Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hülsede Ein Riese kehrt zurück
Schaumburg Rodenberg Hülsede Ein Riese kehrt zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 28.10.2017
Volker Dreier (links) und Merlin Wolf fügen die beiden Teile des Taufsteins mithilfe eines Flaschenzugs wieder zusammen. Quelle: nah
Anzeige
Hülsede

Das Hülseder Objekt stand im Mittelpunkt einer Präsentation der hannoverschen Landeskirche (wir berichteten). Sie hatte sich mit dem Thema „Erlebnis-Raum Taufe“ an der „Weltausstellung Reformation 2017“ in der Lutherstadt Wittenberg beteiligt. Außer etlichen weiteren Exponaten und Multimediastationen war der spätgotische Klotz, der bis heute seinen Zweck erfüllt, der Höhepunkt der Schau. Rund 10000 Besucher dürften ihn in der Luther-Stadt betrachtet haben.

Für Abbau, Transport und Rückgabe war der Hessisch Oldendorfer Steinmetzbetrieb Meier verpflichtet worden. Dieser hatte bereits 1999 einen ersten Bezug zu dem schweren Becken aus Sandstein, weil es in Teilen restauriert werden musste. Damals fiel überhaupt erst auf, dass der aus dem 15. Jahrhundert stammende Taufstein mit Becken und massivem Fuß aus zwei Teilen bestand.

Kniffliges Stück Arbeit

Trotzdem erwiesen sich Demontage und Lieferung jetzt als ein durchaus kniffliges Stück Arbeit in dem engen Gotteshaus, das unter seiner Empore zudem recht niedrig ist. „Sonst bewegen wir ja Grabsteine auf Friedhöfen“, gab Mitarbeiter Volker Dreier zu bedenken.

Mit seinen Kollegen Merlin Wolf und Enis Licina brachte er die schwere Last mit dem Hubwagen über mit hölzernen Rampen versehene Treppenstufen sicher in das Gebäude. Dort waren schon Bänke beiseite gerückt und ein Flaschenzug installiert worden. Mithilfe etlicher Metallstangen rollte das Becken schließlich wieder auf seinen historischen Platz.

Nach historischem Vorbild rekonstruiert

„Unbeschädigt“, wie anwesende Kirchenvorsteher beobachteten. Der Hülseder Eckhard Arndt, der die Aktion betreut und den Transport nach Wittenberg begleitet hatte, will dem Taufstein jetzt zusätzlich aufwerten. Von dem schweren Deckel des rund einen Meter breiten Beckens ist vor etlichen Jahren ein hölzerner Aufsatz vermutlich abgebrochen. Arndt ermittelte nach historischen Fotos dessen Maße, die ein Drechsler für die Anfertigung eines passenden Ersatzes benötigte.

Eine Fachfirma sorgt derzeit für den letzten Schliff und einen passenden Anstrich. Arndt würde gern auch die aus dem Jahr 1671 stammende kleine Taufschale restaurieren lassen: Zinkpest hat die Gravur auf dem Rand weitgehend unleserlich gemacht. nah

Anzeige