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Betrüger fährt im Luxusauto vor

Apelern / Prozess Betrüger fährt im Luxusauto vor

Ein Beamter auf Abwegen: Weil er in finanziellen Schwierigkeiten steckte, ist ein in Apelern lebender Staatsdiener (41) zum Betrüger geworden.

Apelern/Bückeburg (ly). Bei mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe gilt die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis in solchen Fällen als sicher. Verhängt hat die Berufungskammer am Bückeburger Landgericht gestern das Doppelte: 24 Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Vom Dienst ist der Mann bereits suspendiert, bekommt aber noch einen Teil seines Gehalts. „Es tut mir unendlich leid“, sagte er in seinem Schlusswort.
Um vier Fälle ging es in dem Prozess. Den Schaden bezifferte Staatsanwältin Karin Dubben mit fast 400 000 Euro. „Der Angeklagte hat sich selbst und andere ins Unglück gestürzt“, sagte Dubben. Gemeint war vor allem die Frau des 41-Jährigen, die zivilrechtlich mit haftbar wird. In einem Fall hatte sie einen Kaufvertrag unterzeichnet. Das Paar lebt unterdessen getrennt. Für die Kinder zahlt der Vater zurzeit keinen Unterhalt, was Richter Jens Rass schlicht „verwerflich“ findet.
Neben seinem Beruf war der Mann aus Apelern vor einigen Jahren bei einer Firma eingestiegen. Entgegen der eigenen Erwartung liefen die Geschäfte jedoch mehr als bescheiden, weshalb sich der Beamte bald auf Betrügereien verlegte.
Im Sommer 2008 unternahm er eine Reise nach Sylt, um auf Westerland ein Haus für rund zwei Millionen Euro zu erwerben. Weil der Interessent im Luxusauto vorfuhr, hielt der Makler ihn für einen wohlhabenden Geschäftsmann. Seine Provision von knapp 118 000 Euro sah der Vermittler so wenig wie der Hauseigentümer den Kaufpreis.
Ebenfalls 2008 stand dem Betrüger der Sinn nach Familienurlaub. Er buchte Reisen nach Mauritius und Dubai, zusammen mehr als 50 000 Euro teuer. Gerade noch rechtzeitig ließ der Veranstalter die Flugtickets sperren.
Im Herbst 2009 suchte der Beamte in Bad Oeynhausen nach einer Halle zum Unterstellen von Autos und wurde auch fündig. Es kam zum Abschluss eines notariellen Kaufvertrages über eine Immobilie im Wert von 3,1 Millionen Euro. Der Makler hätte fast 148 000 Euro Courtage kassiert. Auch in diesem Fall war der Besucher für einen solventen Käufer gehalten worden, weil er erstens ein sicheres Auftreten an den Tag legte und zweitens eine Wohnadresse im vornehmen Zürich angab.
Wenige Wochen später unterzeichnete der Betrüger in Paderborn einen Kaufvertrag über einen gebrauchten Porsche für knapp 70 000 Euro. Im Vertrauen auf die angekündigte Zahlung händigte der Händler den Wagen aus, sah jedoch keinen Cent.
Verteidiger Marco Schaer meint, dass es seinem Mandanten leicht gemacht worden sei. „Niemand interessierte sich dafür, ob er Mittel hat“, so Schaer. „Es war dämlich, so etwas zu machen“, sieht der Angeklagte die eigenen Taten mittlerweile realistisch.
Im ersten Prozess hatte das Amtsgericht Stadthagen eine 20-monatige Bewährungsstrafe verhängt. Angesichts des hohen Schadens hält Berufungsrichter Jens Rass jedoch zwei Jahre für angemessen. Dem Angeklagten attestierte Rass „hohe kriminelle Energie“.

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