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Die Kegel sind gefallen

„Enzianstübl“ vor dem Aus Die Kegel sind gefallen

Seit 127 Jahren lassen die Kegelbrüder vom Club „Die Harmonie“ die schweren Kugeln über das blanke Parkett donnern. Das „Enzianstübl“ an der Coppenbrügger Landstraße war das letzte Domizil der Hobbykegeler und von vielen anderen.

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Die Kegelbahn ist seit dem Brand geschlossen.

Quelle: js

LAUENAU.  Nachdem dort ein Schwelbrand in der Elektronik die Kegelbahn unbrauchbar machte, ist der Club ohne Bahn und das Lokal vor dem Aus.

„Eigentlich war der Raum nach dem Brand nur sehr verrußt, die Bahn an sich war noch intakt“, meint „Stübl“-Stammkunde Klaus Günther. Die Eigentümer entschieden sich trotzdem dafür, alles herauszureißen. „Eine komplett neue Bahn würde 90000 Euro kosten. Der Wartungstechniker hat allerdings auch angeboten, eine gebrauchte Anlage für 35000 Euro einzubauen“, so Günther. Bisher habe sich nicht viel getan. Die Eigentümer sind nicht geneigt, so viel Geld zu investieren.

„Die Kegelbahn war unser Brot“, seufzt Wirt Uwe Schidowski. Die Einnahmen von der Bahnmiete durfte er für sich behalten. „Ich hatte einen Kundenstamm von 60 Keglern. Das waren gemischte Gruppen, auch viele aus den umliegenden Gemeinden“, sagt er. Als ihm die Tochter der Eigentümerin im September eröffnete, dass es für die Bahn keinen Ersatz geben werde, kam die Idee einer Kegel-Interessengemeinschaft auf. „Viele Handwerker sind unter den Kunden, wir könnten einiges zusammen schaffen“, glaubt der Wirt. Einen entsprechenden Aufruf gibt es in der Kneipe. „Finanziell wird das nur mit Beteiligung der Eigentümer möglich sein“, so Günther.

Nur noch vier von 18 Kegel-Clubs übrig

Innerhalb der Samtgemeinde bleibt nur noch ein Lokal in Apelern, das aber mit einer für den echten Kegler ungeliebten Scherenbahn ausgestattet ist und eins in Messenkamp, seit Jahren keine relevante Adresse mehr für die aktiven Spieler. Der „Harmonie“ blieb nicht mehr viel übrig, als nach Bad Münder auszuweichen, um ein Etablissement nach ihren Ansprüchen zu finden.

Ob unter den heimischen Gastronomen noch einer auf den Kegelsport setzt, sei dahin gestellt. Schließlich sind von den einstmals 18 Clubs im Flecken gerade einmal vier übrig. Die „Stübl“-Eigentümer wollten sich nicht weiter äußern. Günther ist dagegen von der Zugkraft der Kneipentradition überzeugt. „Wir haben immer unseren Nachwuchs bekommen. Aktuell haben wir Mitglieder im Alter zwischen 35 und 85 Jahren.“

Gleichwohl ist der Zugang zum Club bei Weitem nicht so leicht, wie der zur Kneipe. Nach den Statuten aus dem 19. Jahrhundert müssen sich Aspiranten bewehren – gerne mit ein paar Runden flüssiger Überredung. Wer aber dazu gehört, wird von den Brüdern an Jubiläen auch in Anzug und Zylinder geehrt.

Die Herren sehen auch die Politik in der Pflicht, die ehrenwerte Vereinstradition zu retten. „Die Gemeinde hat so viele Sportstätten und Einrichtungen gefördert, da muss es doch auch möglich sein, eine Kegelbahn am Leben zu halten“, meint Günther. geb

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