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Hülsede Neue Heimat im alten Pfarrhaus
Schaumburg Rodenberg Hülsede Neue Heimat im alten Pfarrhaus
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00:18 26.12.2015
Abdul Hami und Fatimia und ihre Kinder mit Monika Meier (links) und Christina Ziegler. Quelle: nah
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Hülsede

In der mehr als 300.000 Einwohner zählenden Stadt Herat hatte Abdul Hami ein Haus und einen Job. Doch die Sorge vor Tod und Drangsal ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Mit Ehefrau Fatimia, Tochter Nyaysch (5) und Sohn Rafeh (2) wagte er das Abenteuer: Mit wenigen Habseligkeiten und dem kleinen Jungen auf dem Arm machte sich die Familie auf den Weg. Die Flucht endete nach Aufenthalten in Aufnahme- und Übergangslagern endlich in Hülsede.

Dort hatten etliche Helfer die ehemaligen Konfirmanden-Räume im Erdgeschoss des alten Hülseder Pfarrhauses hergerichtet. Die Fläche bot sich geradezu für eine kleine Wohnung an. Der Kirchenvorstand sah darin einen Weg zur weiteren Kostendeckung des Gebäudes. Aber es sollte eben auch ein Zeichen der Nächstenliebe gesetzt werden: Flüchtlinge sind willkommen.

Seit gut vier Wochen ist das nun das neue Zuhause. Ein Wohn-/Schlafzimmer bietet sogar Platz für den wichtigen großen, dicken Teppich, der gewissermaßen als Familienmittelpunkt fungiert. Denn an dem Tisch, der in der Küche die dortige zweckmäßige Einrichtung ergänzt, sitzt die Familie eigentlich nur aus Gastfreundschaft, wenn Besuch aus dem Dorf da ist.

Und der kommt inzwischen regelmäßig. Anfangs war Pfarrhaus-Mitbewohnerin Christina Ziegler noch ein wenig enttäuscht. Bei einem „Runden Tisch“ wenige Wochen zuvor hatten noch etliche Einwohner Unterstützung zugesagt. Doch diese blieb zunächst bis auf wenige Ausnahmen aus. „Vielleicht war es nur die Scheu vor fremden Menschen oder die befürchtete Sprachbarriere“, glaubt sie. Doch nun läuft eine Welle der Hilfsbereitschaft. Nyaysch hat auch gleichaltrige Spielgefährten gefunden. Die kleine Jette aus Lauenau zum Beispiel hat schon regelmäßig eigene Kinderzimmerschätze vorbeigebracht. Und richtig wohlfühlte sich die Familie beim „Lebendigen Adventskalender“ in Lauenau, auch wenn ihnen als Muslime das Brauchtum der christlichen Vorweihnachtszeit eher fremd ist.

Noch aber bleibt die Verständigung das große Problem. Nur Abdul Hami kann mit einigen Englisch-Kenntnissen helfen. Aber schnell hat er gelernt, wie sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln Strecken zurücklegen und Behördengänge erledigen lassen. Und für die Tochter gibt es bald einen Kindergartenplatz ebenso wie für Rafeh, der im Januar seinen dritten Geburtstag feiert.

Der quirlige Kleine hat besonders Monika Meier in sein Herz geschlossen. Wenn die Hülsederin die Familie besucht, sind die Eltern glatt abgeschrieben. Dann jauchzt und jubelt er und will sich von niemand anderem die Jacke aus- oder anziehen lassen.

Die mangelnde Mobilität der Familie aber bleibt das größte Handicap. Vater Abdul hat zwar einen Führerschein. Doch dieser ist in Deutschland nicht gültig. Und Ehefrau Fatimia macht gerade erste Versuche mit einem Fahrrad. Wer also eine Mitfahrgelegenheit bieten kann, ist sehr willkommen. nah

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