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Lauenau Marathon-Mann trotzt Bandscheibenvorfall
Schaumburg Rodenberg Lauenau Marathon-Mann trotzt Bandscheibenvorfall
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00:31 24.07.2015
Nach einem Bandscheibenvorfall hat er sein Leben umgekrempelt: Achim Lengdobler mit seinen Lauferfolgen. Quelle: nah
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VON BERND ALTHAMMER Lauenau

Lengdobler hat Glück gehabt – mit dem richtigen Rat eines renommierten hannoverschen Professors und dank der Fachkunde von Physiotherapeuten in der Rehabilitationsphase. Eine Operation konnte vermieden werden. Aber der Patient musste konsequent seine „Hausaufgaben“ machen – mit Übungen, die ihm in der Reha beigebracht worden waren. Nach fünfeinhalb Monaten begann die berufliche Wiedereingliederung.

Der gebürtige Bayer aber krempelte zugleich seinen Alltag um. Er fand einen neuen Arbeitsplatz nahe dem Wohnort, und er gewann eine neue Lebenseinstellung: „Zeit ist für mich ein Luxus, den ich intensiv pflege.“ Es wuchsen in ihm sportliche Ambitionen, bei denen Ehefrau Noreen zur wichtigen Hilfe wurde. Diese nämlich beteiligte sich regelmäßig am Halbmarathon über den Rennsteig im Thüringer Wald. Als er sie 2009 beim Zieleinlauf erwartete, „da hat es bei mir mit einem Mal Klick gemacht“: Die Strecke könnten doch beide gemeinsam schaffen.

Aber daraus wurde nichts. Noreen sah Mutterfreuden entgegen; und der werdende Vater bereitete sich allein auf seinen ersten großen Lauf vor. 2010 wollte er am „Ultra-Marathon“ teilnehmen: 72 Kilometer durch die Rennsteig-Wälder. Nach neun Stunden und 15 Minuten erreichte er das Ziel – „im guten Mittelfeld“, wie er sich stolz erinnert.

Doch an eine baldige Wiederholung war nicht zu denken. Gesundheitliche Rückschläge ließen erst 2014 wieder einen Start zu. Und auch soeben ist Lengdobler von dem Traditionslauf zurückgekehrt: Urkunde, Medaille und ein T-Shirt belegen das erfolgreiche Abschneiden. Dass er kilometerweit mit Schmerzen im Oberschenkel zu kämpfen hatte, war im Ziel vergessen: Dort wartete die kleine Tochter als besonderer Motivationsschub.

Erst kürzlich schnürte der 45-Jährige wieder seine Laufschuhe. Der „Thüringen-Ultra“ sollte auf hundert Kilometern sogar über 2000 Höhenmeter führen. „Ich will Menschen damit zeigen, dass auch nach dem Zusammenbruch einer heilen Welt es mit viel Fleiß neue Möglichkeiten gibt.“ Natürlich müsse es kein Extremlauf sein: „Aber Therapeuten zeigen einen möglichen Weg. Und den muss man selbst und ständig allein gehen.“ Den „Ultra“ hat er übrigens geschafft. Mit ein wenig Stolz in der Stimme teilte er das nach dem Zieleinlauf unserer Zeitung mit. nah

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