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Apelern Spukt's im Rittergut?
Schaumburg Rodenberg Apelern Spukt's im Rittergut?
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15:00 07.12.2018
Da hatte nicht nur Mühlenexperte Veit Richter (rechts) seinen Spaß: Matthias von Münchhausen plauderte über Vorfahren und Spuk im Gut. Quelle: NAH
APELERN

Klönabend nannten sich bislang die gelegentlichen Treffen, die allerdings nicht die erforderliche Resonanz erfuhren, die sich Vorsitzender Ferdinand Exler erhofft hatte. Weil ihm aber die Erinnerungen von Zeitzeugen so wichtig sind, gab er der Veranstaltung einen neuen Namen und begab sich auf die Suche nach fachkundigen Referenten, die mit einem nur kurzen Vortrag zu weiteren Wortbeiträgen verhelfen sollten. „Facebook bringt uns doch nicht weiter. Wir wollen das gesprochene Wort dokumentieren“, sagte Exler.

Bischöfe als Investoren

Der ehemalige Eigentümer der Riesenmühle, Veit Richter, lockte denn auch zu ersten Ergänzungen. Mindestens bis ins 14. Jahrhundert gehe die Existenz des Anwesens zurück. Der historische Name „Rißmühle“ gibt bis heute Rätsel auf. Richter aber ist sich sicher, dass „kein normaler Bürger“ eine Mühle samt Wehr, Zu- und Abflüssen hätte bauen können. Er glaube an die Mindener Bischöfe als Investoren. In den Besitz der Münchhausens sei die Mühle erst viel später gelangt.

Matthias von Münchhausen, zu dessen Vorfahren auch der berühmte Plauderer und Rittmeister aus Bodenwerder gehört, mogelte schon in den ersten drei Sätzen. „Aber ich darf ja nicht so viel lügen“, nahm er sich zur Erheiterung des Publikums selbst in die Pflicht.

Ganz ernsthaft verwies er auf ein 2020 bevorstehendes Jubiläum. 650 Jahre bestünden dann die Bindungen zwischen dem Adelsgeschlecht und Apelern, weil 1370 der Rodenberger Burgmann Justatius von Münchhausen hier zu Grundbesitz kam. Nachfahre Börries habe das heutige Anwesen 1561 gebaut, von dessen drei Söhnen es Claus übernahm. Die anderen Brüder wurden mit Lauenau und Remeringhausen bedacht. Nach dem Krieg lebte vorübergehend Dichterin Agnes Miegel auf dem Gut, der das „zweite Gesicht“ nachgesagt wurde.

Wie von Geisterhand

Da kam der Baron so richtig in Fahrt und berichtete von allerlei mysteriösen Erlebnissen, die ihm selbst widerfahren seien. „Wirklich wie von Geisterhand“ seien er und sein Freund im Jugendalter mit Grasbüscheln beworfen worden. Im Saal flogen am helllichten Tag Vasen und Bücher umher.

„Wir haben Helme aufgesetzt“, versicherte von Münchhausen, als sich dann noch schwere Zinnkrüge auf einem Sims selbstständig machten. Eine „weiße Frau“ sei im Haus und auf dem Gelände sogar von seinen Mietern beobachtet worden. Manche im Ort aber hätten bei solchen Berichten nur abgewinkt: Die sei vor dem Krieg doch auch schon da gewesen.