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Sogar der Bürgermeister saß im Sattel

Islandpferde auf dem Borcherding-Hof in Schmarrie Sogar der Bürgermeister saß im Sattel

Auf Wegen und Feldern sowie im Wald tat sich Anfang der siebziger Jahre Ungewöhnliches. Bis dahin waren Freizeitreiter in der Deister-Süntelregion eigentlich nur hoch zu Ross unterwegs gewesen. Nun trugen mit einem Mal auch kleine zottige Vierbeiner ihre Besitzer durch die Gegend. Es waren Islandpferde, die im ehemaligen Borcherding-Hof in Schmarrie Einzug hielten.

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Wiedersehen nach 45 Jahren: die „Hestaborg“-Pferdefreunde an den ehemaligen Boxen.

Quelle: nah

SCHMARRIE. Lange Zeit blieb der Ort Stütz- und Treffpunkt von Freunden der genügsamen Rasse. Jetzt, genau 45 Jahre später, feierten sie ein Wiedersehen – mit vielen Erinnerungen an frühere Erlebnisse. Die Grundschullehrerin Gertrud Heller hatte 1971 für den Start gesorgt. Weil sie von Langenhagen nach Schmarrie gezogen war, brachte sie auch die drei Isländer mit, die bis dahin auf einer Koppel in Isernhagen gestanden hatten. Auf der alten Hofstelle am Dorfrand fanden diese ein neues Zuhause.

Hellers Liebe zu den Vierbeinern hatte sie vier Jahre zuvor sogar nach Island geführt, wo sie den Urlaub auf dem Pferderücken verbrachte und deren Lebensweise studierte. Bald wehte auch über dem nun „Hestaborg“ genannten Hof an den staatlichen Feiertagen die isländische Nationalflagge.

Neben den beiden Töchtern Claudia und Carina fanden sich im Freundeskreis bald weitere Pferdenarren, die teils aus Hannover und Westfalen regelmäßig ins Deister-Sünteltal kamen. „Über 20 Pferde standen auf dem Hof“, erinnert sich Carina Heller. Vom heutigen Wohnsitz Brüssel aus organisierte sie jetzt ein Wiedersehen auf dem ehemaligen „Hestaborg“-Hof – und konnte mithilfe der SN sogar eine kleine Chronik erstellen. Einige ehemalige Mitglieder hatten sich 2015 bereits am Rande der Fachmesse „Pferd & Jagd“ getroffen. Damals war das Treffen an „historischer“ Stelle verabredet worden.

Erschütterungsfrei durchs Gelände

In der Blütezeit der Gemeinschaft fanden regelmäßig Reitkurse statt. Ein Experte aus dem rheinischen Siebengebirge lehrte Quadrille und Steilritte, vor allem aber die Gangart, die neben Schritt, Trab und Galopp eigentlich nur Islandpferde kennen: Pass und Tölt. Vor allem durch den Tölt ist die Rasse bei Menschen beliebt: Beinahe erschütterungsfrei und damit rückenschonend geht es durch das Gelände. Es folgten weitere Lehrgänge, darunter auch durch einen isländischen Pferdezüchter.

Doch immer wieder war „Hestaborg“ Schauplatz von Ranch- und Reiterfesten, Ausritten, Dressurvorführungen, Tagen der offenen Tür und anderen Anlässen. Selbst der damalige Hülseder Bürgermeister, Otto Scharrenbach, ließ es sich nicht nehmen, einmal im Pferdesattel mit Begeisterung eine Runde zu drehen.

Heute dient der Borcherding-Hof anderen Zwecken. Aber die Islandpferde-Tradition im Deister-Sünteltal ist fortgeführt worden durch die Rohrsenerin Elke Osterkamp oder auch durch Claus Scharrenbach, der ebenfalls in Rohrsen Gesinnungsfreunde um sich scharte.

Das kleine Schmarrie aber ist vor genau 25 Jahren in den Blickpunkt der Islandpferde-Fans aus aller Welt gelangt: 1991 fanden in der schwedischen Stadt Norrköping die ersten offiziellen Weltmeisterschaften statt. Carina Heller errang mit ihrem 13-jährigen Wallach Glaumur den Einzelsieg im Fünfgang und den vierten Platz in der Gesamtwertung. nah

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