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Lauenau Lucy, der Checker der Straße
Schaumburg Rodenberg Lauenau Lucy, der Checker der Straße
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21:01 03.02.2017
Seit mehr als zehn Jahren ziert Lucy bereits das Schaufenster der Lauenauer Drogerie. Quelle: gus

Dort liegt Lucy täglich viele Stunden lang auf einem Kanapee für Haustiere, das Inhaber Friedrich Hoppe von einer Bekannten geschenkt bekommen hat. Diese war ebenso ein Fan von Lucy wie viele weitere Kunden des Geschäftes an der Marktstraße.

Familie Hoppe hat Lucy vor elfeinhalb Jahren bekommen. Sie war das kleinste Kätzchen des Wurfes ihrer Mutter, die ein anderer Lauenauer vor 20 Jahren aus Finnland in den Flecken geholt hatte. Die Hoppes waren schon länger Katzenfreunde und stellten Lucy auch noch einen Spielgefährten zur Seite. Die Tiere eroberten die Herzen der Familie im Sturm, doch Lucy zog es aus der Wohnung schon früh immer ins Geschäft, das sich im gleichen Gebäude befindet. Bald wurde ihr im Eck eines Schaufensters ein Plätzchen zurechtgemacht. Dort schläft sie entweder – ober beobachtet das Treiben auf Straße und Bürgersteig.

Warum sich Lucy ausgerechnet diesen Platz für ihre ausgedehnten Ruhepausen ausgesucht hat, erklärt Kreisveterinär Ulf Güber so: Die Katze verschafft sich selbst Unterhaltung. „Das ist für das Tier wie Kino für uns“, so Güber. Katzen seien sozusagen Checker, soll heißen: Sie beobachten ihre Umgebung ganz genau.

Gübers Einschätzung nach ist Lucy der „sozial aufgeschlossene Katzen-Typ“. Dies liege wohl daran, dass sie früh mit Menschen in Kontakt gekommen ist. Daher könne Lucy besonders gut einschätzen, ob die Menschen um sie herum wohlgesonnen sind. Wirklich schlechte Erfahrungen habe sie offenbar noch nicht gemacht.

„Lucy lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen“, bestätigt Friedrich Hoppe diese Einschätzung. Nähert sich ihr ein Kunde, dreht sie sich flugs auf den Rücken und lässt sich streicheln. „Sie kratzt nicht, beißt nicht. Nur wenn Kinder mal zu ungestüm sind, dann läuft sie weg“, fügt er hinzu.

Die Hoppes können etliche Geschichten über ihre Lucy erzählen. Als 2013 das Schaufenster umgebaut wurde, musste Lucy zwar einige Wochen lang anderweitig Ruhe suchen. Doch sobald ihr Kanapee wieder im gewohnten Eck stand, nahm sie es sofort wieder in Beschlag – obwohl noch Arbeiten wie Verputzen und Malern im Gange waren. Da schaute die Katze neugierig zu.

Schon oft hat Friedrich Hoppe solche Dialoge vor dem Schaufenster gehört: „Du, da liegt eine Katze.“ „Die ist bestimmt nicht echt.“ „Doch, die hat sich gerade bewegt.“ Die Zuneigung der Kunden geht so weit, dass die Hoppes Schilder ans Glas heften, um etwa darauf hinzuweisen, dass sich Lucy bei besonders kaltem Wetter ein wärmeres Plätzchen gesucht hat. Denn sobald die schwarze Katze mal ein paar Tage abwesend ist, wird besorgt nach ihrem Verbleib gefragt.
Lucys fast gleichaltriger Spielgefährte ist vor wenigen Wochen unter dramatischen Umständen gestorben. Doch die Hoppes haben Anlass zu der Hoffnung, dass ihre Schaufensterkatze noch viele Jahre das kleine Kanapee besetzt – ihre Mutter ist 20 Jahre alt und lebt noch in Lauenau.

gus