Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Lauenau Logistikpark fühlt sich abgehängt
Schaumburg Rodenberg Lauenau Logistikpark fühlt sich abgehängt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:36 01.11.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Lauenau

Zum runden Tisch hatte deshalb Jürgen Schröder von Casala Objektmöbel eingeladen. Die ansässigen Betriebe machen das langsame Internet zum Politikum, indem die Verantwortlichen den Standort infrage stellen. Bundestagsabgeordneter Maik Beermann versuchte, zwischen den Interessen zu vermitteln. Nun soll Landrat Jörg Farr helfen.

Casala sei zunehmend auf die Digitalisierung angewiesen, erklärte Schröder. Im Sommer ist ihm schließlich „der Kragen geplatzt“, weil die Telekom allerorts neue Kabel verlegen lässt. „Aber wir wissen immer noch nicht, wann wir hier im Logistikpark drankommen“, schilderte Schröder die Misere.

Die Mitarbeiter müssten teilweise von zu Hause aus arbeiten, weil im Logistikpark „nicht genug Saft“ aus der Leitung käme, verdeutlichte Geschäftsführer Lars Pohlmann. „Das kann uns in einem kleinen Unternehmen das Genick brechen“, so Pohlmann weiter. Aktuell haben die ansässigen Betriebe eine Übertragungsrate von 16 Megabit zur Verfügung.

„Das fängt an, Geld zu kosten“

Auch den Casala-Nachbarn Anja und Harald Jungbluth, Deutsche Vermögensberatung sowie Edgar Miller vom Hotel Montana macht das langsame Internet wirtschaftlich zu schaffen. „Die Bundesstraße scheint wie ein Wall zu sein“, mutmaßte Miller. Dabei werde rundherum „auch die letzte Milchkanne angeschlossen“. „Das fängt an, Geld zu kosten“, sagte Harald Jungbluth, da die ersten Mieter wegziehen.

Matthias Korff von der Telekom erklärte, dass mit der Fertigstellung des Breitbandausbaus im Logistikpark Mitte 2019 zu rechnen ist. Bis zu 250 Megabit hätten die Betriebe dann zur Verfügung. Wie berichtet, ist die Telekom Partner des Landkreises beim Breitbandausbau, für den im März der Startschuss gefallen ist. Die Versorgung erfolgt mittels Vectoring-Technik, also nicht mit einem Glasfaseranschluss bis in jedes Haus.

Laut Beermann wäre es ein „Armutszeugnis für den Mittelstand-Standort Deutschland“, wenn hier ansässige Betriebe ihre Niederlassung in Lauenau deshalb infrage stellen, weil sich die Situation auf das Internet bezogen nicht schnell genug verbessert.

Bund kann 50 Prozent der Kosten tragen

Diskutiert wurde zudem, ob die Unternehmen den Glasfaseranschluss bis ins Haus selbst finanzieren könnten. Beermann berichtete von einem Förderprogramm des Bundes, wobei dieser 50 Prozent der Kosten für den Glasfaserausbau tragen würde. Dies sei auch ein Standortvorteil für das Gewerbegebiet, befand Beermann. Dazu müsste aber die Kommune als Antragsteller auftreten. Wie Schröder bedauerte, war Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla jedoch nicht zu dem Gespräch erschienen.

Die Betroffenen wollen sich auf Anraten von Korff und Beermann nun an Landrat Jörg Farr wenden. Der Landkreis als Auftraggeber solle darauf hinwirken, dass das ausführende Tiefbauunternehmen die Arbeiten im Logistikpark in der Liste noch abzuarbeitender Bereiche vorzieht, um den Prozess somit zu beschleunigen.

Von Andrea Göttling