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„Frischli“ schluckte Lauenauer Molkerei

Unternehmen bestand von 1907 bis 1971 „Frischli“ schluckte Lauenauer Molkerei

Der einstige Molkereibesitzer Paul Kluge soll eine Gedenktafel auf dem Lauenauer Friedhof bekommen. Darüber diskutieren Politiker derzeit. Die SN haben das Lebenswerk des Unternehmers erforscht.

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Bis 1971 lieferten die Fahrzeuge Lauenauer Milchprodukte aus.

Quelle: pr.

Lauenau. Den Straßennamen kennt jeder Einwohner, und mancher Experte kann auch auf die immer noch bestehende große Laderampe zeigen. Doch das ist schon alles, was in Lauenau an die ehemalige Molkerei erinnert. Dabei hatte das Unternehmen etliche erfolgreiche Jahre: Camembert aus dem Flecken wurde sogar in Berlin verspeist.

 Wer mehr über die frühere lokale Milchverarbeitung erfahren möchte, kann im Amts- und Fleckenmuseum Milchflaschen, Etiketten und etliche Fotos aus der Zeit vor 1971 bewundern. Damals stellte der Betrieb seine Produktion ein – aufgrund der Konzentration der Branche und der immer weiter zurückgehenden Milchviehhaltung.

Start im Jahr 1907

 Seit 1893 gab es im Ort eine Genossenschaft zur Milchverwertung. Diese hatte auch das Haus an der Ecke der heutigen Coppenbrügger Landstraße/Molkereistraße errichten lassen. Doch deren Mitglieder hatten keine rechte Freude an der Vereinigung. Statt erhoffter Dividenden drückten nachträgliche Zahlungspflichten. Erst Geschäftsführer Paul Kluge erwirtschaftete sich ab 1895 schwarze Zahlen. Die Angst vor neuen Unannehmlichkeiten führte zu erfolgreichen Verhandlungen: Kluge erwarb die Betriebsanlagen und gründete am 16. Mai 1907 sein eigenes Unternehmen.

 Fuhrleute sammelten mit Pferdedroschken die Milchkannen sogar aus Rannenberg, Nettelrede und Kleinhegesdorf ein und brachten Molke, Butter oder Käse zurück. Die Fleißigsten unter den frühmorgendlichen Pendlern sollen die Borcherdings aus Groß Hegesdorf gewesen sein. Als die Familie 1968 auf eine genau 75-jährige Zuarbeit in Sachen Milch zurückblickte, wurde die bis dahin zurückgelegte Strecke auf den zehnfachen Erdumfang beziffert.

 Konkurrenz in Eimbeckhausen, Hamelspringe, Messenkamp und Antendorf sorgten für Umsatzeinbußen. In dieser Situation war es Landwirt Heinrich Borcherding, der Berufskollegen und Molkereibesitzer beschwor, nicht aufzugeben. Er soll sogar mit leeren Kannen durch die Gegend gefahren sein, um auf diese Weise Optimismus zu verbreiten. Neue Lieferanten fanden sich bis weit im Wesertal.

 1936 zählte der Betrieb mit 2,5 Millionen Litern Milch zu den größeren Produzenten im Altkreis Springe. In den fünfziger Jahren wurden täglich bis zu 150000 Liter Milch verarbeitet. Lastzüge brachten Camembert unter dem Namen „Stolper Jungchen“ nach Berlin. In den Regalen hiesiger Geschäfte lag der gleiche Käse – als „Lauenauer Löwen-Camembert“ mit der Abbildung des örtlichen Wappentiers. Paul Kluge starb 1958 im Alter von 86 Jahren.

Zweites Standbein

 Sohn Erwin Kluge (1908-1985) schuf ein zweites Standbein für den Betrieb. In direkt benachbarten Ställen wurden bis zu 450 Schweine mit dem Abfallprodukt Molke gemästet. Noch einmal ging es aufwärts, als 1964 die Messenkämper Molkerei mit jährlichem Umsatz von 1,6 Millionen Litern Milch übernommen wurde. Aber schon sechs Jahre später war es genau diese Menge, um die sich die Lauenauer Produktion schon wieder verringert hatte. Das Aus kam im Juni 1971. Die „Frischli-Werke“ in Bad Rehburg kauften Anlagen und Milchmasse. Das Klappern der großen Kannen verstummte alsbald: Großvolumige Tankwagen mit Absaugvorrichtungen fuhren an den selten gewordenen Kuhställen vor. Der Vertrieb gelagerter Produkte wurde noch bis 1973 fortgesetzt.

Von Bernd Althammer

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