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Immer diese Baustellen!

Autobahnmeister gibt Einblick in seinen Alltag Immer diese Baustellen!

Manchmal führt ein Wechsel der Perspektive einem die eigene Ignoranz vor Augen. Normalerweise betrachtet man als eiliger Autofahrer Baustellen als persönlichen Affront, als nerviges Hindernis, zur falschen Zeit am falschen Ort. Weder Gedanken an den Nutzen, geschweige denn an die dort Beschäftigten haben eine Chance ins Bewusstsein zu treten. Um so spannender ist es, mal jemanden von der anderen Seite des Baustellenzaunes zu sprechen.

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Detlef Nagel, Leiter der Autobahnmeisterei Lauenau.

Quelle: cm

LAUENAU. „Die Straßenwärter und ich machen schlechte Erfahrungen mit den Fahrern auf der Autobahn“, berichtet Detlef Nagel, Leiter der Autobahnmeisterei Lauenau und verantwortlich für die 52 Streckenkilometer zwischen der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen und Herrenhausen. „Um Fahrbahnschäden zu begutachten, muss ich häufig zu Fuß die Strecke abgehen. Wenn dafür zwei Spuren gesperrt werden und der Verkehr auf der dritten langsam an mir vorbeifährt, ist der Stinkefinger noch mit das Harmloseste, was mir von Autofahrerseite geboten wird.“

Man fühlt sich schnell selbst ertappt, in dem Bild, das Nagel vom Verkehrsteilnehmer zeichnet. „Alle wollen eine gepflegte, verkehrssichere Autobahn, aber die Maßnahmen sollen bitteschön dann stattfinden, wenn man selbst nicht unterwegs ist.“ Dabei bemühe sich die Autobahnmeisterei schon, kleinere Reparaturen, die in ihrer eigenen Zuständigkeit liegen, während der Nachtzeiten zu erledigen. „Dann macht sich der ‚Wanderzirkus‘, die Fräse, die Walze, der Kehr-Saugwagen, das Anspritzgerät und der Asphaltfertiger zu später Stunde an die Arbeit“, erklärt der Rintelner.

Wohingegen die routinemäßige Pflege der Grünstreifen – im Sommer wird gemäht, im Winter steht Gehölzschnitt auf dem Plan – am Tage stattfinden müsse. Ganzjährig werden zweimal wöchentlich die Müllansammlungen auf den Parkplätzen beseitigt. „Zu Anfang schicken wir zwei Vorwarner auf die Strecke. Der erste geht 800 Meter vor der geplanten Baustelle in Stellung, warnt die Verkehrsteilnehmer, dass da demnächst mit einer Verengung zu rechnen ist, und gibt eine Tempobegrenzung vor. Der zweite wird 400 Meter weiter direkt vor der gesperrten Spur platziert. Danach können Leitkegel aufgestellt werden, um den Arbeitsbereich abzugrenzen“, so der Verkehrsexperte.

Baufirma ist für Absicherung der Baustelle zuständig

Bei Großbaustellen, wie zuletzt im Bereich Wunstorf zu erleben, liege die Zuständigkeit für Verkehrsführung und Absicherung bei der Straßenbaufirma. „Das wird bis ins Detail ins Vertragswerk aufgenommen. Die Verkehrssicherung ist ein echter Kostenfaktor beim Autobahnbau. Er schlägt mit einem Drittel der Gesamtkosten zu Buche.“

Nagel und seine Mannen sind bei Großbaustellen dafür zuständig, zweimal täglich die Baustellenabsicherung zu kontrollieren.

Er sei nicht ohne, der Beruf des Straßenwärters, und gefährlicher als ein Schreibtischjob. Doch die Vielfalt der Aufgaben mache ihn interessant, meint Nagel. „Viele junge Leute kennen diesen Ausbildungsberuf gar nicht. Dabei bietet er Abwechslung, Aufstiegs- und Spezialisierungsmöglichkeiten und vor allem eine sichere Perspektive.“ Im Moment würden alle Azubis übernommen.

Auf die Härten des Arbeitens direkt neben dem Verkehr angesprochen, erklärt Nagel: „Es ist ein Freiluftberuf, arbeiten bei allen Wetterlagen und unter ständiger ‚Bedrohung‘ durch den immer mehr zunehmenden Verkehr.“ Eine Schutzausrüstung und vor allem ein Gehörschutz seien für jeden Straßenwärter Pflicht.

„Aber was wirklich schlaucht, ist der Winterdienst“, erklärt der Rintelner. „Es ist zermürbend, stundenlang bei Dunkelheit in dem aufblitzenden Licht der Warnleuchten arbeiten müssen.“ Doch zum Glück gebe es in unseren Breiten keinen durchgehend strengen Winter mit entsprechend vielen Einsätzen. Und wenn jetzt noch etwas mehr Verständnis auf Autofahrerseite entstehen würde, wäre die Welt in den Autobahnmeistereien vermutlich in Ordnung. cm

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