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Reifenstecher aus Frust geht in den „Bau“

Lauenau/Stadthagen / Prozess Reifenstecher aus Frust geht in den „Bau“

Zu drei Jahren und vier Monaten Haft hat das Schöffengericht in Stadthagen am Dienstag den mutmaßlichen Reifenstecher von Lauenau verurteilt. Auf das Konto des 35-Jährigen gehen außerdem zehn Diebstähle, ein Einbruch, zweifacher Tankbetrug sowie Urkundenfälschung.

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Quelle: dpa

Lauenau/Stadthagen. Von insgesamt rund 270 Reifenstechereien, verteilt auf drei Serien, legt die Staatsanwaltschaft dem Mann aus Lauenau lediglich 25 zur Last. Vor Gericht sind davon 22 Fälle eingestellt worden, weil eine Verurteilung in diesen Punkten kaum weiter ins Gewicht fallen würde und die Sachbeschädigungen schwer nachzuweisen wären. Nach drei Taten im Juni war der arbeitslose Mechaniker dagegen in unmittelbarer Nähe festgenommen worden. Er gilt damit als überführt. Mit der Festnahme endete die Serie.
Den großen Rest der Fälle hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld vorläufig eingestellt, „weil kein hinreichender Tatverdacht gegen den Angeklagten bestand und sich keine neuen Ansätze ergeben haben“, wie Behördensprecher André Lüth am Dienstag auf Anfrage erklärte. Wenn es etwas Neues gebe, würden die Verfahren wieder aufgenommen. Damit könnten auch andere Täter gemeint sein.
„Für jede Tat gibt es ein Motiv“, sagt Richter Kai Oliver Stumpe. Im Fall der Reifenstechereien geht Stumpe von Frust aus, weil der Lauenauer Job, Führerschein und Freundin verloren hatte. Als Motiv für diverse Diebstähle nimmt das Gericht „den aufwendigen Lebensstil der Freundin“ an, „die sich sehr gern mal etwas im Internet bestellt hat“, wie der Angeklagte es nennt. „Dafür reichte mein Gehalt nicht.“
Dreimal hatte der 35-Jährige in Baumärkten Ware über den Zaun geworfen und nach Feierabend abgeholt. Allein in Wunstorf erbeutete er Geräte für etwa 1600 Euro, die zu Geld gemacht werden sollten, darunter Akkuschrauber und Bohrmaschinen.
Aus einem Stadthäger Autohaus hatte der Dieb einen VW Passat mitgehen lassen. Mehrfach schlug er anderswo Seitenscheiben geparkter Fahrzeuge ein, um Sachen aus dem Innenraum stehlen zu können. Wiederholt tankte der 35-Jährige, ohne zu bezahlen, nachdem er geklaute Kennzeichen an die Wagen geschraubt hatte. Die Tatorte: Rinteln, Stadthagen, Rodenberg, Lauenau, Hagenburg.
In Apelern brach er in ein Haus ein, erbeutete Schmuck für rund 2000 Euro. Diese Tat, die Autoaufbrüche und Reifenstechereien gehören zu einer zweiten Serie, die Silvester 2012 begonnen hatte. Zu der Zeit ermittelte die Polizei bereits gegen den Lauenauer, einen Mann mit Knasterfahrung. Sogar seine Wohnung war durchsucht worden. Er machte trotzdem weiter. Richter Stumpe sieht in ihm „einen getriebenen Menschen, dem alles egal war – und der am Ende wohl gehofft hat, gefasst zu werden“.
Dies geschah nach den letzten Reifenstechereien in Lauenau, wo ein Zeuge ein Zischen gehört, den Täter verfolgt und per Handy die Polizei angerufen hatte. Für den Reifenstecher hält Verteidiger Lars Hinners seinen Mandanten nicht. Begründung: „Er wohnte 100 Meter entfernt. Warum sollte er sich da nicht aufhalten?“ ly

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