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Rettung einer Ruine

Lauenauer Wandlungen Rettung einer Ruine

Mit berechtigtem Stolz blicken Kommunalpolitiker und Einwohner auf den Gewerbepark mitten in Lauenau. Das ehemalige Casala-Firmengelände ist nach dessen Stilllegung nicht zu einer Ruine verfallen.

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Von der Ruine zum Schmuckstück: Ursula und Helmut Miller vor der früheren Kleiderfabrik.

Quelle: nah

Lauenau. Ganz im Gegenteil. Dass sich aber vor jetzt genau 25 Jahren in ähnlicher Weise einer Industriebrache ebenfalls eine neue Zukunft öffnete, ist vielfach vergessen: die ehemalige Kleiderfabrik Krabbes& Krahl.

 Nach schnellem Aufstieg war der lokalen Textilproduktion kein langes Überleben beschert. Nach der Gründung 1948 wurden Windjacken und Anoraks in einem Pohler Gasthaussaal genäht. Nur acht Jahre später entstand ein modernes Fabrikgebäude am Lauenauer Ahornweg. 1973 zählte das Unternehmen mit zwei weiteren Filialbetrieben noch 250 Mitarbeiter. Aber schon fünf Jahre danach wurde die Produktion eingestellt. Das Gebäude verfiel.

 Jahre später erwarb ein Rodenberger Unternehmer die Immobilie mit der Idee, es in ein Freizeitzentrum umzuwandeln. Doch daraus wurde nichts. Derselbe Fabrikant aber knüpfte den Kontakt zu dem Schweizer Wasserbauingenieur Helmut Miller und warb ihn für einen Ortswechsel an: „Einen ‚Riesenmarkt‘ hat er in Sachen Wasserkraft gesehen und mich auch überzeugt“, erinnert sich der Hydroexperte. Die alte Kleiderfabrik mit ihren 3500 Quadratmetern würde genug Platz für Büro und Produktion bieten.

 Detaillierte Berechnungen ergaben einen Aufwand von 2,3 Millionen Mark für Kauf und Sanierung. In jener Zeit kränkelte Lauenau zwar noch finanziell. Trotzdem übernahm der Flecken in enger Absprache mit dem Landkreis Schaumburg das Objekt, um öffentliche Darlehen zur Wirtschaftsförderung zu nutzen. Mit diesem bis heute gültigen Vertrag bestreitet Miller Zins und Tilgung.

 Die Gemeinde wurde weder mit Pfennig noch mit heutigem Cent belastet. Noch immer ist der Unternehmer den ehemaligen Rathauschefs, Egon Wilke und später Uwe Heilmann, dankbar – ebenso wie dem damaligen Bürgermeister Gerhard Richter. Dieser hatte letzte Zweifler auch im Rat überzeugt.

 Dass sich die Kosten am Ende verdoppelten, sich die Wasserkraft-Ideen zerschlugen und sich der bis zuletzt international tätige Ingenieur regelmäßig mit Mietverträgen, ausbleibenden Zahlungspflichten und anderen Dingen herumschlagen musste, lässt ihn heute im Rückblick mitunter an seiner damaligen Entscheidung zweifeln. „Ein zweites Mal würde ich es wohl nicht mehr machen“, sagt er.

 Andererseits freut er sich über das schmucke Aussehen des lang gestreckten Gebäudes und blickt auf die mit ihm gewonnenen Erfahrungen: „Es hat doch mein Leben sehr bereichert“, gibt der 78-Jährige gern zu. Wenn er nun noch für den gegenwärtigen Leerstand einer 225 Quadratmeter großen Bürofläche und vor allem seinen „Liebling“, das attraktive „Aqua-Café“ mit vielen Aquarien samt quicklebendigem Inhalt, neue Mieter finden könnte, wäre er rundum zufrieden.

 Ehefrau Ursula ist es ohnehin: Die alte Kleiderfabrik hat die beiden schließlich zusammengebracht. Denn bald nach seinem Umzug aus der Schweiz nach Lauenau lernten sie sich durch einen Zufall kennen. Ein Grund mehr, der eigentlich schon dem Verfall preisgegebenen Industriebrache eine weitere Bedeutung zuzuordnen. nah

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