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Die Chronologie einer Bluttat

Mordprozess Die Chronologie einer Bluttat

Mord, Totschlag oder Freispruch: Im Prozess gegen den Lauenauer Uwe K. (46) wird am Mittwoch das Urteil verkündet. Was ist bisher passiert?

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Symbolbild

Quelle: Archiv

Lauenau/Bückeburg. 27. Mai 2015: Am Mittag fahren plötzlich mehrere Streifenwagen, Zivilfahrzeuge der Polizei, Kranken- und Notarztwagen vor. In einem Wohn- und Geschäftshaus am Busbahnhof in Lauenau ist die Leiche von Ines K. (42) gefunden worden. Die Frau des Handwerksmeisters Uwe K. und Mutter einer Tochter ist offenbar einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Den Notruf hat der Ehemann gewählt.

Am Tag nach der Tat: Im Flecken macht sich Entsetzen breit, viele Menschen wirken geschockt. Fernsehteams belagern das Haus. Uwe K. kommt kurz in Haft, wird aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Über Hintergründe der Bluttat schweigen sich die Ermittler aus.

Ende September 2015 ergeht Haftbefehl. Uwe K. wird auf offener Straße festgenommen und kommt in Untersuchungshaft, in der er bis heute sitzt. Polizisten haben reihenweise Gespräche zwischen ihm und seiner Geliebten abgehört, die beide nach der Tat geführt haben.

Im Januar 2016 wird Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft in Bückeburg wirft dem Angeklagten vor, seine Frau mit Holzlatten niedergeschlagen und mit Mülltüten erstickt zu haben, um mit der Geliebten ein neues Leben beginnen zu können. Viele Einwohner kennen den Handwerksmeister, kaum jemand traut ihm eine solche Tat zu. Uwe K. schweigt zu den Vorwürfen und nimmt sich einen zweiten Anwalt.

Mitte März 2016 beginnt der Mordprozess vor dem Schwurgericht in Bückeburg. Die Sitzplätze reichen nicht aus, so groß ist das Interesse. Einige Zuschauer warten stundenlang vor der Tür, bis im Saal ein Platz frei wird. Zum Auftakt beschuldigt Uwe. K seine Ex-Geliebte, den Mord verübt zu haben – allein oder mit Komplizen. Sich selbst gibt der Angeklagte, der Beziehungen zu mehreren Frauen gleichzeitig hatte, gern ins Bordell ging und auch die Geliebte betrogen hat, lediglich eine moralische Schuld. „Ich bin ein ausgeglichener, ruhiger Mensch und neige überhaupt nicht zu Aggressionen“, lässt er über seine Verteidiger erklären.

Am zweiten Verhandlungstag sagt die frühere Geliebte (43) aus und wehrt sich. Sie will Uwe K. mit einem Firmenwagen zu Hause abgesetzt haben, zur Tatzeit aber auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen sein und dort auf den Anruf des Mannes gewartet haben. „Gott ist mein Zeuge“, fügt sie hinzu. Der Angeklagte erklärt dagegen, sie habe vor dem Haus in Lauenau gewartet.

Am dritten Prozesstag macht die Frau aus Hannover eine Kehrtwende. Sie widerruft ihre bisherige Aussage und behauptet nun, aus einem Versteck im Zwischentrakt des Gebäudes beobachtet zu haben, wie Uwe K. seine Frau niedergeschlagen hat. „Er hatte einen Balken und schlug ihr auf den Kopf“, sagt sie.

Im Mai beraumt das Gericht einen Ortstermin in Lauenau an, um die Aussage zu überprüfen.

Seitdem versuchen beide Verteidiger, die Glaubwürdigkeit der Zeugin mit einer Flut von Beweisanträgen zu erschüttern. Bis zum Ende der Beweisaufnahme sind es 58. Die meisten werden abgelehnt. Zeitweise bewegt sich die Hauptverhandlung am Rande eines Eklats. Das Gericht wirft den Verteidigern Prozessverschleppung vor, die Anwälte dem Gericht, seiner Pflicht zur Sachaufklärung nicht nachzukommen.

Im SN-Interview spricht Verteidiger Dirk Baumann von einer „Tendenz, dass unser Mandant wegen Totschlags verurteilt werden soll“. Das Gericht hat bereits Monate zuvor den rechtlichen Hinweis gegeben, dass dies im Falle eines Schuldspruchs in Frage kommen könnte.

Am 18. Januar schließt Richter Norbert Kütemeyer die Beweisaufnahme und bittet um die Plädoyers. Oberstaatsanwalt Frank Hirt fordert lebenslange Haft wegen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

Die SN berichten morgen ab 8.45 Uhr im Liveticker von der Urteilsverkündung. Der Ticker ist auf www.sn-online.de zu finden. ly

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