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Lauenau Schiffsschrauben am Autoheck
Schaumburg Rodenberg Lauenau Schiffsschrauben am Autoheck
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00:16 07.10.2013
Schiffsschrauben am Heck und ein hochgelegter Auspuff: Bernhard Arnold mit dem Amphi-Car. Quelle: nah
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Lauenau

Kraftfahrzeugmeister Bernhard Arnold hat schon so manchen Schatz aus Blech und Chrom restauriert. Sein Betrieb ist bundesweit bekannt für Sonderlösungen und Seltenheiten aller Art. Gerade stehen wieder ein Alfa Romeo Giulietta und ein Lancia Flaminia in der großen Halle, die beide schon Ende der fünfziger Jahre über Deutschlands Straßen getourt sind.
Doch mehr noch leuchten Arnolds Augen beim Anblick des türkisfarbenen Modells, das stelzenartig und mit seinen beiden Schiffsschrauben am Heck so gar nicht dem üblichen Anblick eines schnittigen Autos entsprechen will. „Das war schon eine Herausforderung“, beschreibt er den Auftrag des in Flensburg wohnenden Eigentümers.
Dieser hatte per Internet seinen Autotraum aus den USA besorgt. Doch bei der Ankunft in Deutschland erwies sich schnell, dass Beschreibung und Foto so gar nicht der Wirklichkeit entsprachen. Zwar befanden sich der Austin-Motor und auch der Innenraum in ganz passablem Zustand. Aber für die Außenhaut hatte Arnold nur noch den Kommentar „Ein echter Blender“ übrig. Bis zu zwei Zentimeter Spachtel unter brüchigem Lack kaschierten diverse Mängel.
So wurde die Karosse völlig neu mit aus den USA besorgten Original-Ersatzteilen aufgebaut. Besonders wichtig waren dabei die Türen. Gummilippen und ein spezielle Verriegelung müssen den Eintritt von Wasser absolut verhindern.
Und dann kam der große Moment, als die erste Spritztour ihn von Lauenau an den Mittellandkanal bei Pollhagen führte: „Ich bin so ein Auto ja auch noch nie gefahren.“ Ein neues Gefühl tat sich für ihn auf, als die Räder im Wasser verschwanden und das Auto wie ein Boot aufschwamm. Etwas mulmig war ihm dabei schon: „Aber zum Glück ist es kein U-Boot geworden.“ Nur das Lenken und das Stoppen auf dem Wasser bezeichnete er „schon als gewöhnungsbedürftig“: „Das geht ja nicht so einfach mit dem Bremspedal.“
Mit gutem Gewissen konnte Arnold das inzwischen recht wertvolle Fahrzeug seinem Eigentümer übergeben. Etwa 70 „Amphi-Cars“ gibt es noch in Deutschland; weitere 350 in den USA. „Eigentlich ist es kein gutes Auto und auch nur ein schlechtes Schiff“, schätzt er das Fahrgefühl ein. Aber originell sei es allemal. Und auch komplett für beide Verwendungsarten ausgestattet: Auf der Kühlerhaube besitzt es sogar rote und grüne Positionslichter für Backbord- und Steuerbordseite.

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