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Eine untypische Theologin

Apelern Eine untypische Theologin

Ihren Sieg beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend predigt“ wertet die Apelernerin Katharina Filges vor allem als Bestätigung dafür, dass ihre Wahl, Theologie zu studieren, die Richtige war. Denn in der kirchlichen Gemeindearbeit hatte sich die 19-jährige bislang noch gar nicht betätigt.

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Katharina Filges bei ihrer Predigt in Hildesheim, im Hintergrund der Zweitplatzierte, Simon Luca Wellner.

Quelle: Johanna Baschke

Apelern. Getauft in Bielefeld, konfirmiert in Hohnhorst, seit einem Jahr Mitglied der Kirchengemeinde Apelern – ihr geistliches Zuhause hat Filges bislang noch nirgends gefunden. Trotzdem entschied sie sich ganz bewusst fürs Theologiestudium, das sie gerade in Göttingen begonnen hat. Zuvor hatte Filges bei der Evangelischen Zeitung in Hannover ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und davor wiederum ihr Abitur am Gymnasium Bad Nenndorf gemacht. Mit Bestnote in der mündlichen Religions-Prüfung.

„Ich beschäftige mich viel damit, woher der Mensch kommt, wohin er geht, was seine Aufgaben sind“, sagt Filges. Dies alles geschehe aus christlicher Perspektive. Dennoch zog es sie lange Zeit nicht regelmäßig in die Kirche. Während ihrer Zeit als Konfirmandin in Hohnhorst habe sie keinen Anschluss gefunden und sich dort auch nicht heimisch gefühlt. Erst seit etwa einem Jahr geht sie überhaupt wieder regelmäßiger zum Gottesdienst.

„Ich weiß, dass das untypisch ist für jemanden, der Theologie studieren möchte“, räumt die junge Apelernerin ein. Auch deshalb habe sie sich zunächst schriftlich bei „Jugend predigt“ beworben. „Ich wollte wissen, ob ich überhaupt predigen kann“, erklärt Filges. Im Workshop wurde dann am Vortrag gefeilt. Filges entschied sich für einen gänzlich unorthodoxen Stil: In schwarzer Freizeitkleidung rittlings auf einem Stuhl sitzend, sprach sie über die Vertreibung aus dem Paradies, setzte den Bibelstoff gleich mit der Vertreibung aus dem Elternhaus. In beiden Fällen sei das Resultat eine tiefe Sehnsucht nach dem Vater.

Drei Minuten dauerte diese Predigt, erlaubt waren maximal fünf. So will die 19-Jährige auch einmal das Pastorenamt ausfüllen: Frisch und unterhaltsam. „Vor allem muss man die Leute wach halten“, betont sie. Möglicherweise war es sogar von Vorteil, dass sich Filges nicht über Jahre von Gottesdienstbräuchen hat beeinflussen lassen, denn die Organisatoren des Wettbewerbs wünschen sich Impulse von den jungen Teilnehmern.

Dass sie offensichtlich Talent hat, nimmt sie als „großen Motivationsschub“ mit ins Studium. Der Sieg habe sie überrascht, zumal sie aufgrund ihres ungewöhnlichen bisherigen Weges auch keine „pastorale“ Unterstützung hatte. Sie stand noch nie auf einer Kanzel, mehr noch: Der Auftritt in Hildesheim am vergangenen Wochenende war ihr erster vor einem größerem Publikum. „Ich war die Aufgeregteste und auch die Unerfahrenste“, ist Filges überzeugt.

Jetzt stürzt sich die 19-jährige voller Elan ins Studium. Sollte die Gemeinde in Apelern bei den Gottesdiensten künftig vergebens nach der talentierten Predigerin Ausschau halten, dann hat dies einen guten Grund: Während der Vorlesungszeit wohnt sie bei ihrem Freund in Sarstedt und pendelt von dort aus nach Göttingen. gus

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