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Rinteln Stadt Ziel Weltrekord: 600 Morde in einem Krimi
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Ziel Weltrekord: 600 Morde in einem Krimi
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21:55 20.11.2012
Rinteln (wm)

Auch bei der Nummer fünf ist Bettina Szrama ihrer Arbeitsweise und ihrem Stil treu geblieben, ihre wachsende Fan-Gemeinde wird es freuen. Sramas Rezept: Sie nimmt einen historisch verbürgten Fall, studiert Akten, soweit noch vorhanden, liest Bücher von Historikern zu diesem Thema, dieser Zeit und dem Ort der Handlung und füllt die Lücken mit ihrer Phantasie. Videorecorder und Youtube waren im 17. Jahrhundert noch nicht erfunden.

 Das Ergebnis sind Zeitreisen in eine brutale Welt mit Mord und Totschlag, Folter und Verrat – Hardcore, gemessen an Noah Gordon (Der Medicus“). Es sei wahres Kopfkino, das Szrama beim Lesen in Gang setzen könne, kann man bei Amazon in diversen Rezensionen nachlesen.

 Wie schon beim „Henker von Lemgo“, der mit 6000 Exemplaren aufgelegt worden ist, erweist sich auch beim „Mirakel von Köln“ die Kirche als Hort des Bösen. Man schreibt das Jahr 1625. Es geht diesmal um eine junge Frau, die in einem Kloster Zeugin von Teufelsaustreibungen, Vergewaltigungen, Kindesmord und anderen Scheußlichkeiten wird, die sich Menschen so ausdenken.

 Szramas neuer Heldin, Christina Plum, gelingt die Flucht aus dem Kloster und sie sorgt dafür, dass man sie als Hexe anklagt. Damit erhält sie die Chance, den ganzen perversen Klüngel aus der Kölner Oberschicht ebenfalls der Hexerei zu bezichtigen.

 Womit der Rat der Stadt ein Problem bekommt, mit dem er nicht gerechnet hat: Einerseits glaubte man damals zwar an das Hexenwesen, konnte und wollte sich aber nicht vorstellen, dass all die höchst angesehenen Personen sich tatsächlich der Hexerei schuldig gemacht haben könnten. Wie der Krimi ausgeht, sei hier selbstverständlich nicht verraten.

 Der größte Teil der Prozessakte sei damals verbrannt worden, schilderte Szrama in einem Gespräch. Vermutlich nicht ohne Grund. Nur ein Bruchteil der Gerichtsprotokolle sei erhalten geblieben. Vor allem bei den letzten Szenen ihres Buches habe sie sich an die noch erhaltenen Verhörmitschriften gehalten.

 Wie kommt man auf so einen Plot? Es sei ein Denkmal in Köln gewesen, erzählt Szrama, das ihr bei einem Gang durch die Stadt aufgefallen sei. Das Denkmal für Katharina Henot, die als Hexe verbrannt worden war. Durch den Fall Henot sei sie dann auf die außergewöhnliche Geschichte der Christina Plum gestoßen. Außergewöhnlich, weil hier erstmals die Kölner High Society in einen Hexenprozess verwickelt worden war.

 Es gibt dazu übrigens sogar einen aktuellen Nachklapp: Wie bei Wikipedia nachzulesen, hat sich der Rat der Stadt Köln in diesem Jahr für eine „sozialethische Rehabilitation“ der Opfer der Kölner Hexenprozesse ausgesprochen.

 Szramas zum Teil drastische Schilderungen wie ihr emotionaler Schreibstil sind Geschmackssache. Aber auch hier orientiert sie sich an der offensichtlichen Nachfrage am Markt, wie man unschwer an einschlägigen Titeln anderer Krimiautoren feststellen kann, die ebenfalls nicht gerade zimperlich sind. Spannung ist auch bei Szrama über alle Seiten garantiert.

 Die Schriftstellerin aus Möllenbeck hat sich inzwischen einen Namen als Autorin für historische regionale Krimis erarbeitet und will sich deshalb über die Grenzen an einen ungewöhnlichen Fall wagen, an die ungarische Blutgräfin Elisabeth Bathory. Diese Frau ist mit ihren über 600 Morden ins „Guiness Buch der Rekorde“ eingegangen. Bisher sei die Gräfin, sagt Bettina Szram, in den wenigen Büchern, die es über sie gibt, stets als Vampir dargestellt worden.

 Srama will jetzt die wahre Geschichte dieser Frau schreiben. Die Geschichte einer durchgeknallten Serienmörderin – ganz ohne mystischen Hintergrund. Zurzeit sei sie dabei, Fakten zusammenzutragen.

 Bettina Szrama ist privat eine humorvolle Frau – man mag gar nicht glauben, dass ihr Metier Hexengeschichten mit Mord und Folter ist.

 Foto: pr.