Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Indiz weniger im Mordprozess?

Gutachten belastet Uwe K. Ein Indiz weniger im Mordprozess?

Der Ton wird schärfer. Im Mordprozess gegen Uwe K. aus Lauenau hat die Verteidigung einen Gutachter als befangen abgelehnt und außerdem beantragt, Oberstaatsanwalt Frank Hirt vom Prozess abzuziehen.

Voriger Artikel
Motorradfahrer stirbt auf der A 2
Nächster Artikel
Ortstermin im Lauenauer Mordprozess
Quelle: Symbolfoto

Lauenau/Bückeburg. Entscheidungen zu den Anträgen sind noch nicht gefallen. Hirt hat den Zorn der Anwälte auf sich gezogen, weil die Staatsanwaltschaft nach einer Strafanzeige von K. zwar ein Ermittlungsverfahren gegen dessen frühere Geliebte eingeleitet hat, gleichzeitig aber erklärte, dass es keine neuen Ermittlungsansätze gebe. Gerichtet ist der Antrag an den Leitenden Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum, Hirts Vorgesetzten. Dass er durchkommt, gilt als ausgeschlossen. Appelbaum selbst hatte die Erklärung auf Anfrage unserer Zeitung abgegeben.
Hintergrund ist die Strafanzeige von Uwe K. gegen seine frühere Geliebte, unter anderem wegen Mordes – offenbar eine Reaktion auf deren belastende Aussage. Die 43-Jährige will gesehen haben, dass K. seine Frau mit einer Holzlatte niedergeschlagen hat. Zuvor hatte die Zeugin in diversen Vernehmungen versichert, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein. Damit steht fest, dass sie mindestens einmal gelogen hat.

Gutachter ins Visier genommen

„Ich finde es unglaublich, bei so einer Situation davon zu sprechen, dass es keine neuen Anhaltspunkte gibt“, kritisierte Verteidiger Dirk Baumann die Erklärung der Staatsanwaltschaft. Dass die Frau unmittelbar am Tatort gewesen sein will, sind für Baumann neue Erkenntnisse, aus denen er sogar „einen erheblichen Tatverdacht“ gegen die Ex-Geliebte ableitet.
Ins Visier nahm die Verteidigung auch einen Gutachter, der den Notruf von Uwe K., eingegangen am 27. Mai 2015 um 13.23 Uhr, untersucht hat. In seiner Expertise kommt der Sachverständige, Professor eines Institutes für Rechtspsychologie, zu dem Schluss: „Das Verhalten des Angeklagten ist mit der These in Einklang zu bringen, dass er selbst für eine Täterschaft infrage kommt.“ Demnach könnte Uwe K. den Mord begangen haben.

Möglicherweise werden die Richter das Ergebnis jedoch ignorieren. Das würde bedeuten: ein Indiz weniger. Norbert Kütemeyer, Vorsitzender des Bückeburger Schwurgerichts, ermahnte den Professor: „Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man nicht genug Informationen hatte, um ein seriöses Gutachten zu erstatten.“ Zuvor hatte Verteidiger Christoph Hessel die Expertise zerpflückt.

Schlüsse aus zwölf Notrufen gezogen

So geht der Rechtspsychologe einfach davon aus, dass K. die Rettungsleitstelle sofort angerufen hat – unter „Hochstress“. Näher informiert hat er sich nicht. Falls K. mit zeitlicher Verzögerung angerufen hat, könnte das Ergebnis des Gutachtens jedoch anders ausfallen. Seine Schlüsse zieht der Sachverständige aus lediglich zwölf Notrufen, die er bisher untersucht hat.

Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich auch der Leiter der Mordkommission. In einem Anschreiben, mit dem er das Gutachten anforderte, ließ der Polizist den Sachverständigen vorab wissen, dass K. höchstwahrscheinlich der Alleintäter sei, die Tat von langer Hand geplant, die Todesursache vorgetäuscht – ein Suizid mittels eines Beutels, den sich Lebensmüde über den Kopf ziehen. Ines K. war mit Müllsäcken erstickt worden. Obwohl der Sachverständige die Angaben des Chefermittlers als „suggestiv“ empfand, nutzte er sie als „Quelle und Anknüpfungstatsachen“.

"Klinisch anmutende Feststellungen"

Eine mögliche Täterschaft des Angeklagten leitet der Psychologe unter anderem daraus ab, dass dessen erster Satz relativ lang gewesen sei. Normalerweise gäben Personen in solchen Situationen nur „ganz kurze Informationen“. Ferner habe K. „fast schon klinisch anmutende diagnostische Feststellungen“ zum Gesundheitszustand seiner Frau getroffen. Auffällig sei auch, dass K. „in der Lage war, sehr exakte Angaben zu machen“. Denn: „Oft wissen solche Anrufer nicht einmal, wo sie wohnen.“  ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg