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Ein Balken als Beweis

Feggendorfer Forsthaus Ein Balken als Beweis

Ein altes Haus duckt sich hinter hohen Bäumen im Feggendorfer Vogelbrink. Seinem Eigentümer Heinrich Uhlenbecker ist anzusehen, wie sehr dieser sich mit der Natur verbunden fühlt.

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Heinrich Uhlenbecker zeigt den Balken als Beweis: Das Feggendorfer Forsthaus stammt aus dem Jahr 1756 .

Quelle: nah

FEGGENDORF. Alte Findlinge hat er in seinen Garten geschleppt, einen hölzernen Wegweiser aufgehängt und gefundene Greifvogelfedern an der Haustür angebracht. Die Liebe zum Wald mag ihm von den Vorbesitzern übertragen worden sein. Denn diese waren Förster; und das Wohnhaus deren Dienstsitz.

Das weiß in Feggendorf heute kaum jemand. Nicht einmal im „Historischen Ortsspaziergang“ des Arbeitskreises Spurensuche der Schaumburger Landschaft ist es erwähnt. Wer aber in das Blatt 121 der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1782 blickt, kann dies sogar nachlesen: Neben dem Feggendorfer Unterdorf und dem mit einigen Hofstellen ausgewiesenen „Lachdorf“ findet sich nord-östlich davon der Eintrag „Försterhaus“ samt eines Gebäudesymbols. Von drei Seiten war das Anwesen damals von Wald umgeben, der sich längs der heutigen Deisterstraße fast bis zum Abzweig des jetzigen „Kleinen Ranzen“ hinzog.

Ein "Berittener Förster" gehört zu den früheren Bewohnern

Uhlenbecker hat sogar einen Beleg entdeckt, der den Ursprung des Hauses dokumentiert: Ein Balken mit der Inschrift „Segne mich mein Gott“ ist es und der Jahreszahl 1756. „Damit habe ich nach dem Niedergang des Hofes Prell das älteste Wohngebäude im Ort“, glaubt Uhlenbecker. Die ehemalige Kötnerstelle von 1554 war vor zwei Jahren abgebrannt.

Von früheren Hausbewohnern weiß Uhlenbecker noch Heinrich Meinecke zu benennen, der sogar den Titel „Berittener Förster“ trug. „Begleitende Förster“ galten gemeinhin als Hilfskraft im Wald. Das Ende des Dienstsitzes vermutet der heutige Eigentümer um das Jahr 1828. Damals stand das Haus bereits am Waldrand. Später wurde dort noch mehr gerodet: Die Fläche des heutigen „Pleßen“ hieß früher „In den Dicken Ellern“, was auf einst mächtigen Erlenbestand deutet.

„Vielleicht hat es schon in jener Zeit Verwaltungsreformen gegeben“, vermutet er über das Aus für die Feggendorfer Dienststelle, sodass danach die königlich-hannoverschen und später preußischen Wälder von Lauenau aus verwaltet worden sind. Dessen Förstersitz befand sich bekanntlich bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Blumenhagen. Weitaus naheliegender aber dürfte die Schließung mit dem Ende der privaten Nutzung der Wälder einher gegangen sein. Bis ins 19. Jahrhundert gab es noch Hüte- und Holzleserechte der Bevölkerung sowie die Erlaubnis, Bauholz zu entnehmen, Laub für die Einstreu und Bucheckern für die Ölgewinnung zu sammeln. In einem durchaus schmerzlichen Prozess wurden diese Befugnisse vom Forstfiskus zurückgedrängt: Die Wälder sollten holzwirtschaftlich intensiver genutzt werden.

„Jetzt bin ich der sechste und letzte Heinrich“

Das Feggendorfer Gebäude wurde von Uhlenbeckers Vorfahren im 19. Jahrhundert erworben und dann stets weitervererbt. „Jetzt bin ich der sechste und letzte Heinrich“, verrät der Vater zweier Töchter: „Der Name wird nun nicht mehr weiter gegeben.“

Beim Blick auf alte Familienfotos und natürlich auf sein Elternhaus aber wird der 72-Jährige nachdenklich: „Irgendwie steckt das wohl in meinen Genen: Als Kind wollte ich gern Förster werden.“ Dabei waren Großvater und Vater mit der Deisterkohle verbandelt: Der Senior noch unter Tage. Sein Sohn dagegen fuhr Kohle zum Bahnhof, wo sie auf der Schiene zur Hanomag und zur Döhrener Wolle nach Hannover trans-portiert wurde.

So aber bleibt dem letzten Uhlenbecker die Aufgabe, das geschichtsträchtige Anwesen zu bewahren. Stolz zeigt er das gepflegte Innere mit viel Fachwerk in niedrigen Räumen. Von außen hat das Gebäude schon 1936 eine Verschalung aus Klinker erhalten. „Aber die Sandsteinplatten auf dem Gehweg, die sind so alt wie das Haus“, weiß Uhlenbecker, „nämlich über 250 Jahre“. nah

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