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Mindestens 70 wurden ausgebeutet

Zwangsarbeiter Mindestens 70 wurden ausgebeutet

In seinem Bemühen, die Geschichte der Zwangsarbeiter im Dritten Reich für Hülsede und Messenkamp aufzuarbeiten, hat es der Kommunalpolitiker Michael Ensslen geschafft, 70 Identitäten zu klären. Die Gesamtzahl der Zwangsarbeiter in beiden Orten ist aber wohl noch deutlich größer gewesen.

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Quelle: pr

Hülsede/Messenkamp. Seine Informationen hat Ensslen in den Archiven des Internationalen Suchdienstes (ITS) mit Sitz Bad Arolsen (Hessen) gefunden. Bislang hatte sich noch niemand eingehend mit der schaumburger Zwangsarbeitergeschichte befasst, wie der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom bereits vor gut zwei Jahren erklärte. Damals war Ensslen der Nachweis gelungen, dass Kinder von Zwangsarbeitern aus Hülsede in dem ehemaligen Nienstedter Kinderkrankenhaus gestorben waren.
Einige Kleinkinder waren darunter – unter welchen Umständen sie gezeugt und zur Welt gebracht worden waren, bleibt Spekulation. Gelderblom und Ensslen waren sich indes sicher, dass es sich aufgrund der angegebenen Nationalitäten bei den Gestorbenen um Zwangsarbeiterkinder gehandelt haben muss. Nun hat Ensslen herausgefunden, wie 70 Zwangsarbeiter in Hülsede und Messenkamp hießen und woher sie stammten.

31 Belgier und drei Serben

Demnach waren 31 Belgier und drei Serben teils bis zum Frühjahr 1945 in Messenkamp untergebracht. Wann sie gekommen waren, wurde nicht erfasst. Die Listen aus dem ITS-Archiv wurden in der britischen Besatzungszeit erstellt und zunächst im Standesamt des Kreises Springe abgeheftet. Die Papiere geben lediglich an, dass die Zwangsarbeiter nach September 1939 in den Bereich verlegt worden waren.
In Hülsede lebten laut der Quelle zwölf Franzosen und 23 Belgier. Sechs Franzosen reisten am 12. April 1945 in die Heimat zurück. Die übrigen verließen Hülsede ab 1944 vereinzelt. Deren Ziele waren in vier Fällen Hameln sowie Springe und Rodenberg. Dort werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach weiter Zwangsarbeit verrichtet haben.
Ein Belgier dürfte im Jahr 1943 das gleiche Schicksal geteilt haben, als es ihn von Hülsede nach Hilgesfeld verschlug. Wohin die restlichen in Hülsede ausgebeuteten Belgier zog, ist ungewiss. In dem Archivpapier heißt es, dass sie nach dem Einmarsch der Alliierten „ohne Abmeldung verschwanden“.
Zwei der Messenkämper Serben wurden am 15. April 1945 in ein Lager bei Stadthagen transportiert, der Dritte, der damals 26-jährige Martin Dryoliga, kam in ein Lager in Bad Münder. Alle 31 Belgier, die in Messenkamp Zwangsarbeit leisten mussten, brachten die Alliierten am 17. Mai 1945 in ein Lager in Hameln.

Kollaborateure der Nationalsozialisten

Dort wurden sie nach Einschätzung Gelderbloms festegesetzt. Denn unter den Belgiern gab es Kollaborateure der Nationalsozialisten, die teils freiwillig nach Deutschland gezogen waren. Kollaborateure wurden Gelderblom zufolge den belgischen Behörden überstellt – so dürfte auch das „Verschwinden ohne Abmeldung“ in Hülsede zu erklären sein. Allerdings weist Gelderblom darauf hin, dass auch diese Arbeiter trotz anfänglicher Freiwilligkeit ein hartes Leben in Deutschland hatten. Ohnehin wären sie wohl nicht hierher gekommen, wenn sie in der Heimat nicht bereits bettelarm gewesen wären.
Bei den Zwangsarbeitern handelte es sich meist um Zivilisten und nur zum Teil um Kriegsgefangene, sagt der Hamelner Experte. Sie mussten in Hülsede und Messenkamp aller Wahrscheinlichkeit nach in Fabriken und in der Landwirtschaft schuften.
Dass die Listen alle Zwangsarbeiter nennen, die in den beiden Orten lebten, ist unwahrscheinlich. Der Abgleich mit den verstorbenen Kindern von Nienstedt ergibt, dass einige der Eltern nicht unter den 70 sind. Die Nachnamen Beckers und Burny fehlen beispielsweise – so hießen aber zwei der toten Kinder. Zudem soll eines der Beiden polnischer Abstammung gewesen sein. Der naheliegendste Schluss ist für Ensslen, dass die jetzigen Listen unvollständig sind. gus

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