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Elfeinhalb Jahre Haft für Uwe K.

Lauenauer Mordprozess Elfeinhalb Jahre Haft für Uwe K.

Ein Mord ist Uwe K. nicht nachzuweisen. Wegen Totschlags hat das Bückeburger Schwurgericht den 46-Jährigen aus Lauenau zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Nach der Beweisaufnahme, die sich über 40 Sitzungstage hingezogen hatte, gehen die Richter von einer Spontantat aus.

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Großer Medienrummel zum Prozessauftakt: Uwe K. mit seinen Anwälten im Saal des Bückeburger Landgerichts.

Quelle: rg

Lauenau/Bückeburg. K. soll sich von seiner Frau Ines (42) drangsaliert gefühlt haben. Außerdem hatte er an jenem 27. Mai 2015 seine Geliebte, die in der Firma aushalf, unbemerkt ins Haus geschleust. Als seine Frau die Werkstatt betrat, in deren Halbdunkel sich die Geliebte versteckt hielt, soll der Ofenbauer mit einem Kantholz mehrfach zugeschlagen haben. Nach Überzeugung des Gerichts wollte er verhindern, dass beide sich begegnen.
Gestorben ist die bereits schwer verletzte Ines K. durch Ersticken, nachdem der Täter ihr anschließend mehrere Müllsäcke über den Kopf gezogen hatte. „Er wollte sicher sein, dass sie wirklich starb“, erklärt der Vorsitzende Richter Norbert Kütemeyer mit Blick auf den Angeklagten. Ines K. sei „übel getötet“ worden. Mordmerkmale, in diesem Fall Heimtücke oder niedrige Beweggründe, sieht die Kammer jedoch nicht.

Geliebte hat die Bluttat beobachtet

Den Ehemann hält das Gericht für „sicher überführt“. Bereits die Indizien, so Kütemeyer, seien „in ihrer Gesamtheit sehr belastend“. Hinzu kommt die Aussage der Ex-Geliebten, die in ihrem Versteck nach eigenen Angaben Augenzeugin der Bluttat geworden war. Die 43-Jährige will außerdem gehört haben, wie der Handwerker „Nun stirb doch endlich, nun stirb doch“ sagte, als Ines K. trotz der Schläge, insgesamt wohl ein halbes Dutzend, noch Lebenszeichen von sich gab.

Am 21. März 2016, dem dritten Verhandlungstag, könnte sich der Angeklagte selbst verraten haben. Nachdem die Geliebte monatelang versichert hatte, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein, widerrief sie ihre Aussage und erklärte nun, die Bluttat beobachtet zu haben. Der Angeklagte habe daraufhin „keinerlei Regung gezeigt“, ist Richter Kütemeyer aufgefallen. „Er wirkte wie jemand, der damit gerechnet hat.“ Uwe K. sei genauso kaltblütig geblieben wie nach der Tat. Etwa eine halbe Stunde später war er mit seiner Tochter ins Eiscafé gegangen. Für die Ex-Geliebte sei die Aussage dagegen „wie eine Befreiung“ gewesen. Direkt nach der Tat soll K. zu ihr gesagt haben: „Du weißt gar nicht, wie tief Du mit drinhängst. Denk an Deine Kinder.“
Verraten haben soll sich der Handwerker auch in späteren Telefongesprächen mit seiner Geliebten, abgehört von der Polizei. In einem dieser offensichtlich gestellten Telefonate sagte er spontan, dass er „keinen Fehler machen“ dürfe. In einem anderen lässt er die Geliebte wissen: „Ich dachte, dass die Polizei Dich abgefragt hat und Du ausgestiegen bist.“

Tatwerkzeuge stammen aus dem Haushalt von Uwe K.

Über das Opfer wurde überhaupt nicht geredet. Als kaltschnäuzig empfand der Vater von Ines K. am Mittwoch auch das Schlusswort des Angeklagten: „Lieber Schwiegervater, ich bin nicht der Täter.“ Zuvor hatte K. 40 Tage lang geschwiegen.

Gegen den Ofenbauer spricht unter anderem, dass er für die Tatzeit kein Alibi hat. DNA-Spuren unbekannter Dritter, so Kütemeyer, hätten sich am Tatort nicht gefunden. Alle Tatwerkzeuge stammten aus dem Haushalt von Uwe K. Der Handwerker hatte Hautabschürfungen an den Armen. Das Verhältnis zu seiner Geliebten war nach der Tat sofort abgekühlt. „Dies deutet darauf hin, dass beide sich wegen des Todes von Ines K. entzweit haben“, glaubt Kütemeyer. Nach der Tat hatte der Lauenauer seine Geliebte nicht angerufen. „Das musste er auch nicht, weil sie es schon wusste.“         
Die Richter sind überzeugt, dass die Ex-Geliebte die Wahrheit gesagt hat. Einmal berichtete die frühere Zirkus-Artistin, dass K. sich von seiner Frau „strangsaliert“ gefühlt habe. Gemeint war natürlich „drangsaliert“. Dass die Zeugin das Wort falsch aussprach, deutet darauf, dass sie selbst es nicht kannte, sondern von Uwe K. gehört haben muss.

Für einen spontanen Entschluss, seine Frau zu töten, spricht beispielsweise, dass K. die Tat hinter einem undichten Holztor nahe der Straße begangen hat - und kurz bevor die gemeinsame Tochter (7) von der Schule nach Hause kam. ly

Der Prozessverlauf zum Nachlesen gibt es im SN-Ticker

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