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„Dinge, die zum Himmel schreien“

Mordprozess gegen Uwe K. „Dinge, die zum Himmel schreien“

Für den Mordprozess gegen Uwe K. aus Lauenau waren 16 Sitzungstage vorgesehen. Mittlerweile sind es 38, ein Ende ist nicht abzusehen. Viel Zeit haben die bislang 50 Beweisanträge der Verteidiger Dirk Baumann (Herford) und Christoph Hessel (Stadthagen) in Anspruch genommen.

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Prozessauftakt am 14. März 2016: Die Verteidiger Dirk Baumann (links) und Christoph Hessel (rechts) neben ihrem Mandanten Uwe K. Im Hintergrund steht ein Justizwachtmeister.

Quelle: rg

Lauenau. Sie wollen nachweisen, dass die frühere Geliebte von Uwe K. lügt. Im SN-Interview kündigen sie an, dass der Prozess noch Monate dauern kann.

Wer hat Ines K. umgebracht?

Dirk Baumann: Ich war nicht dabei. Unser Mandant bestreitet, zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein.

Wer war es dann? Die Geliebte?

Christoph Hessel: Das ist für mich die plausibelste und damit auch wahrscheinlichste Erklärung. Sie räumt ein, dass sie zur Tatzeit am Tatort war. Das heißt zwingend, dass sie als Täterin in Betracht kommt. Am Tatort gibt es eine DNA-Mischspur von ihr. Sie hat ein Motiv, weil sie den Geliebten für sich allein wollte. Ihre Aussage strotzt vor Widersprüchen. Die Zeugin hat vor Gericht gelogen, sogar unter Eid. Außerdem gibt es die Aussage eines Sachverständigen, wonach die Geliebte gar nicht dort gestanden haben kann, wo sie gestanden haben will.

Baumann: Ich habe Strafanzeige gegen sie erstattet, unter anderem wegen Mordverdachts.

Trotzdem sieht die Staatsanwaltschaft bei der Frau bisher keinen dringenden Tatverdacht. Wie erklären Sie sich das?
Hessel: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht ernsthaft. Wir holen hier im Prozess die Arbeit der Staatsanwaltschaft nach und waren so gezwungen, schon 50 Beweisanträge zu stellen.

Dem Gericht haben Sie vorgeworfen, dass es der Ex-Geliebten glauben will und seiner Pflicht zur Sachaufklärung nicht nachkommt. Soll das heißen, dass der Schuldspruch bereits feststeht?

Baumann: Nein, der Schuldspruch steht nicht fest, weil wir dagegen arbeiten. Aber die Tendenz ist, dass unser Mandant wegen Totschlags verurteilt werden soll.

Totschlag? Warum nicht Mord?

Baumann: Weil das Gericht so wenig weiß.

Zurzeit geht die Kammer den meisten Beweisanträgen nach. An welcher Stelle hat das Gericht denn keine Sachaufklärung betrieben?

Baumann: Vor Gericht hat die frühere Geliebte gelogen. Sie hat monatelang erklärt, zur Tatzeit in Bad Nenndorf gewesen zu sein. Plötzlich behauptet sie, die Tat beobachtet zu haben. Das Gericht hat jedoch nicht alles unternommen, um aufzuklären, in wie vielen Punkten die Zeugin gelogen hat, weil die übrigen Indizien allein für eine Verurteilung nicht ausreichen.
Auch im Hinblick auf das Tatgeschehen selbst reicht die betriebene Sachaufklärung nicht aus. Das Gericht hat zum Beispiel keine Blutspritzer-Analyse in Auftrag gegeben, keine 3-D-Analyse und zunächst keine Analyse zu den Spuren an einer Tür. All diesen Anträgen wurde zunächst nicht nachgegangen.

Das Gericht hat Ihnen in mehreren Beschlüssen vorgeworfen, den Prozess zu verschleppen. Stimmt das?

Baumann: Wir verhandeln eine Mordsache. Ich habe einen Job, den ich ernst nehme. Ich stelle so viele Beweisanträge, wie mir einfallen.

Hessel: Es gibt Dinge, die zum Himmel schreien. Unter der Leiche wurde ein sehr spezieller Knopf gefunden, der indiziell auf die Geliebte hinweist, aber die Kammer hat zunächst nichts getan, um herauszufinden, wie er dahingekommen ist.

Wie lange wird der Prozess noch dauern?

Hessel: Drei bis vier Monate, wenn das Gericht unseren Beweisanträgen nachgeht.

Warum hat Uwe K. eigentlich zwei Anwälte?

Hessel: Die Familie trat an mich heran. Aber ich wollte es nicht allein machen – wegen der Komplexität des Sachverhaltes.

Wie geht es Ihrem Mandanten?

Hessel: Er ist ungeduldig und steht staunend vor dem, was er für ungerecht hält.

Sie haben eine persönliche Erklärung des Angeklagten angekündigt. Kommt die denn noch?

Baumann: Das entscheiden wir, wenn alle Beweisanträge abgearbeitet sind.

Interview: Stefan Lyrath

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