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Hülsede Gasthaus Grünspan ist geschlossen
Schaumburg Rodenberg Hülsede Gasthaus Grünspan ist geschlossen
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15:43 28.08.2018
Rückschau auf 22 Jahre Grünspan: Ingrid Wächter und Andreas Bendig haben ihr Lokal ein letztes Mal geöffnet. Quelle: nah
Hülsede

Seine Betreiber wollen kürzer treten. Jetzt bleibt zur gelegentlichen Einkehr nur noch das Hülseder Sportheim.

„Bis zu 18 Stunden-Schichten sind einfach zu viel“, erläutern Ingrid Wächter und Andreas Bendig die Belastungen, der sie seit Jahren ausgesetzt sind. In der Regel nur zu zweit haben sie ihre Gäste bewirtet, auch wenn diese stets nur auf Vorbestellung bedient werden wollten.

Gäste kamen aus Detmold und Hannover

Aber Wächters Küchenkünste haben sich weithin herumgesprochen. „Nur mal zum Essen“ kamen Kunden bis aus Detmold und Hannover nach Hülsede, um hier einen Abend lang die Genüsse eines Sechs-Gänge-Menüs nach vorwiegend französischen Rezepten zu genießen.

Als sie vor rund 25 Jahren das Anwesen in der Dorfmitte kauften, hatten sie zunächst gar nicht daran gedacht, die Tradition der Vorgänger fortzusetzen. 1910 war das Anwesen entstanden, das von Anbeginn neben einem Lokal auch ein kleines Lebensmittelgeschäft enthielt. Bis weit in die siebziger Jahre bildete der Saal einen Schwerpunkt. Hier fanden Feste und Feiern statt. Zuletzt nutzte es das Fanfaren- und Majorettencorps Antendorf als Übungsdomizil.

Hülseder wollten Kneipe zurück

Der handwerklich versierte und im Bereich Antiquitäten bewanderte Bendig hatte zunächst nur eine Werkstatt als Ziel. „Doch dann wurde ich geradezu gedrängt, wieder die Gaststube zu eröffnen“, erinnert sich der 60-Jährige: „Die Hülseder wollten wieder ihre Kneipe haben.“

Dem benachbarten Wasserschloss verdankten sie dann den zweiten Schritt. Durch einen Zufall wurden dortige Gäste auf die frankophilen Leckereien aufmerksam. Bald gab Ingrid Wächter ihren gut bezahlten Job auf und machte ihr bis dahin gepflegtes Hobby zum Beruf. Im Nu sprachen sich die hiesigen Gaumenfreuden herum, die noch dazu in einem überaus rustikalen Ambiente serviert wurden. Gaststube und Saal quollen geradezu über von betagten Einrichtungsgegenständen und kleinen Accessoires.

Gäste wurden zu Freunden

Im Gegensatz zu den meisten anderen Restaurants verbrachten die Gäste den ganzen Abend bei Tisch. Aus flüchtigen Bekanntschaften wurden Freundschaften – mit der Folge, dass auch die Wirtsleute gelegentlich von ihren Gästen eingeladen wurden, in deren Zuhause zu speisen und sich über die französische Küche auszutauschen. Und weil das Paar seit vielen Jahren über einen zweiten Wohnsitz in der Provence mit zwei Ferienwohnungen verfügt, setzten sich die Kontakte in Urlaubsmonaten fort.

Dass der Grünspan auch Ehen beflügelte, verschweigen Wächter und Bendig nicht. Vom Kennenlernen über Hochzeit und Kindstaufe bis zur Konfirmation des ersten Nachwuchses haben Gäste das Haus erlebt. „Und das ist kein Einzelfall“, wie Wächter ausdrücklich versichert.

Saal kann weiterhin gemietet werden

Bei aller dankbaren Rückschau aber soll nun doch Schluss sein. Nur der Saal bleibt für Feiern erhalten. Er kann gemietet werden, wenn ein Partyservice die Verpflegung übernimmt. Doch die Grünspan-Philosophie werde fortbestehen, versprechen die beiden Gastronomen: Im Internet können Fans der Hülseder Küche bald Kochrezepte nachlesen. „Vielleicht“, so stellt sich Ingrid Wächter die ruhigere Zukunft vor, „werde ich sogar ein Buch schreiben“.

Von Bernd Althammer