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Das Ende der vorletzten Stuhlfabrik

Kracke steht vor dem Aus Das Ende der vorletzten Stuhlfabrik

88 Jahre nach der Gründung steht die Hülseder Stuhlfabrik Kracke vor ihrem endgültigen Aus. Bereits am 17. Juni wurde der Insolvenzantrag gestellt.

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Die Tage sind gezählt: Am 31. Juli stellt die Hülseder Stuhlfabrik der Familie Kracke ihre Produktion ein.

Quelle: nah

Hülsede. „Wir mussten die Notbremse ziehen“, bedauert Geschäftsführer Thomas Kracke und betont: „Wir sehen einfach keine Zukunftsperspektive mehr“. 15 Mitarbeiter sind betroffen.

Schon vor knapp drei Jahren befand sich die damalige Kracke Sitzmöbel GmbH in der gleichen Situation. Damals waren 29 Arbeitskräfte betroffen. Nach monatelanger Unsicherheit fand sich ein Investor, der gemeinsam mit den bisherigen Inhabern das deutlich kleinere Unternehmen „Kracke – Die Möbelmanufaktur GmbH“ gründete – mit insgesamt 15 verbliebenen Beschäftigten.

 Auftragseinbruch setzt Aufschwung ein Ende

Trotz gelegentlicher Kurzarbeit habe die Firma danach „schwarze Zahlen geschrieben“, berichtete Senior Friedrich-Wilhelm Kracke. Doch ausgerechnet in der Osterwoche sei es zu einem massiven Auftragseinbruch gekommen, der sich weiter fortsetzen sollte. Die Folge: Im Mai war die in den vorangegangenen vier Monaten erzielte Rücklage aufgebraucht, Löhne konnten schon nicht mehr gezahlt werden.

Vater und Sohn entschieden sich deshalb für den rechtzeitigen Gang zum Amtsgericht: „Spätestens im Juli hätte uns die Zahlungsunfähigkeit gedroht.“ So aber gibt es weder Bankverbindlichkeiten noch Schulden bei Lieferanten. Nur gegenüber den Mitarbeitern stand das Unternehmen in der Kreide: Doch diese haben bis maximal drei Monate Anspruch auf Insolvenzausfallgeld. Damit errechnet sich ein mögliches Ultimo am 31. Juli.

 

Stuhlprogramme, Kataloge und Logo werden ausgelagert

Den Grund dafür, dass trotz des verheißungsvollen Neustarts die jetzt vierte Generation endgültig das Ende des Familienunternehmens betreiben muss, sieht Thomas Kracke vor allem im Preisdruck auf dem Möbelsektor. Billigware und sich unterbietende Konkurrenz großer Handelskonzerne lasse qualitativ hochwertigen Produkten keinen Spielraum.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird die Produktion zumindest in den Kracke-Hallen am Monatsende eingestellt. Allerdings sollen Stuhlprogramme samt Katalogen und Verkaufsunterlagen und sogar das Manufaktur-Logo ausgelagert werden. Derzeit laufen Verhandlungen. Die Hoffnung: Es findet sich ein anderer Produzent, der die sich öffnende Nische abdeckt. Kracke sieht sich durch Signale der Kunden darin bestärkt, diesen Weg zu gehen.

Allerdings wird dies keine Perspektive für die Belegschaft sein. Die meisten von ihnen müssen sich neu orientieren. Denn Kracke war einer der letzten klassischen Stuhlfabriken im Deister-Sünteltal und den angrenzenden Gebieten.

Auch für Geschäftsführer Thomas Kracke ist die Zukunft völlig offen: Der Diplomingenieur für Holztechnik sieht sich bereits nach einer neuen Beschäftigung um: „Aber wohl nicht mehr in der Stuhlbranche.“ Senior Friedrich-Wilhelm Kracke ist ohnehin seit dem ersten Konkurs nur noch in beratender Funktion tätig.

Der Mindener Insolvenzverwalter Sascha Bibiha bestätigte auf Anfrage die beschriebene Situation: „Die Auftragslage war erbärmlich.“ Deshalb seien „offene und ehrliche Entscheidungen“ getroffen worden: „Die Krackes waren gut beraten und haben rechtzeitig die Hand aufs Herz gelegt.“ Werde die Ertragslage nicht mehr erreicht, müsse man sich den Dingen stellen.

Maschinen werden verkauft, Immobilien vermietet

Auch Betriebsratsvorsitzender Heinz Röttger nickt zu den Schritten der Unternehmensleitung: „Wir halten durch bis zum letzten Tag“, beschreibt er die Stimmung in der Belegschaft, „wir sägen doch nicht am Ast, auf dem wir sitzen.“ Auch er verweist auf den Preiskampf der Möbeldiscounter: „Man muss sich doch nur die Prospekte ansehen.“

Der Niedergang der „Möbelmanufaktur“ hat auch Auswirkungen auf die Friedrich Kracke KG, der die Immobilien und Maschinen gehören. Letztgenannte sollen veräußert werden, um die noch bestehenden Verbindlichkeiten zu bezahlen. Denn es sei immer investiert und modernisiert worden, betont Kracke senior. Die frei werdende Betriebsfläche von 4900 Quadratmetern soll ebenso vermietet werden wie bereits jetzt schon erste Hallenbereiche.

Sowohl Friedrich-Wilhelm als auch Thomas Kracke machen aus ihrer Resignation keinen Hehl: „Bis 2008 hat unser Unternehmen nie Verluste gemacht.“ nah

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