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Kinder aus Hülsede starben in Nienstedt

Hülsede Kinder aus Hülsede starben in Nienstedt

Bei seiner Untersuchung von Zwangsarbeiter-Schicksalen, die sich im Dritten Reich in Hülsede und Schmarrie abgespielt haben, ist Michael Ensslen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

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So sieht der Gedenkstein an der Begräbnisstätte in Nienstedt aus.

Quelle: gus

Hülsede. Aus Unterlagen eines auf nationalsozialistische Gräuel spezialisierten Suchdienstes geht hervor, dass mindestens zwei in Nienstedt verstorbene Kinder von Zwangsarbeitern in der heutigen Gemeinde Hülsede stammten.

 Ensslen hat eine Anfrage an den International Tracing Service (ITS) gerichtet, dessen Archive Informationen über Vorgänge bei Deportationen und anderen nationalsozialistischen Verbrechen enthalten. Das in Bad Arolsen (Hessen) ansässige Zentrum übermittelte dem Hülseder eine Liste, die Todesfälle im heutigen Schullandheim Nienstedt dokumentiert. Dort war ab 1943 ein „Ausweichkrankenhaus“ der Hannoverschen Kinderheilanstalt angesiedelt.

 Starben Kinder in dem Gebäude, wurden sie häufig auf einem Friedhof im Deister gleich gegenüber vergraben. Dort befindet sich heute die Gedenkstätte „Friedhof der vergessenen Kinder“, die auf eine Recherche des Hamelners Bernhard Gelderblom zurückgeht.

 Gelderblom steht mit Ensslen in Kontakt und ist erfreut über dessen Bemühungen. Er hofft, dass der Hülseder weitere Unterstützer findet, denn er ist der Ansicht, dass das Kapitel NS-Zwangsarbeit im Landkreis Schaumburg bisher nicht ausreichend aufgearbeitet wurde. Allerdings sei eine übergreifende Herangehensweise sinnvoller als viele Einzelprojekte. Generell gebe es noch reichlich Scheu vor dem Thema, gerade in kleineren Orten.

 Der Inhalt der Ensslen vorliegenden Liste, die ein britischer Offizier in die Akten des ITS hatte aufnehmen lassen, ist schauderhaft. 14 Namen von Kindern stehen darauf, die das Säuglingsalter nicht oder nur knapp überlebten. Je eines dieser Babys war in Schmarrie und in Hülsede zur Welt gekommen.

 Edward Burny wurde demnach am 6. August 1944 in Schmarrie geboren, war polnischer Abstammung und starb am 15. Oktober 1944 in Nienstedt. Todesursache: toxischer Darmkatarrh. Dieses Kind wurde allerdings nicht in der Begräbnisstätte im Wald sondern in Schmarrie beigesetzt.

 André Beckers kam am 25. Oktober 1943 in Hülsede zur Welt, war den Unterlagen zufolge belgischer Abstammung und verstarb am 12. Oktober 1944 in Nienstedt. Die zynisch klingende Todesursache „Lebensschwäche“ findet sich mehrmals auf der Ensslen vorliegenden Liste. Begraben wurde André Beckers in Eimbeckhausen.

 Die Angaben zur Nationalität lassen für Gelderblom und Ensslen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich um Kinder von Zwangsarbeitern handelte, die in den beiden Orten untergebracht worden waren. Möglich sei, dass Liebesverhältnisse zu Einheimischen zu den Schwangerschaften geführt haben. Aber auch Kontakt von Zwangsarbeitern untereinander könne es gegeben haben. Ensslen will weiterforschen und die Schicksale der Zwangsarbeiter dokumentieren. gus

Zwei Jungen ins Ghetto deportiert

Eine weitere Anfrage Michael Ensslens beim ITS hat keine neuen Erkenntnisse erbracht: Wie die in Messenkamp geborenen Herbert und Wolfgang Levy 1942 im Alter von elf und knapp vier Jahren ins Warschauer Ghetto deportiert wurden, geht aus den Archiven des Suchdienstes nicht hervor.
Im Bundesarchiv Berlin ist festgehalten, dass Wolfgang und Herbert Levy am 31. März 1942 in Warschau eintrafen, zwischenzeitlich hatten die beiden Kinder unterschiedliche Wohnorte.  gus

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