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Uwe K. könnte vorzeitig freikommen

Mordprozess Uwe K. könnte vorzeitig freikommen

Der Mordprozess gegen Uwe K. ist gelaufen. Einige Fragen bleiben noch – was wird zum Beispiel aus der Ex-Geliebten und was sagt Ines K.s Vater? Die SN geben Antworten.

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Uwe K. auf dem Weg zu seinem Platz im Gerichtssaal. Ihm stehen bis zu elfeinhalb Jahre Gefängnis bevor.

Quelle: rg

Wird das Urteil rechtskräftig?

Lauenau/Bückeburg. Vorerst nicht. „Falls es zu einer Verurteilung kommt, legen wir noch heute oder spätestens morgen Revision ein“, kündigte Verteidiger Dirk Baumann bereits kurz vor der Urteilsverkündung am Mittwoch an. Beide Anwälte hatten Freispruch beantragt. Die Staatsanwaltschaft hat sich noch nicht festgelegt, will aber eine Revision prüfen, so Behördensprecher Nils-Holger Dreißig. Oberstaatsanwalt Frank Hirt hatte auf Mord plädiert und lebenslange Haft gefordert. Verurteilt wurde K. wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten.

In der Revision überprüft der Bundesgerichtshof (BGH) die Entscheidung auf Rechtsfehler. Falls die Revision Erfolg hat und der BGH das Urteil kassiert, muss der Fall vor einer anderen Kammer neu aufgerollt werden. Dieser zweite Prozess könnte erfahrungsgemäß in ungefähr einem Jahr beginnen, wenn in Bückeburg verhandelt wird.

Wann kommt K. voraussichtlich wieder auf freien Fuß?

Nach Verbüßung von zwei Dritteln einer Freiheitsstrafe kann das letzte Drittel nach eingehender Prüfung zur Bewährung ausgesetzt werden. Untersuchungshaft (in der Uwe K. seit Ende September 2015 sitzt) wird angerechnet. Die Freilassung auf Bewährung muss mit dem Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit vereinbar sein. Eine Halbstrafe kommt nur bei Ersttätern infrage, die maximal zwei Jahre Haft verbüßen, bei K. also nicht.

Droht der Ex-Geliebten von K. noch ein Strafverfahren?

Ja. In ihrer ersten Aussage vor Gericht hatte die frühere Geliebte behauptet, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein, wo sie auf den Anruf von K. gewartet haben will. Später widerrief sie diese Darstellung und erklärte, Augenzeugin der Tat gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Die Zeugin ist wegen ihrer ersten Aussage vor Gericht der uneidlichen Falschaussage und der Strafvereitelung verdächtig“, erklärt Sprecher Nils-Holger Dreißig. Außerdem sei die Frau der Strafvereitelung verdächtig, weil sie vor der Hauptverhandlung auch gegenüber Polizei und Staatsanwaltschaft falsch ausgesagt habe. „Durch die Urteilsbegründung hat sich der Verdacht bestätigt“, so Dreißig. Bei der Entscheidung, wie weiter verfahren werde, „wird natürlich zu berücksichtigen sein, dass die Zeugin maßgeblich zur Aufklärung eines Kapitaldeliktes beigetragen hat“.

Was sagt der Vater der getöteten Ines K.?

Im Schlusswort hatte der Angeklagte den älteren Mann, der vor Gericht als Nebenkläger auftritt, direkt angesprochen: „Lieber Schwiegervater, ich bin nicht der Täter.“ Der Vater von Ines K. empfand dies als „Schmierenkomödie“. Die Strafe ist ihm nicht hoch genug, außerdem hätte er sich eine Verurteilung wegen Mordes gewünscht. Einen zweiten Prozess möchte der Rentner trotzdem nicht. „Die Sache sollte damit abgeschlossen sein“, sagt er.

Gab es noch einmal Ärger wegen der Dauer des Prozesses?

Ja. Am Ende der Urteilsverkündung hat Norbert Kütemeyer, Vorsitzender des Schwurgerichts, K.s Anwälten vorgeworfen, Beweisanträge „aus taktischen und finanziellen Gründen häppchenweise nachgeschoben“ zu haben, „wenn ein Ende des Prozesses drohte“. Insgesamt hatten die Verteidiger 57 Beweisanträge gestellt. Im Juli 2016 hatte Kütemeyer erstmals erklärt, dass die Beweisaufnahme aus Sicht der Kammer beendet war. Den Anwälten setzte er eine Frist von drei Wochen, um weitere Anträge zu stellen.

In der Urteilsverkündung kritisierte Kütemeyer auch die Politik, weil der Gesetzgeber kein Mittel finde, um Prozesse zu straffen – zum Beispiel durch knappere Fristen für Beweisanträge. „Dann wäre es nur konsequent, sich mehr Strafrichter zu leisten. Daran fehlt es aber“, so Kütemeyer. Der Mordprozess hatte sich über 41 Verhandlungstage hingezogen. Fest steht, dass die Anwälte bis zum Schluss für ihren Mandanten gekämpft haben. Den letzten Beweisantrag stellten sie direkt vor der Urteilsverkündung – was zu einer zweistündigen Verzögerung führte.  ly

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