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Ortstermin im Lauenauer Mordprozess

Tatortbegehung Ortstermin im Lauenauer Mordprozess

Im Halbdunkel stehen sich Richter Norbert Kütemeyer und die frühere Geliebte von Uwe K. gegenüber. In der Enge sind sie dicht umringt von Juristen, Wachtmeistern, Vollzugsbeamten, Journalisten sowie wenigen Zuschauern, die mit in das Haus durften, in dem am 27. Mai die Lauenauerin Ines K. ermordet wurde.

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Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und Fußfesseln verlässt Uwe K. den Transporter der Polizei.

Quelle: gus

Lauenau. Kütemeyer ist Vorsitzender des Bückeburger Schwurgerichts. Er fragt, die Zeugin antwortet. Eine gespenstische Szene. Nach einer Weile verlassen alle den mutmaßlichen Tatort, einen Trakt zwischen Wohnhaus und Ausstellungsgebäude, in dem Werkzeug, Material und Gerümpel stehen. Es geht in einen anderen Raum. Gut hörbar schleifen die Fußfesseln von Uwe K. über den Steinfußboden. Bis Ende September hat K. hier gewohnt und gearbeitet, nun steht er unter Mordverdacht und sitzt in Untersuchungshaft. Streng bewacht kehrt der Handwerksmeister an diesem Montag für einige Stunden zurück.

Verhandelt wird öffentlich, deshalb die Zuschauer. Das Gericht will überprüfen, wie glaubhaft die belastende Aussage der Ex-Geliebten ist – auf Antrag der Verteidigung. „Ich bin irritiert“, sagt die 43-Jährige mehrfach. Die Gitterboxen hätten nicht so gestanden wie heute, es sei viel dunkler gewesen damals – und nicht so eng. „Euer Ehren, ich habe das breiter in Erinnerung“, spricht sie Richter Kütemeyer an. Dass die Tür weiß ist, wundert die Zeugin ebenfalls. Sie erinnert sich an eine silberfarbene Tür.

Widersprüchliche Aussagen der Ex-Geliebten

„Die Zeugin hat sich in weitere Widersprüche verstrickt“, wird Verteidiger Christoph Hessel später im Interview mit mehreren Fernsehteams erklären, die stundenlang vor dem Gebäude gewartet haben, weil im Haus nicht gedreht werden durfte. „Sie hat schon wieder eine neue Version geliefert“, fügt Dirk Baumann hinzu, ebenfalls Verteidiger in diesem Indizienprozess, der nun seit 14 Verhandlungstagen läuft. Wie die Richter das sehen, wird sich zeigen.

In Details mag die ehemalige Geliebte von ihrer letzten Aussage abgewichen sein, im Kern jedoch ist sie dabei geblieben: Aus einem Versteck vor der Tür zum Flur will die 43-Jährige gesehen haben, dass Uwe K. seine Frau mit einer Holzlatte niedergeschlagen hat. Zwischen der Tür und dem Fundort der Leiche liegen zwei, vielleicht drei Meter. Die Tür will sie selbst halb geöffnet haben, sodass aus dem hellen Flur ein Lichtschein in den halbdunklen Raum fiel. Außerdem will die Frau aus Hannover beobachtet haben, dass der 45-Jährige anschließend Müllsäcke holte – nicht jedoch, was er damit tat.

Oberstaatsanwalt Frank Hirt geht davon aus, dass Uwe K. seiner noch lebenden Frau, die nach mindestens vier Schlägen mit zertrümmertem Schädel am Boden lag, drei Müllsäcke über den Kopf gestülpt und mit einem Expanderband am Hals zusammengezogen hat. Das Opfer ist erstickt. Die Ex-Geliebte behauptet, dass K. sie zur Seite gedrängt habe, um die Säcke zu holen.

Video im Mordprozess zeigte die tote Ines K.

„Zur Vorbereitung auf den Ortstermin“ hatte Richter Kütemeyer am vorletzten Verhandlungstag auf zwei Großbildschirmen einen Film vom Fundort der Leiche abspielen lassen, aufgenommen von Ermittlern. Zu sehen war auch die Tote. Ganz still wurde es da im Saal. Jetzt steht Kütemeyer an derselben Stelle, blickt auf den Steinfußboden und sagt: „Hier irgendwo hat die tote Frau gelegen.“

Beim Ortstermin wird der Raum genau vermessen. Kütemeyer und Peter Rohde, zwei von drei hauptamtlichen Richtern, greifen selbst zum Maßband. Eine Protokollführerin notiert jedes Detail – sogar, wie hoch die Holzscheite in den Gitterboxen gestapelt sind.

Haftbeschwerde abgewiesen

Bisher haben die Richter nicht durchblicken lassen, ob sie die Aussage der Frau nach dem Ortstermin anders beurteilen. Zuletzt hatte das Gericht eine Haftbeschwerde der Verteidigung abgewiesen. Zur Begründung hieß es unter anderem, dass sich der dringende Tatverdacht gegen Uwe K. auch auf die Aussage von dessen Ex-Geliebter stütze. Zwischenzeitlich hat K. die 43-Jährige angezeigt – wegen Mordes, Meineides, falscher Verdächtigung und versuchter schwerer Freiheitsberaubung.  ly

Lauenauer sind noch immer entsetzt

Bereits eine Stunde vor Verhandlungsbeginn hatten sich Zuschauer und Journalisten vor dem Tatort versammelt. Um kurz nach 11 Uhr führten Justizbeamte den Angeklagten, Uwe K., ins Haus, dabei verhüllte er sein Gesicht mit einer Kapuze. Wegen des geringen Platzangebots wurde nur eine begrenzte Zahl an Zuschauern und Reportern in den Zwischentrakt gelassen, wo sich die Bluttat vor fast einem Jahr ereignet hatte.

Bewusstes Signal

Bei geöffneten Türen begann die Tatortbesichtigung, sodass auch die übrigen Beobachter ins Innere schauen konnten. Dies fanden manche Zuschauer befremdlich, doch Gerichtssprecher Thorsten Garbe sagte, K. hätte von seinem Hausrecht Gebrauch machen und die Türen schließen lassen können. Dass seine Verteidiger ihn darüber nicht aufgeklärt haben, hielt Garbe für äußerst unwahrscheinlich. Insofern seien die geöffneten Türen wohl als bewusstes Signal an die Öffentlichkeit zu verstehen gewesen.

Wie in einem Krimi

Das Entsetzen über die Tat ist in der Lauenauer Bevölkerung noch immer groß. Als „gruselig“ bezeichnete eine Frau den Gerichtstermin am Tatort. Unwirklich wie in einem Krimi wirke das Szenario. Noch immer fällt es offenbar vielen Lauenauern schwer zu glauben, dass K. seine Frau ermordet haben soll. Auch Unmut wurde unter den Zuschauern laut, dass es bislang keine Ermittlungen gegen die Ex-Geliebte des Angeklagten gegeben hat. Zwei Prozessbeobachter bescheinigten aber zumindest dem Gericht eine sachliche und objektive Arbeit. gus

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