Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Lauenau Schmähbriefe gegen Stolperstein-Aktivisten
Schaumburg Rodenberg Lauenau Schmähbriefe gegen Stolperstein-Aktivisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.02.2016
Die Verlegung von Stolpersteinen im Gedenken an vertriebene Juden stößt in Lauenau offenbar auf Widerstand. Quelle: Archivfoto
Anzeige
Lauenau

Denn der Brief enthält nicht nur eine Schmähschrift, die sich gegen die Politik der Grünen und – speziell auf Lauenau bezogen – gegen die Stolpersteine richtet, die an jüdische NS-Opfer erinnern. Im Umschlag befand sich darüber hinaus Material, das bei Versammlungen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung herumgereicht wird. Aufkleber in Gestalt eines Straßenschildes mit dem Aufdruck „Merkelmussweg“ beispielsweise, außerdem Abhandlungen über die vermeintliche „Lügenpresse“ und das „Lügen-TV“.

Ferner hat der Absender eine mehrseitige Abhandlung mitgeschickt, in der die Gräuel der Nazizeit mit dem Leid verrechnet werden, das die Alliierten im Zweiten Weltkrieg verursacht haben. Die Argumentationslinie führt dahin, dass sich die jetzige Generation keiner historischen Schuld mehr verpflichtet fühlen muss.

Und da schließt sich der Kreis: Das Gedenken an jüdische Opfer, das Berger und Vollmer gerade erst mit einem Faltblatt über die Lauenauer Stolpersteine erneuert haben, ist dem Absender des Briefes ein Dorn im Auge. Er bezeichnet die beiden Adressaten als „Idioten“ und „Arschkriecher“. Die Bevölkerung müsse nicht etwa vor einer Gefahr von Rechts gewarnt werden, wie es Berger und Vollmer fordern, sondern vor der „Verblödung und Verdummung“ der Grünen. Allerdings ist Vollmer gar kein Mitglied dieser Partei.

„Der Tag der Abrechnung ist nicht mehr fern“

Bedroht fühlen sich beide wegen eines Fotos, das die Überschrift „Nürnberg 2.0“ trägt und suggeriert, dass auch jetzige Politiker wie einst die führenden Köpfe des NS-Regimes bei Prozessen verurteilt werden sollten. „Der Tag der Abrechnung ist nicht mehr fern“, steht auf dem Foto, die Köpfe von Grünen-Politikern wurden farblich hervorgehoben.

„Wir sollten auf der Hut sein“, warnte Berger die Mitstreiter des noch jungen Flüchtlingshelfer-Netzwerkes in Lauenau. Denn vor dem Zuzug von Migranten aus islamischen Ländern wird in dem anonymen Brief ebenfalls gewarnt. Berger sprach von einem Drohbrief und vermutete, dass auch die Kreise der Flüchtlingshelfer bald auf ähnliche Weise gestört werden.

Dass der Absender aus Lauenau stammen könnte, leitet Berger daraus ab, dass dieser das Faltblatt zu den Stolpersteinen und die Adressen Bergers und Vollmers kennt. Der Poststempel stammt vom Verteilzentrum Pattensen, wo alle aus Lauenau verschickten Postbriefe landen. „Derjenige muss Insiderwissen haben“, glaubt Berger trotz des Irrtums, Vollmer bei den Grünen zu verorten.

Bürgermeister und Polizeibeamter Wilfried Mundt will die Sache nicht überbewerten. Eine „Laugida“-Bewegung erwartet er im Flecken nicht. Bislang habe es dort noch keine einschlägigen Aufkleber- oder Plakataktionen gegeben. Die Anzeige sei aber an den Staatsschutz weitergeleitet worden, der prüfe, ob ein strafrechtlich relevanter Tatbestand vorliegt. gus

Anzeige