies“ an der Weserstraße – gebe es schlichtweg keinen Platz für das Geschäft mit antiquarischen Büchern. Davon abgesehen funktioniere der Verkauf antiquarischer Bücher online am besten, sagt Uta Fahrenkamp von „Buch & Wein“. Gleichzeitig sei für den Handel mit antiquarischen Büchern auch ein gewisses Wissen vonnöten, um den Wert von bestimmten Büchern treffend einschätzen zu können, merkt sie an.

Online für Stückpreis von einem Cent

 Sehr viele gebrauchte Bücher, sagt Nina Rittgerodt vom „Bücherparadies“, wechseln im Internet für einen Stückpreis von gerade mal einem Cent den Besitzer, dazu kommen oft nur noch die Portokosten: „Das lohnt sich einfach nicht“, meint Rittgerodt. Zumal sie mit 10000 Neuerscheinungen in jedem Monat bereits ausgelastet sei. Gleichwohl bieten beide Buchhandlungen ihren Kunden an, gebrauchte Bücher für sie im Internet zu finden und zu bestellen.

 Auch die „Brauchbar“, das Sozialkaufhaus der Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit (SIGA), nimmt alte Bücher an, bestätigt Gerd Kielsmeier, und verkauft sie weiter. Zumindest die meisten. Es gilt: Was nicht mehr zumutbar – sprich: stark beschädigt oder verdreckt – ist, kommt ins Altpapier.

 „Manche Leute kommen her und liefern ihre alten Bücher ab. Aber wir werden auch angerufen und gebeten, Bücher abzuholen, vor allem bei Haushaltsauflösungen“, schildert Kielsmeier. Dadurch gebe es in der „Brauchbar“ inzwischen ein umfangreiches Büchersortiment. Und besonders alte Bücher, merkt Kielsmeier an, gehen an den zur „Brauchbar“ gehörenden Antik-Laden „Flair“, ebenfalls in der Bäckerstraße.

 Die „Rintelner Silvesterinitiative“ nimmt sich ebenfalls gerne alter Bücher an, um sie einmal im Jahr an ihrem Bücherstand in der Altstadt wieder zu verkaufen und das so verdiente Geld für Bedürftige aufzuwenden. „Die Leute bringen uns die Bücher oder rufen uns an, und wir holen sie ab. Wir haben uns allerdings inzwischen auf Kinder- und Jugendbücher und aktuelle Bucherscheinungen beschränkt“, sagt Käthe Kemna von der Silvesterinitiative. Auch hier gilt: Die Bücher müssen noch in einem akzeptablen Zustand sein.

 Diese Maxime gilt auch bei der Stadtbücherei Rinteln. „Alle alten Bücher nehmen wir nicht an, aber gebrauchte Bücher, die nicht älter als zehn Jahre und in gutem Zustand sind schon“, sagt Andrea Tuschke, die Leiterin der Stadtbücherei Rinteln. „Teilweise sind die Bücher, die uns angeboten werden, schon sehr grenzwertig.“ Bücher, die älter als zehn Jahre sind, schon mal in die Badewanne gefallen sind, mit Kaffee übergossen wurden oder Schimmel angesetzt haben, nimmt auch die Stadtbücherei nicht an. „Und Geld können wir für die Bücher generell nicht zahlen“, fährt Tuschke fort.

 Alles, was nicht auf dem drei- bis viermal im Jahr stattfindenden Bücherflohmarkt der Stadtbücherei lande, komme in den Papiermüll. „Auf dem Bücherflohmarkt bleibt immer nur wenig übrig“, sagt Tuschke, was nicht verwundert, werden die Bücher doch für einen Stückpreis von einem Euro verkauft. „Das ist was für Schnäppchenjäger. Mit etwas Glück ist vielleicht auch mal der gut erhaltene Bestseller vom letzten Jahr dabei.“ Die Bücher nach Gewicht und Erscheinungsdatum vorab zu selektieren, dafür fehle es an Zeit.

 Darüber hinaus gibt es einen ständigen „Bücherflohmarkt“ innerhalb der Stadtbücherei. „Pay what You want“ heißt der, was bedeutet: Zahle so viel, wie du möchtest. „Dieses Angebot wird sehr gut angenommen. Klar gibt es Tage, an denen vielleicht nur 30 Cent in der Kasse sind, aber am nächsten Tag sind es dann wieder zehn Euro.“ Das so eingenommene Geld gehe aufs Stadtkonto der Bücherei und werde für den Neukauf von Büchern verwendet. Die Bücher, die sich gar nicht verkaufen oder die zu alt sind, die übergebe die Stadtbücherei an zwei private Bücherhändler. „Die holen die Bücher dann hier ab und verkaufen sie an anderer Stelle weiter“, erklärt Tuschke.

„Ganzen Wagen voll“ zur Müllkippe

 Einer dieser Händler kommt aus Bückeburg, möchte aber weder seinen noch den Namen seines Versandantiquariats in der Zeitung lesen. „Ich hole mit dem Auto alle Bücher ab und gucke dann, was sich verwerten lässt“, sagt er am Telefon. „Davon bleiben dann meistens keine fünf Prozent übrig.“ Den Rest verschenke beziehungsweise bringe er einmal die Woche zur Müllkippe – „einen ganzen Wagen voll“. Was übrig bleibt, verkaufe er im Internet. Zum Leben reiche das nicht. „Ich mache noch einen Nebenjob“, sagt er. Aber es gibt noch mehr Verwendungsmöglichkeiten als den Verkauf, das Verschenken oder Entsorgen. „Wir haben gerade ein ganz neues Buch zu eben diesem Thema bekommen, sagt Andrea Tuschke: „,Neues aus alten Büchern: 35 Projekte für spielerisches Recycling‘“. Termin:

 Der nächste Bücherflohmarkt steht am Sonnabend, 2. November, von 10 bis 13 Uhr in der Stadtbücherei auf dem Programm. pk

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