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Rinteln Stadt Zuhörer kommen ins Zucken
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Zuhörer kommen ins Zucken
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00:27 05.11.2015
Das Göttinger Symphonieorchester erhielt lang anhaltenden Applaus im Brückentorsaal. Quelle: dil
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Rinteln

Die Stimmung im Publikum war sowieso schon fröhlich und sehr angeregt. Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade „Eine kleine Nachtmusik“, das meistgespielte aller klassischen Stücke, riss das Publikum mit. Füße zuckten, Oberkörper wiegten sich im Rhythmus, so mancher konnte sich kaum beherrschen, die wohlbekannten Themen mitzusummen, und man spürte, dass das Publikum am liebsten nach jedem der einzelnen Sätze geklatscht hätte.

Mit Hingabe musizierten die Göttinger, und keinerlei nüchterne Routine wies darauf hin, dass sie diese „Pop-Musik der Wiener Klassik“ schon unendlich oft gespielt haben. Nicht viel anders war es, als das Orchester sich mit dem Trompeter Helmut Pöhner zusammentat, um Haydns Trompetenkonzert zu intonieren. Selbst wer die Melodien, die sich zu einem perfekten musikalischen Dialog zwischen Solo-Instrument und den Symphonikern entwickelten, nicht auswendig kannte, konnte schnell das Gefühl haben, die Struktur des Stückes zu durchschauen, nicht viel anders, als es bei den Songs der besten Bands der Fall ist, wo sich Eingängigkeit und musikalische Tiefe genial verbinden. Westphals launige Einführung in diese noch heute auch bei Laien hoch beliebten Klassiker trug ihren Teil dazu bei.

Dann folgte Ludwig van Beethovens dritte Symphonie, die „Eroica“, die er einst als Heldenmusik Napoleon gewidmet hatte, bis er dann wütend um dessen Verrat an den Idealen der Französischen Revolution die Widmung zerriss. Nach Mozart und Haydn, die das Publikum in so gute Laune versetzt hatten, war Beethoven durchaus schwerere Kost. Gleichwohl ist auch diese Symphonie von musikalischen Themen geprägt, die man ohne Weiteres summen, singen, pfeifen kann. Westphal ließ es sich tatsächlich nicht nehmen, alle vier Motive der vier Sätze mit einem kleinen Text zu unterlegen und die vergnügten Zuhörer aufzufordern, sie ihm nachzusingen.

Als das Symphonieorchester dann mit Bravour zu spielen begann, schien diese schöne Idee auf, dass die Menschen im Saal nicht nur ehrfürchtig still der Musik lauschen, sondern selbst mitmachen. Warum nicht?

Wenn man singen und jubeln, klatschen und „Hurra“ rufen würde, vielleicht fänden die Wiener Klassiker dann auch wieder Anhänger in der jungen Generation – und Jung und Alt würden gemeinsam Musik genießen, die unter die Haut geht, zumal dann, wenn sie so leidenschaftlich gespielt wird, wie es die Musiker aus Göttingen taten. ck

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