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Bluttat im dichten Alkoholnebel

Lauenau Bluttat im dichten Alkoholnebel

Es geht um zwei Männer, drei Flaschen Schnaps und ein Küchenmesser: Vor dem Schwurgericht in Bückeburg hat am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Lauenau begonnen.

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Lauenau/Bückeburg. Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig wirft ihm versuchten Totschlag vor. Im Streit soll der 34-Jährige einem Bekannten (24) die Klinge in den Rücken gerammt haben. Tatort war die Wohnung der Cousine des Opfers, wo beide Männer zu Gast waren.

Richter Norbert Kütemeyer nimmt das Messer aus der Folie. „Das sieht spitz und fies aus“, sagt er. Später stellt sich der 24-Jährige mit dem Rücken zum Richtertisch und zieht seinen Pullover hoch, um Kütemeyer und dessen vier Kollegen die Verletzung zu zeigen. „Ohne rechtzeitige ärztliche Versorgung“, so Staatsanwalt Dreißig, „hätte die drei Zentimeter tiefe Schnittwunde zum Tode führen können“. Das Opfer wäre verblutet.

Beide Männer sind polnische Staatsangehörige. Vor der Bluttat in den frühen Morgenstunden des 31. Dezember 2014 hatten sie stundenlang zusammen Schnaps getrunken, der Angeklagte soll etwa drei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. „Als ich mir das Bett machte, spürte ich einen starken Schmerz im Rücken“, erinnert sich das Opfer im Prozess. „Das war ein feiger Angriff.“

Danach will sich der 24-Jährige das Messer selbst aus der Wunde gezogen und seinen Bekannten „aus der Wohnung getreten“ haben. Die Polizei, alarmiert von einem Nachbarn, konnte den Verdächtigen auf dem Dachboden festnehmen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

In einer polizeilichen Vernehmung hatte der mutmaßliche Täter zu Protokoll gegeben, der andere Mann könne „ausgerutscht und mit dem Rücken in das Küchenmesser gefallen“ sein. Als Richter Norbert Kütemeyer fragt, ob das sein kann, lacht das Opfer nur laut auf, so absurd findet der Mann aus Lauenau diese Vorstellung.

Der Angeklagte ist zwischenzeitlich von seiner Darstellung abgerückt. An die Tat hat er laut Verteidiger Michael Einars keine Erinnerung. „Mein Mandant geht aber davon aus“, so Einars, „dass der Sachverhalt zutreffend ist“. Eine Tötungsabsicht habe der 34-Jährige jedoch zu keiner Zeit gehabt.

Weil bei beiden Männern viel Alkohol im Spiel war, ist die Tat schwer zu rekonstruieren. Der Angeklagte spricht von der Küche, der Verletzte beschreibt das Wohnzimmer als Tatort. Dafür spricht, dass auf dem Sofa ein großer Blutfleck war. Woran sich der Streit entzündet hat, ist ebenfalls unklar. Der jüngere Mann will an dem Abend traurig gewesen sein. Möglicherweise fühlte er sich von seinem Zechkumpan missverstanden oder bedrängt.

Für die Hauptverhandlung hat Kütemeyer, der Vorsitzende des Schwurgerichts, zunächst vier Sitzungstage anberaumt, zehn Zeugen und zwei Gutachter geladen. Das Urteil soll Ende kommender Woche verkündet werden. Noch ist alles offen. Denkbar erscheint nicht nur eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags, sondern auch wegen versuchten Mordes (aus Heimtücke) oder gefährlicher Körperverletzung. ly

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