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Böse Blicke auf den Ortsrand

Erdarbeiten haben begonnen Böse Blicke auf den Ortsrand

Das bisher einheitlich wirkende Dorfbild von Lyhren, das die großen alten Höfe mit ihren roten Dächern und dunklen Backsteinwänden prägen, scheint zumindest von südlicher Seite gefährdet.

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Apelerner Heimatverein weiht Streuobstwiese ein

Lyhren. Dort haben Erdarbeiten für den Bau eines Einfamilienhauses begonnen, das Kritiker an dieser Stelle als unpassend ansehen.

Der kleine Apelerner Gemeindeteil hat es mit dieser Sache sogar in die diesjährigen Roten und Weißen Mappen des Niedersächsischen Heimatbunds (NHB) beziehungsweise der Landesregierung gebracht. In der Roten Mappe wird die Situation der Heimatpflege kritisch hinterfragt, darunter auch der Erhalt der Kulturlandschaft. Die Weiße Mappe enthält dazu Antworten.

Im Fall Lyhren beklagt der NHB, dass die Gemeinde Apelern durch planungsrechtlichen Beschluss ein Wohnhaus in unmittelbarer Nähe der vorhandenen historischen Bebauung zulasse und verweist auf eine Publikation des Sozialministeriums von 1989, in der gerade Lyhren als eines der besterhaltenen Dorfbilder der Region aufgeführt wird.

Dass die Gemeinde diesen Umstand bei ihrer Entscheidungsfindung nicht ausreichend gewürdigt hat, bemängelt Nachbar Reiner Behme. Der Besitzer einer dieser alten Höfe kann nicht verstehen, dass der Rat unbedingt dort eine Zäsur im alten Häuserbestand schaffen will und nicht am westlichen Ortsende die Neubautätigkeit fortsetzt.

Auch Behme gibt zu, dass das kommunale Verfahren „möglich, zulässig und legitim“ gewesen sei. Dennoch spreche es gegen seinen Gerechtigkeitssinn, wenn ohne Not ein historisch gewachsenes Ortsbild zerstört werde. „Das neue Haus wäre zwar für uns kein großer Schaden“, macht Behme deutlich, aber „die persönliche Betroffenheit“ sei groß. Seit über drei Jahrzehnten sorgen er und Ehefrau Ingrid für den denkmalgerechten Erhalt des Familiensitzes.

Entscheidung zu leicht gemacht?

Ähnlich argumentiert auch der Vorsitzende der Schaumburger Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) und ehrenamtliche Baudenkmalpfleger, Manfred Röver. Bemühungen des Landkreises und vieler privater Investoren zum Erhalt und zur Pflege historischer Bausubstanz würden konterkariert, wenn durch Ratsbeschlüsse einfach in unmittelbarer Nachbarschaft störende Elemente zugelassen würden. Sicherlich sei „juristisch alles einwandfrei“ gelaufen. Doch habe es sich der Apelerner Rat bei der Abwägung seiner Entscheidung zu leicht gemacht. Das Beispiel könnte in Lyhren und anderswo Folgen haben.

Die Antwort der Landesregierung fällt knapp aus. Im Rahmen ihrer Planungshoheit habe die Gemeinde eine Innenbereichssatzung aufgestellt, die Öffentlichkeit beteiligt und die vorgetragenen Stellungnahmen mit in die Entscheidung einbezogen. Da es sich um eine Aufgabe des eigenen Wirkungskreises handelt, gebe es keinen Raum für ein Einschreiten des Sozialministeriums. Apelerns Gemeindedirektor, Sven Janisch, teilte darüber hinaus mit, dass der Ratsbeschluss auch von der Kommunalaufsicht auf seine Stichhaltigkeit überprüft worden sei.

Eine Hoffnung haben die Kritiker noch. Dem Vernehmen nach gibt es Streit über ein mögliches Vorkaufsrecht auf dem betreffenden Grundstück. Dafür sei ein Gerichtstermin im November angesetzt. Vielleicht, so die vage Hoffnung, könnten die Karten danach neu gemischt werden. Wie dabei aber die begonnenen Erdarbeiten einzuordnen sind, ist ihnen bislang ein Rätsel. nah

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