Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Sprühregen

Navigation:
Hülseder Stuhlfabrik vor dem Aus?

Hülsede / Kracke-Sitzmöbel beantragt Insolvenzverfahren Hülseder Stuhlfabrik vor dem Aus?

Schock für die 29 Beschäftigten der Hülseder Friedrich Kracke Sitzmöbel GmbH: Das Unternehmen hat Insolvenz beantragt. Bis zum 1. Dezember wird über die Eröffnung des Verfahrens entschieden. Aus heiterem Himmel kam die Botschaft nicht: Schon länger lagen dunkle Wolken über dem seit 85 Jahren bestehenden Familienunternehmen.

Voriger Artikel
Böen lassen Drachen steigen
Nächster Artikel
Copey scheidet nach 46 Jahren aus

Vor schwierigen Wochen: Geschäftsführer Thomas Kracke (links) und Betriebsratsvorsitzender Heinz Röttger.

Quelle: nah

Von Bernd Althammer

Hülsede. Am Donnerstag stellten sich Geschäftsführer Thomas Kracke und Betriebsratsvorsitzender Heinz Röttger den Fragen der SN. Auch Senior Friedrich-Wilhelm Kracke war dabei, der – in dritter Generation – den Betrieb bis vor wenigen Wochen leitete. Er muss nach 38-jähriger Verantwortung mit besonderem Schmerz die gegenwärtige Situation erleben: „Wir sind schon lange von einer Stuhlfabrik zur Tischfabrik geworden.“ Wurden früher noch zu 63 Prozent Sitzmöbel produziert, sind es heute 40 Prozent.

Der Grund sind Billigimporte aus Südosteuropa und Asien. Während früher der Kunde im Möbelhaus noch mehr auf Qualität geachtet habe, sei heute eine „Geiz ist geil“-Mentalität vorhanden, bestätigt Thomas Kracke. Zugunsten von Billigstühlen blieben deutsche Produkte stehen. Dieser Entwicklung verschloss sich das Hülseder Unternehmen nicht. Automaten reduzierten die Zahl der Arbeitsplätze von 54 auf 29. In der Belegschaft befinden sich einige langjährige Stuhlbauer, für die es, so Kracke, „ganz einfach keine Arbeit mehr gibt“. Ein Sozialplan sollte die Lösung bringen. Aber die einvernehmlich mit dem Betriebsrat getroffene Vereinbarung wurde trotz weitreichender Zugeständnisse von Arbeitnehmerseite zur unerträglichen Belastung.
Zum Knackpunkt wurden die langfristigen Kündigungszeiten mit den damit verbundenen Kosten. „Das hätte unsere Hausbank mit einem Darlehen ja noch mitgemacht“, gibt Senior Kracke zu. Aber für die Summe hätte Sohn Thomas persönlich bürgen müssen. Dieses Risiko erschien zu hoch.

Dazu nickt Betriebsratsvorsitzender Heinz Röttger. Er gibt der Firmenleitung keine Schuld an der prekären Situation: „Da ist kein Geld an die Besitzerseite geflossen.“ Zudem hätte die Belegschaft selbst die sich anbahnende Entwicklung erkannt.
Durch das Insolvenzverfahren greife noch die volle Lohnfortzahlung von September bis einschließlich November aus Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit, wie Kracke betont. Der Betrieb werde lückenlos auch aufgrund des Auftragsbestands mindestens bis Ende November weitergeführt. Anfang Dezember entscheidet sich voraussichtlich die Zukunft des Unternehmens. Schlimmstenfalls kommt es zur Liquidation, falls keine Lösung zur Weiterführung gefunden wird.
Zwei Drittel der Belegschaft sind in Hülsede zu Hause, die übrigen wohnen in den Ortschaften der Umgebung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg